Drei Urgesteine, die ihre Arbeit lieben und sich auf den Neubau der Frauenklinik freuen

Einen Gesprächstermin mit drei Pflegefachfrauen finden? Gar nicht so einfach. Als es schliesslich klappt, hat die eine eigentlich frei, die andere gerade eine Nachtschicht hinter und die dritte ihren Dienst vor sich. So sei das halt in ihrem Metier, meinen die drei und lachen. Wie kommt es, dass man 40 Jahre lang denselben Beruf am gleichen Ort ausübt? «Die Jahre gingen einfach so vorbei. Ständig passierte Neues, haben sich Dinge verändert, kamen neue Aufgaben auf uns zu, sodass ich gar nie auf die Idee kam, etwas anderes zu machen», sagt Regina Vonesch. Nach der Ausbildung zur Stationsleitung arbeitete sie einige Jahre in dieser Funktion. Als ihr Sohn und später ihre Tochter zur Welt kamen, war sie weiter als Pflegefachfrau HF tätig. Ihr Pensum passte sich immer an die jeweilige Familiensituation an. Lisbeth Koller, sie kommt gerade von der Nachschicht, hat nach der Lehre im Kinderspital noch die Bäuerinnenschule angehängt. Dann kam ihre Tochter auf die Welt und sie begann, in der Frauenklinik Nachtschichten zu übernehmen. Anfangs arbeitete sie in einem 25-Prozent-Pensum, heute sind es 80 Prozent. Claudia Mutter arbeitete 25 Jahre auf der Mutter-Kind-Station, als klar wurde, dass ihre Ausbildung künftig nicht mehr anerkannt würde. «So habe ich mit fast 50 Jahren noch die Höhere Fachschule gemacht», sagt sie. Heute arbeiten alle drei in der Gynäkologie- / Mutter-Kind-Abteilung der Frauenklinik.
Keine Angst vor grossen Veränderungen
Bald steht ein grosser Umzug bevor: Ab Herbst wird ihre Abteilung im Neubau von Kinderspital und Frauenklinik zuhause sein. Obwohl damit gegen Ende ihrer Berufskarriere – die drei Frauen sind 63 und 64 Jahre alt – noch einmal eine Herkulesaufgabe auf sie wartet, freuen sie sich auf dieses neue Kapitel. «Wir sind alle sehr positiv eingestellt», sagt Claudia Mutter. «Schliesslich haben wir vor 26 Jahren schon einmal den Umzug von der alten in die heutige Frauenklinik erlebt und mitgemacht.» Alle nicken. «Damals hat das Militär alles gezügelt», erinnert sich Lisbeth Koller. «An einem Tag war alles noch im alten, am nächsten stand es bereits im neuen Gebäude und der Betrieb ging nahtlos weiter.» Für den Umzug jetzt im Herbst haben sie Zügelsimulationen geübt, damit alles reibungslos abläuft. «Damals ging es auch ohne diese Vorübung, also wird es diesmal sicher auch funktionieren», sagt Regina Vonesch.
Eindrücklich, wie die drei Pflegefachfrauen der grossen Veränderung gelassen entgegenblicken. «Natürlich bedeutet das für uns alle eine Umstellung, aber wir mussten uns schon auf so viel Neues einstellen, dass wir das vertrauensvoll auf uns zukommen lassen», sagt Claudia Mutter. Und schliesslich sind sie gespannt auf die neuen, modernen Räumlichkeiten. Ein grosses Plus am neuen Gebäude sind die Einzelzimmer. «Die Patientinnen werden das sicher schätzen», sagt Regina Vonesch.
Freude über zufriedene Patientinnen
Was ist das Geheimnis der drei Frauen, weshalb sie nach so vielen Jahren immer noch Freude am Beruf haben und offen gegenüber Veränderungen sind? Ihr Job sei sehr abwechslungsreich, meint Claudia Mutter und Regina Vonesch ergänzt: «Unser Alltag ist extrem vielseitig. Die medizinischen Aspekte wie Medikamente verabreichen, medizinaltechnische Aufgaben erledigen, Arztvisiten begleiten, bei denen wir eine wichtige Rolle spielen, und natürlich die eigentliche Pflege der Patientinnen.» Hinzu kommen die Zusammenarbeit im Team, die Betreuung von jungen Lernenden und vieles mehr. Die grösste Motivation liegt aber bei den Menschen, um die sie sich kümmern. «In der Frauenklinik betreuen wir viele zufriedene Patientinnen, wir bekommen rührende Dankesschreiben und immer mal wieder sogar kleine Aufmerksamkeiten», erzählt Claudia Mutter. Diese Wertschätzung zu spüren, sei sehr motivierend. «Die Patientinnen registrieren auch, dass wir ein gutes Team sind», sagt Lisbeth Koller.
Der Alltag im Spital hat sich über die Jahre stark verändert – wie gehen sie damit um? «Die Patientinnen, die früher vielleicht eine Woche bei uns waren, bleiben teilweise nur noch zwei Tage, alles ist schnelllebiger geworden», sagt Regina Vonesch. Zudem seien die Ansprüche gestiegen, fügt sie an. Es gebe auch herausfordernde Momente, bestätigen alle drei, in denen man zunächst einmal tief durchatmen müsse. Dann seien vor allem Feingefühl und diplomatisches Geschick gefragt. «Zum Glück haben wir ein tolles Team, mit dem wir solche Situationen ansprechen können», sagt Claudia Mutter. Auch emotional belastende Momente gilt es auszuhalten, etwa bei der Betreuung von schwerkranken Menschen. «Damit man das über Jahrzehnte machen kann, müssen wir das so gut wie möglich verarbeiten und nicht alles mit nach Hause nehmen.»
Ein bisschen Adrenalin muss sein
Wie haben sie sich über die Jahre verändert, was hat dieser anspruchsvolle Beruf mit ihnen gemacht? Ihr Erfahrungsschatz sei mittlerweile ziemlich gross, meint Claudia Mutter und schmunzelt. «Wir absolvierten viele Weiterbildungen und haben uns ein enormes Wissen angeeignet», sagt Lisbeth Koller. Hinzu komme die grosse Routine, auf die sie jederzeit zurückgreifen könne. Regina Vonesch fügt an, dass sie gelassener geworden sei. «Wir haben schon manche strube Situation erlebt, deshalb bringt mich nichts mehr so schnell aus der Ruhe.» Allerdings: Alle drei mögen es, wenn etwas läuft bei der Arbeit. «Ein wenig Adrenalin muss sein, dann komme ich auf Touren», gibt Claudia Mutter zu und erhält zustimmendes Nicken der beiden Kolleginnen. «Und wenn ich es mir recht überlege, muss ich sagen: Wäre ich jetzt jung, würde ich den gleichen Beruf noch einmal wählen.»
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