Direkt zum InhaltDirekt zum Fussbereich

Ernährung nach bariatrischer Operation 1. Teil

Wenn starkes Übergewicht (Adipositas) besteht und auf konservativem Wege das Gewicht nicht ausreichend gesenkt und langfristig in einem gesunden Bereich gehalten werden kann, besteht die Möglichkeit eines bariatrischen Eingriffs. Es handelt sich dabei um eine Magen-Darm-Operation, welche Ihnen hilft das Gewicht zu reduzieren. Der Langzeiterfolg hängt stark mit dem persönlichen Verhalten zusammen. Je ausgewogener Ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten ist, desto grösser wird Ihr Erfolg sein.

Ziele der Ernährungs- und Verhaltenstherapie:

  • schnelle Heilung und Erholung
  • gute Verträglichkeit der Nahrung
  • verhindern von Beschwerden
  • deutliche Einschränkung der Energiezufuhr
  • langfristige Änderung des Essverhaltens
  • geregelter Essrhythmus
  • ausreichende Zufuhr aller lebenswichtigen Nährstoffen

Ernährung und Verhalten langfristig

Zwei Wochen nach der Operation gibt es keine Ernährungseinschränkungen mehr. Versuchen Sie möglichst gesund und ausgewogen zu essen. Es gibt Lebensmittel, welche vor allem in der ersten Zeit nach der Operation beim Essen Probleme bereiten können. Meiden Sie diese Speisen vorerst und probieren Sie nach 1-2 Wochen diese Lebensmittel wieder in Ihren Speiseplan einzubauen.

Essverhalten

  • Essen Sie sehr langsam und kauen Sie alles sehr gut. Für eine Hauptmahlzeit sollten sie zw. 20 - 30 Minuten einplanen.
  • Versuchen Sie bewusst auf Ihren Körper zu hören und die Signale von Hunger, Lust, Appetit und Sättigung wahrzunehmen. Durch die veränderte hormonelle Situation werden diese Körpersignale eventuell intensiver oder schwächer wahrgenommen.
  • Innerhalb von ca. einem Jahr sollten gesunde Verhaltensmuster automatisiert werden damit Sie langfristig Erfolg haben und einen erneuten Gewichtsanstieg verhindert werden kann.

Essrhythmus

  • Essen Sie grundsätzlich 3 Hauptmahlzeiten. In der ersten Phase nach Operation müssen Sie jedoch unter Umständen gezielt Zwischenmahlzeiten einplanen, da die Hauptmahlzeiten noch sehr klein ausfallen oder Sie eventuell wegen Beschwerden vorzeitig mit Essen stoppen müssen. Mit der Zeit sollten 3 Hauptmahlzeiten reichen und Zwischenmahlzeiten nur in Ausnahmesituationen eingeplant werden.

Portionengrössen

  • Sie werden nach der Operation nur noch kleine Mengen pro Mahlzeit essen können. Diese Menge entspricht am Anfang max. ¼ einer "normalen" Portion, sprich 2 bis 3 Esslöffel jeder Mahlzeitenkomponente (Eiweiss, Kohlenhydrate, Gemüse). Mit der Zeit werden die Portionen etwas grösser. Die Mengen sollten aber immer maximal die Hälfte einer "normalen" Portion bleiben.

