Ambulante Frauenmedizin

Mit dem Projekt «AVOS – ambulant vor stationär» hatte Luzern 2017 als erster Kanton bestimmte elektive Eingriffe für zwingend ambulant erklärt. Seither kam die schweizweit gültige AVOS-Liste hinzu. Gleichzeitig hat der Kanton Luzern seine eigene Liste per Anfang 2026 in der Gynäkologie um drei Eingriffsarten erweitert. Neu müssen laparoskopische Eingriffe an Eileiter und Eierstock sowie brusterhaltende Operationen mit und ohne Sentinel-Lymphonodektomie ambulant durchgeführt werden. Ein Ausnahmekriterienkatalog beinhaltet Vorerkrankungen und soziale Faktoren – werden diese erfüllt, ist weiterhin ein stationärer Eingriff möglich.
Neue Prozesse definiert
In der Frauenklinik Luzern-Sursee werden am Standort Luzern jährlich 80 bis 100 operative Eingriffe an Eileiter und Eierstock und ca. 200 brusterhaltende Operationen durchgeführt. Bisher geschah dies fast immer stationär. Für die Patientinnen kann ein solcher Wechsel verständlicherweise Fragen und Unsicherheiten mit sich bringen. Für uns ist selbstverständlich, dass die Umstellung so gestaltet wird, dass das Wohl und die Sicherheit der Patientinnen jederzeit im Mittelpunkt stehen. Die neuen Prozesse orientieren sich an bereits etablierten und eingespielten Vorgehensweisen von bestehenden ambulanten gynäkologischen Eingriffen. «Wichtig sind eine gute Vorbereitung, klare Abläufe und eine strukturierte Nachsorge», sagt Prof. Dr. med. Christine Brambs, Co-Leiterin der Frauenklinik Luzern-Sursee am LUKS.
Die Erfahrung seit Januar 2026 zeigt: «Laparoskopische Eingriffe an Eileiter und Eierstock lassen sich auch ambulant durchführen. Die Sicherheit der Patientinnen steht im Zentrum und ist auch beim neuen Vorgehen jederzeit gewährleistet», sagt PD Dr. med. Corina Christmann, Co-Leiterin der Frauenklinik Luzern-Sursee. Zentral ist dabei im Vorfeld eine ausführliche Information der Patientinnen über den Ablauf des Eingriffs, mögliche Risiken und das Verhalten zu Hause. Dies geschieht durch die zuweisenden Ärztinnen und Ärzte sowie mittels einer ausführlichen Vorbesprechung und Voruntersuchung am LUKS.
Differenzierte Nachsorge
Nach der Operation haben die Patientinnen genügend Zeit, sich in der Klinik zu erholen. «Sie werden erst nach Hause entlassen, wenn Kreislauf, Schmerzen und das allgemeine Befinden dies erlauben und kein relevantes Blutungsrisiko besteht», sagt Prof. Dr. med. Christine Brambs. Im Falle von Komplikationen oder unvorhergesehenen Ereignissen bleibt die Patientin stationär. Gemäss den bisherigen Erfahrungen können die Patientinnen zwei bis sechs Stunden nach dem Eingriff das Spital verlassen. Beim Austrittsgespräch erhalten sie genaue Empfehlungen für die Zeit zu Hause und die nötige Schmerzmedikation. Gleichzeitig ist die Frauenklinik bei Fragen oder Problemen rund um die Uhr erreichbar. Zwei Tage nach der Operation nimmt das Team der Frauenklinik telefonisch Kontakt auf, um sich nach dem Befinden der Patientin zu erkundigen. Die Nachkontrolle findet im Ambulatorium der Frauenklinik oder bei der zuweisenden Ärztin oder dem zuweisenden Arzt statt.
Brusterhaltende Operationen
Die dritte Art von Eingriff, die neu ambulant durchzuführen ist, sind partielle Mastektomien – brusterhaltende Operationen ohne onkoplastische Verfahren bei Patientinnen mit Mammakarzinom. Diese Behandlungen erfolgten bisher stationär – in der Frauenklinik Luzern-Sursee rund 200-mal jährlich. «Umso wichtiger ist eine enge Betreuung, gute Vorbereitung und die individuelle Entscheidung durch die Ärzteschaft, ob eine ambulante Behandlung medizinisch vertretbar ist», sagt Dr. med. Kathrin Schwedler, stellvertretende ärztliche Leiterin des Brustzentrums Luzern-Sursee und Leiterin des Brustzentrums Sursee. Patientinnen mit Brustkrebs werden vor und nach der Operation zusätzlich von Breast and Cancer Care Nurses (BCCN) unterstützt. «Das ambulante Vorgehen bedeutet für das Behandlungsteam einen deutlichen zusätzlichen Aufwand – diesen nehmen wir jedoch bewusst in Kauf, um den Patientinnen eine sichere und gut begleitete Betreuung zu ermöglichen», sagt Dr. med. Kathrin Schwedler. Alle Patientinnen erhalten am Tag nach dem Eingriff einen Anruf durch die BCCN. Die erste postoperative Kontrolle im Brustzentrum findet spätestens 48 Stunden nach dem Eingriff statt.
Die bisherigen Erfahrungen mit der neuen Regelung zeigen, dass sich die drei Eingriffe auch ambulant sicher durchführen lassen. Um die neuen Prozesse umfassend evaluieren zu können, wertet die Frauenklinik nicht nur die Erfahrungen am Spital aus, sondern führt auch strukturierte Nachbefragungen der Patientinnen und Zuweisenden durch, um deren Zufriedenheit zu erfahren.
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