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Wenn der Notfall kein Notfall ist – Luzerner Dissertation untersucht Bagatellnotfälle

Immer mehr Menschen suchen den Spitalnotfall auf – auch bei Beschwerden, die medizinisch nicht zwingend akut sind. Dieses Phänomen stellt Spitäler vor grosse Herausforderungen. Warum sich Patientinnen und Patienten dennoch für den Weg in den Notfall entscheiden, untersucht Assistenzärztin Noemi Filidoro im Rahmen ihrer Dissertation an der Universität Luzern.
5. Februar 2026
Lesezeit: 2 Minuten
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«Wir erleben täglich, dass Menschen mit Beschwerden kommen, die zwar belastend, aber nicht lebensbedrohlich sind», sagt Noemi Filidoro. «Mich interessiert, was sie dazu bewegt, gerade den Notfall aufzusuchen – und nicht etwa die Hausarztpraxis oder andere Angebote der Grundversorgung.» 

Ihre Forschung wird begleitet von Prof. Dr. med. Michael Christ, Chefarzt des Notfallzentrums am LUKS Luzern. «Das Notfallzentrum ist für akute, lebensbedrohliche Situationen gedacht», betont Christ. Für leichtere Fälle betreibt das LUKS am Standort Luzern in Kooperation mit der Ärztegesellschaft des Kantons eine gemeinsame hausärztliche Notfallpraxis, die 24notfallpraxis. Diese hat von 8 Uhr morgens bis 23 Uhr abends geöffnet – dazwischen werden sämtliche Patient/-innen im Notfallzentrum behandelt. 

«Wenn das Notfallzentrum zunehmend für Bagatellfälle genutzt wird, leidet die Versorgung jener, die wirklich dringend Hilfe brauchen. Deshalb ist es wichtig, die Beweggründe zu verstehen – nur so können wir gezielt informieren und steuern», erläutert Christ die Hintergründe. Filidoros Forschung soll dazu beitragen, die Notfallversorgung zu entlasten und gleichzeitig sicherzustellen, dass alle Patientinnen und Patienten die passende Hilfe zur richtigen Zeit erhalten.  

Wissenschaftliche Analyse verbunden mit praktischer Erfahrung

«Wenn uns dies gelingt, so verbessern wir die Versorgung aller», sagt Christ. Die Spitäler selbst hätten schon vieles unternommen und Patientenpfade so gut es geht entflechtet. «Gerne verweise ich auf die Umgestaltung der Notfallstation am LUKS Sursee – wo wir einen Fast-Track für Menschen mit leichteren Erkrankungen oder Verletzungen etabliert haben», so Christ. Die Dissertation geht aber über medizinische oder prozessuale Fragestellungen hinaus: Sie beleuchtet auch soziale, psychologische und organisatorische Faktoren, die das Verhalten der Bevölkerung beeinflussen.  

Die gesellschaftliche Relevanz des Themas ist hoch. Die zunehmende Belastung der Notfallstationen betrifft nicht nur die Mitarbeitenden der Notfälle, sondern auch die Effizienz und Fairness im Gesundheitssystem. Auch politisch schafft es das Thema immer wieder auf die Agenda – so stehen zum wiederholten Male Gebühren für Notfalleintritte zur Debatte. Die Spitäler lehnen eine solche Gebühr jedoch ab.   

Mit ihrer Dissertation verbindet Noemi Filidoro wissenschaftliche Analyse mit praktischer Erfahrung aus dem Klinikalltag – ein Ansatz, der das Verständnis für die Bedürfnisse der Bevölkerung im Gesundheitssystem vertiefen und langfristig zu einer besseren Versorgung beitragen soll. Ein zentrales Element der Studie ist eine breit angelegte Umfrage, die in sechs Sprachen durchgeführt wird – Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Albanisch und Portugiesisch. Damit sollen auch Bevölkerungsgruppen erreicht werden, die durch sprachliche Barrieren sonst schwer zugänglich sind. 

👉 Jetzt mitmachen und die Notfallversorgung mitgestalten! 
Nehmen Sie an der Umfrage teil und helfen Sie mit, die Beweggründe besser zu verstehen: 
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