Patientenindividuelle Planung in der chirurgischen Behandlung der Schlafapnoe

Moderne Diagnostik und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichen eine präzise und individuell abgestimmte chirurgische Therapie der obstruktiven Schlafapnoe (OSA). Unter der Leitung von Prof. Thomas Gander, Chefarzt der Mund-, Kiefer-, Gesichts- und Oralchirurgie (MKG), wurde in den vergangenen Jahren ein strukturiertes Konzept für die Diagnostik und Therapieplanung etabliert. Kontinuierliche Investitionen in moderne diagnostische Verfahren erlauben eine differenzierte Beurteilung der oberen Atemwege und unterstützen so eine gezielte operative Planung. In der neu eingerichteten spezialisierten Sprechstunde für obstruktive Schlafapnoe und Dysgnathie steht die individuelle anatomische Analyse im Vordergrund – mit besonderem Fokus auf die oberen Atemwege sowie auf Kiefer- und Bisslage. Auf dieser Basis wird eine massgeschneiderte Therapie entwickelt, die optimal auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt ist.
Die Bedeutung der obstruktiven Schlafapnoe
Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine häufige und potenziell schwerwiegende Erkrankung, bei der es während des Schlafs wiederholt zu Atemaussetzern durch einen Kollaps der oberen Atemwege kommt. Eine 2019 in der renommierten Fachzeitschrift «The Lancet» publizierte Studie schätzt, dass weltweit etwa eine Milliarde Menschen betroffen sind, davon etwa 425 Millionen mit moderater bis schwerer Ausprägung (AHI ≥ 15). Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) gibt an, wie viele Apnoen und Hypopnoen durchschnittlich pro Stunde Schlaf auftreten. Neben konservativen Massnahmen spielen die CPAP-Therapie sowie die sogenannte Schnarchschiene, auch Mandibular Advancement Device (MAD) genannt, eine zentrale Rolle. Sie verlagert den Unterkiefer nach vorne und erweitert so den Atemweg. Reichen diese Massnahmen nicht aus, gewinnen chirurgische Optionen an Bedeutung – insbesondere dann, wenn anatomische Ursachen vorliegen oder eine ursächliche Therapie gewünscht wird und konservative Massnahmen nicht vertragen werden.
Die Abklärung und Therapieplanung erfolgt in einer spezialisierten Sprechstunde in enger Zusammenarbeit mit der Pneumologie und der HNO-Abteilung. Verantwortlich ist Oberarzt Dr. med. Dr. dent. Robert Ilesan, Ph.D., der – wie auch seine Kolleginnen und Kollegen der MKG – doppelt approbiert ist, also sowohl als Mediziner wie auch als Zahnarzt. «Diese besondere Qualifikation ist ein Alleinstellungsmerkmal der MKG und ermöglicht es uns, die gesamte Therapie im Haus anzubieten – von der zahnärztlichen Untersuchung und Anpassung einer Schnarchschiene bis hin zur patientenspezifischen bimaxillären chirurgischen Therapie», erklärt Dr. Ilesan.
Orthognathe Chirurgie und moderne 3D-Planung
Ein zentraler Bestandteil patientenspezifischer Therapien ist die virtuelle chirurgische Planung, also die 3D-Simulation des operativen Vorgehens. In den letzten drei Jahren wurde dafür ein 3D- und Forschungslabor in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie aufgebaut. «Vor fast zwei Jahren habe ich mich für das LUKS entschieden – mit der Motivation, gemeinsam mit einem der Pioniere der 3D-Planung, Prof. Gander, dieses Projekt aktiv mitzugestalten», erklärt Dr. Ilesan, der auch das 3D- und Forschungslabor leitet. Die orthognathe Chirurgie zählt zu den wenigen Möglichkeiten, die obstruktive Schlafapnoe ursächlich zu behandeln, indem anatomische Engstellen dauerhaft korrigiert werden. Oft ist sie mit einer funktionellen Bisskorrektur verbunden und kann zusätzlich zu einer ästhetischen Harmonisierung des Gesichts beitragen. «Die orthognathe Chirurgie zählt zu den standardisiertesten Verfahren unseres Fachgebiets und basiert auf grosser Erfahrung und Präzision – unterstützt durch modernste Technologien, die unseren Patientinnen und Patienten heute zur Verfügung stehen», betont Prof. Gander.
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