Getränke

  • Trinken Sie 1.5 - 2 Liter pro Tag. Geeignete Getränke sind Wasser ohne oder mit wenig Kohlensäure, Tee ohne Zucker oder andere Getränke mit weniger als 1.5 g Kohlenhydrate pro Deziliter. Auf Fruchtsäfte sollten Sie wegen dem hohen Anteil an Fruchtzucker verzichten. Die aktuelle Datenlage bezüglich künstlicher Süssstoffe (light Getränken) ist unklar, deshalb empfehlen wir auf diese, wenn möglich, zu verzichten. Flüssigkeitsmangel ist eine mögliche Komplikation vor allem in der ersten Zeit nach der Operation. Gewöhnen Sie sich daran ausreichend zu trinken.
  • Ess- Trink Abstand: Es ist sinnvoll 15 Minuten vor und 30 Minuten nach einer Mahlzeit nichts zu trinken. Wenn Sie zum Essen bzw. kurz vor oder nach dem Essen trinken, wird der Mageninhalt verdünnt. Einerseits kommt es zu einer raschen Entleerung des Magens in den Dünndarm, andererseits kann es zu saurem Aufstossen oder Erbrechen führen.
  • Alkoholische Getränke mit Mass, da aus "einem Drink zwei Drinks" werden: Durch die Operation verändert sich die Verdauungssituation. Da ein Teil vom Magen fehlt, ist der Alkoholabbau im Magen stark reduziert. Alkohol passiert das Verdauungssystem schneller und gelangt somit schneller ins Blut. Es führt zu einer Verdoppelung der Alkoholkonzentration im Blut und zu einer deutlichen Zunahme der Intoxikationssymptomatik. Konsumieren Sie Alkohol, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Mass und probieren Sie nach der Operation alkoholische Getränke zuerst zu Hause aus. Zudem enthält Alkohol fast so viele Kalorien wie Fett und hemmt den Fettabbau.

Eiweiss

  • Eiweiss ist der wichtigste Baustoff für unseren Körper. Muskel, Knochen, Haut, Haare, Hormone, Enzyme etc. bestehen aus Eiweissbestandteilen. Um bei der Gewichtsreduktion möglichst viel Fettmasse abzubauen und die Muskelmasse zu erhalten, ist eine ausreichende Eiweisszufuhr wichtig. Gerade nach der Operation ist der Eiweissbedarf durch die Wundheilung zusätzlich erhöht. Essen Sie deshalb mindestens bei jeder Hauptmahlzeit etwas Eiweisshaltiges. Gute Eiweisslieferanten sind mageres Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Joghurt, Quark, Käse oder Tofu / Quorn.
  • In der ersten Zeit nach der Operation ist es praktisch unmöglich ausreichend Eiweiss zu essen. Deshalb empfehlen wir gezielt mindestens für einen Monat ein Eiweisspräparat einzusetzen. (Siehe Empfehlungen).

Vitamin- und Mineralstoffsupplemente

  • Um eine ausreichende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr zu gewährleisten, müssen Sie täglich und lebenslänglich Vitamin- Mineralstoffpräparate nehmen (Siehe Empfehlungen).

Fettmenge und Fettqualität

  • Die Fettverträglichkeit ist individuell und hängt auch von der Art der Operation ab. Bei übermässigem Konsum von fetthaltigen Speisen kann es zu Durchfällen kommen. Achten Sie daher auf eine fettarme Zubereitung und den Konsum von fettarmen Lebensmitteln. Damit Sie den Bedarf an essentiellen Fettsäuren decken können, wird der Einsatz von Rapsöl empfohlen.

Bewegung

  • Um die Gewichtsreduktion zu unterstützen, die Muskelmasse jedoch zu erhalten und das Gewicht langfristig in einem gesunden Bereich halten zu können, ist die Bewegung unerlässlich. Beginnen Sie langsam und vorsichtig mit Bewegung/Sport und steigern sie die Trainingseinheiten und - dauer mit der Zeit.
  • Eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining ist empfehlenswert, um das beste Resultat zu erzielen. Die Bewegung sollte zu einer lebenslangen Gewohnheit werden.

Körperveränderungen

  • Die Haut kann je nach Veranlagung mehr oder weniger unter der schnellen Gewichtsreduktion leiden. Körpercremen jeglicher Art wirken feuchtigkeitsspendend, aber kaum hautstraffend. Regelmässige Bewegung kann überschüssiger Haut etwas entgegen wirken.

  • Die Geschwindigkeit des Gewichtsverlustes hat keine Auswirkung auf das Aussehen nach Jahren.

