Gezielt laufen anstatt Handgelenk mal Pi durch Wälder rennen

Luzerner Zeitung: Ausschnitt aus (Halb)-Marathon Blog

5. Juni 2018

Lesezeit: 2 Minuten
Bild: Alessandro della Valle

Rechtes Bein nach vorne, linker Arm nach hinten, linkes Bein nach vorne, rechter Arm nach hinten: Laufen kann doch jeder, einfach so, wir repetieren diesen Bewegungsablauf etwa ab dem ersten Lebensjahr täglich. Können wir für eine Marathonvorbereitung ergo kurzentschlossen die Schuhe schnüren, losrennen, möglichst viele Kilometer abspulen, und dann sind wir parat? Natürlich. Können wir. Ich habe das bis jetzt so gehandhabt, bin Handgelenk mal Pi durch alle möglichen Wälder in Luzern und Umgebung gejoggt. Aber vielleicht habe ich dabei ein paar Sachen falsch gemacht. Oder jedenfalls nicht ganz richtig.

Laufen ist komplexer als gedacht

Das wird mir klar, als Sport- und Bewegungswissenschaftler Elmar Anliker vom Luzerner Kantonsspital an einem Maiabend in einem Referat aufzeigt, dass Laufen eine viel komplexere Sportart ist, als man gemeinhin denkt. 40 Personen besuchen die Veranstaltung, die das Kantonsspital und der SwissCityMarathon – Lucerne zugunsten einer gezielte Marathonvorbereitung anbieten.

Wir brauchen Kraft, koordinative Fähigkeiten, Ausdauer, die Psyche spielt eine Rolle, der Körper muss sich erholen, wir sollten uns clever ernähren und haben im Idealfall einen energiesparenden Laufstil, der unsere Gelenke schont. Anhand eines Videos erläutert Anliker, dass gerade der letzte Punkt keine Selbstverständlichkeit ist. Wir sehen eine Joggerin mit schiefem Becken. Der Bewegungsablauf ist, sagen wir einmal suboptimal. Die Beinachse wirkt instabil, die Füsse kippen nach innen, wer diesen Laufstil nicht korrigieren kann, läuft Gefahr, sich chronische Beschwerden aufzuhalsen. «Manchmal», sagt Anliker, «empfehlen wir unseren Klienten, sich eine andere Ausdauersportart zu suchen.»


Drei Lauftypen - keiner macht es falsch

Wir sind entweder Vorder-, Mittelfuss- oder Fersenläufer. Die Profis rennen auf dem Vorderfuss. Für Amateure ist die Umstellung auf diesen Laufstil nicht einfach. Beruhigend zu wissen, dass es keinen richtigen oder falschen Stil gibt, alle haben ihre Vor- und Nachteile. Im Sinne der Prävention empfiehlt Anliker Hobbyjoggern eine Laufanalyse durchzuführen, um Fehlstellungen, muskuläre und funktionelle Defizite sowie falsches Material zu eruieren - damit sie vielleicht nicht mehr Handgelenk mal Phi, sondern richtig durch die Wälder rennen. Schliesslich bleibt neben Job und Privatleben nicht allzuviel Zeit zum Trainieren. Und diese nutzt man besser richtig.

Im Praxisteil vermitteln die Sportphysiotherapeuten Patrick Amrhein und Fabian Stähli eine Reihe an Übungen zur Optimierung der Lauftechnik. Mit gezielten Übungen, zum Beispiel für eine bessere Koordination und mehr Kraft, lässt sich der Laufstil optimieren. Einige Übungen lassen sich problemlos in Trainingseinheiten einbauen, andere eignen sich vor dem Fernseher. Das Gelernte sitzt. Jetzt kann es nur noch an mangelnder Disziplin scheitern. Ich werde daran arbeiten.

Autoren: Kari Kälin, Roman Schenkel

Quelle: Luzerner Zeitung