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Von Luzern nach Mauritius: Wie ein Arzt Wissen teilt, statt Grenzen zu ziehen

Wenn Prof. Dr. med. Dr. phil. Primož Petrič über Strahlentherapie spricht, geht es ihm selten nur um Technik. Es geht um Zugänge, um Wissen und um die Frage, wie medizinische Qualität auch dort verbessert werden kann, wo Ressourcen begrenzt sind.
5. Juni 2026
Lesezeit: 3 Minuten
Die beiden Ärzte Dr. Timothy Collen und Prof. Dr. med. Dr. phil. Primož Petrič vor einem modernen Gerät für Strahlentherapie
Co-Chefarzt Dr. Timothy Collen mit dem Leitenden Arzt der Radio-Onkologie des Luzerner Kantonsspitals (LUKS) am Kantonsspital Zug, Prof. Dr. med. Dr. phil. Primož Petrič (v.l.)

Im April 2026 hat der Leitende Arzt der Radio-Onkologie des Luzerner Kantonsspitals (LUKS) am Kantonsspital Zug deshalb zusammen mit seinem Kollegen und Co-Chefarzt, Dr. Timothy Collen, ein Projekt gestartet, das weit über den Klinikalltag hinausweist: einen kostenlosen Weiterbildungskurs zur Strahlentherapie bei Brustkrebs für Onkologie-Fachpersonen in Mauritius.

Der Kurs ist unbezahlt, freiwillig und gemeinnützig. Er richtet sich an Ärztinnen und Ärzte vor Ort und soll helfen, moderne Therapiekonzepte verständlich und praxisnah zu vermitteln. «Es geht nicht darum, ein System von aussen zu verändern», sagen Petrič und Collen. «Sondern darum, Wissen so weiterzugeben, dass es vor Ort eigenständig angewendet werden kann.»

Lernen dort ermöglichen, wo es gebraucht wird

Brustkrebs ist weltweit eine der häufigsten Krebserkrankungen. Während moderne Therapien in vielen Ländern zum Standard gehören, fehlt andernorts oft der Zugang zu strukturierter Weiterbildung. Genau hier setzt der Kurs in Mauritius an. Er vermittelt Grundlagen zu Anatomie, Diagnostik und Therapie ebenso wie konkrete Anwendungen der modernen Strahlentherapie. 

Behandelt werden unter anderem Fragen der Behandlungsplanung, Zielvolumendefinition, Bildgebung oder der Einsatz verschiedener Strahlentechniken. Auch die sogenannte Brachytherapie kommt zur Sprache – eine Methode, bei der die Strahlenquelle direkt im oder nahe am Tumor platziert wird. Sie erlaubt eine sehr präzise Behandlung und schont umliegendes Gewebe. 

Der Kurs bleibt nach dem Start während sechs Monaten online zugänglich. So können Teilnehmende die Inhalte im eigenen Tempo vertiefen und in den klinischen Alltag integrieren.

Erfahrung weitergeben, Strukturen stärken

Petrič und Collen leiten den Kurs gemeinsam. Unterstützt werden sie von der lokalen Kursleiterin aus Mauritius, Dr. Shaleena Chooromoney, sowie der Kursleiterin aus Slowenien, Dr. Ivica Ratoša. Darüber hinaus unterrichten weitere international erfahrene Fachpersonen aus Europa, darunter auch Kolleginnen und Kollegen aus Luzern. Sie alle beteiligen sich ehrenamtlich. Für Petrič ist das konsequent. Bereits 2022 hat er die Bildungsplattform «BrachyTerra» ins Leben gerufen – eine kostenlose Online-Initiative für Strahlentherapeutinnen und -therapeuten mit Fokus auf gynäkologische Krebserkrankungen. 

Über «BrachyTerra» wurden seither Kurse in Sri Lanka, Indien, Ägypten, Serbien, der Ukraine und mehreren afrikanischen Ländern durchgeführt. Rund 4000 Fachpersonen haben teilgenommen. «Wir merken, dass der Bedarf enorm ist», sagt Petrič. «Und dass Weiterbildung dann besonders wirksam ist, wenn sie praxisnah und respektvoll auf Augenhöhe erfolgt.» 

Aus «BrachyTerra» ist inzwischen «RayTerra» entstanden – eine Erweiterung des Konzepts auf weitere Tumorarten und die externe Strahlentherapie. Der Kurs in Mauritius ist das erste Projekt unter diesem neuen Namen. 

Medizin als gemeinschaftliche Aufgabe 

Dass Petrič dieses Engagement neben seiner klinischen Tätigkeit am LUKS betreibt, erwähnt er beiläufig. Für ihn ist es kein Gegensatz. «Strahlentherapie lebt vom Austausch», sagt er. «Was wir in Luzern lernen, ist nicht nur für Luzern relevant.» Der Kurs wurde deshalb gemeinsam mit lokalen Partnern entwickelt, angepasst an die vorhandenen Strukturen und Bedürfnisse vor Ort. 

Ob daraus weitere Projekte entstehen, ist offen. Möglich wäre es. Entscheidend sei jedoch etwas anderes, sagt Petrič: «Wenn am Ende Ärztinnen und Ärzte vor Ort sicherer entscheiden, präziser behandeln und ihr Wissen weitergeben können, dann hat sich der Aufwand gelohnt.»

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