Soziales Umfeld

  • Überlegen Sie sich Personen, welche Ihnen nahestehen, über die Operation zu informieren. Erklären Sie, um was es geht, damit das Verständnis der Situation nach Operation vorhanden ist. Es ist auch von Vorteil, wenn Sie offen mit der neuen Situation umgehen und kein Geheimnis daraus machen. Die Magenverkleinerung gehört nun zu Ihrem Leben und man sieht Ihnen die Veränderung nach der Operation äusserlich rasch an. Zudem können Sie sich in der Gesellschaft bezüglich Essen und Trinken nicht mehr gleich verhalten. Sie können auch keine Ausnahmen mehr machen was das Essen anbelangt. Es lohnt sich offen zu sein, wenn Sie auf die Situation angesprochen werden.

Schwangerschaft nach Operation

  • Auf Grund der verbesserten Fruchtbarkeit besteht nach einer bariatrischen Operation ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von unerwünschten Schwangerschaften. Generell wird empfohlen, dass Patientinnen innerhalb der ersten 1.5 - 2 Jahre nach Operation nicht schwanger werden sollten, da dies ein Risiko für das ungeborene Kind darstellen kann.
  • Orale Antikontrazeptiva stellen nach einer bariatrischen Operation keine ganz sichere Verhütungsmethode mehr dar, da durch die Veränderung des Dünndarms die Aufnahme der Pille nicht mehr gewährleistet sein könnte. Sprechen Sie vor der Operation mit einem Facharzt über geeignete Verhütungsmittel. Empfohlen wird durch uns die Spirale.
  • Sollten sie nach einer bariatrischen Operation schwanger werden, melden sie sich frühzeitig bei Ihrem Facharzt für Bariatrie und der Ernährungsberatung, um die Vitamin- und Mineralstoffversorgung zu überprüfen und die nötigen Ernährungsempfehlungen zu erhalten.

Shoppingliste

Folgende Liste zeigt auf welche Vitamin- und Mineralstoffpräparate nach bariatrischer Operation empfehlenswert sind. Da die Präparate zur Förderung und Unterstützung der Gesundheit täglich und lebenslänglich eingenommen werden sollten, lohnt es sich auch die Preise zu vergleichen. Falls Sie ein Produkt nehmen wollen, welches nicht auf der Liste steht, bringen Sie dies zur Ernährungsberatung mit um das Präparat zu beurteilen.

Fresubin® Protein Powder

Fresubin® Protein Powder ist ein geschmacksneutrales Eiweisspulver aus hochwertigem Molkenprotein. Das Pulver lässt sich leicht mit verschiedensten Speisen und Getränken mischen. Es eignet sich nicht für die direkte Zubereitung mit kochenden Speisen und Flüssigkeiten. Ist die Temperatur jedoch unter 70 Grad, kann das Pulver direkt in das gewünschte Nahrungsmittel eingerührt werden. Ist die Temperatur höher, so muss das Pulver zuerst mit wenig lauwarmer Flüssigkeit angerührt werden (25 - 50 ml), damit es sich gut löst. Die Mischung wird dann kurz vor dem Servieren zum gewünschten Nahrungsmittel gegeben. Während oder nach der Zugabe des Pulvers sollte die Flüssigkeit nicht mehr aufgekocht werden.

Dosierung

Pro 100 g Speise bis zu 25 g Fresubin® Protein Powder (= 5 Original Messlöffel)

Bezugsquellen

Fresubin ® Protein Powder ist rezeptfrei in Drogerien und Apotheken oder direkt bei der Firma Fresenius Kabi (Schweiz) AG telefonisch (0800 820 290) erhältlich. Kosten Mit einer ärztlichen Verordnung (je nach Krankenversicherer SVK-Formular oder Rezept) besteht die Möglichkeit einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse/ IV. Wenden Sie sich diesbezüglich an die Ernährungsberatung oder Ihren Arzt.

  • 1 Dose à 300 g kostet ungefähr 25 CHF