Thema Schmerz

Geburtsschmerzen: Unterschiedlich intensiv empfunden – individuell behandelt

Das Schmerzempfinden ist individuell geprägt und von der Situation abhängig. So erlebt jede Frau die Wehen während der einzelnen Geburtsphasen unterschiedlich intensiv. Viele Frauen gebären ohne Schmerzmittel. Doch gibt es Situationen, in denen der Schmerz überhand nimmt. Verschiedene Methoden helfen, diese Schmerzen zu lindern und zu behandeln.

Sanfte Methoden

  • In der Geburtsvorbereitung erlernen Sie Techniken, die Ihnen helfen, den zunehmenden Wehenschmerz während der Geburt zu bewältigen.
  • Unsere Hebammen zeigen Ihnen auch in den Hebammen-Sprechstunden, welche sanften Techniken und Therapien während der Geburt zur Verfügung stehen – auch Akupunktur oder Aromatherapie.
  • Auch an unseren Informationsveranstaltungen zur Geburt wird das Thema Schmerz angesprochen. 

Während der Geburt hilft Ihnen die Hebamme, den Schmerz besser zu bewältigen:

  • Sie zeigt Ihnen, wie Sie bewusst mit jeder Wehe umgehen können und wie Sie sich zwischen den Wehen optimal entspannen.
  • Sie hilft Ihnen, entlastende Positionen zu finden.
  • Sie coacht Sie durch das Geschehen und ist für Sie da.
  • Während der Geburt stehen verschiedene weitere sanfte Therapien zur Verfügung, welche die Hebamme im Dialog mit Ihnen je nach Situation anbietet.

Lachgas

Lange Zeit war Lachgas beim Gebären völlig aus der Mode gekommen. Heute entdecken wir wieder die besonderen Vorteile.

  • Lachgas ist für Sie und Ihr Baby ungefährlich.
  • Lachgas hat den Vorteil, dass Sie als Schwangere selbst bestimmen, wann und wieviel Lachgas Sie möchten. Die Hebamme begleitet und überwacht Sie.
  • Das Lachgas, das Sie über eine Maske nach Bedarf einatmen, wirkt innerhalb von 30 bis 45 Sekunden.

Wirksamste Schmerzbekämpfung: Regionalanästhesien

Die wirksamste Schmerzlinderung wird durch ein rückenmarknahes Anästhesieverfahren erreicht. Im Vordergrund steht die Epiduralanästhesie, auch Periduralanästhesie (PDA) genannt.

Vorteile der Epiduralanästhesie

  • Mit wenig lokal verabreichten Medikamenten kann eine gute Schmerzlinderung erreicht werden. Somit bleibt die Belastung von Mutter und Kind minimal.
  • Die Mutter bestimmt jederzeit, wie viel Schmerzmittel sie für die Geburt benötigt.
  • Die Epiduralanästhesie verringert den Stress während der Geburt, was sich positiv auf die Mutter und das Ungeborene auswirken kann.
  • Falls im Verlauf der Geburt ein Kaiserschnitt (Sectio) notwendig wird, kann die Epiduralanästhesie verstärkt werden. Dies ermöglicht eine schmerzfreie Operation ohne Vollnarkose (Allgemeinanästhesie).

Vorgehen bei der Epiduralanästhesie

  • Der Anästhesist führt nach lokaler Betäubung über eine Nadel einen feinen weichen Katheter (Kunstoffschläuchlein) im unteren Bereich des Rückens ein. Dieses kommt im Epiduralraum zu liegen.
  • Dieser Raum ist durch die Rückenmarkshaut vom Spinalraum, in dem sich die Spinalnerven und das Rückenmark befinden, getrennt.
  • Das Schmerzmittel kann so während des gesamten Geburtsverlaufs individuell nach Bedarf der Mutter zugeführt werden.
  • Die Wirkung tritt nach 15 bis 20 Minuten ein. Sie erstreckt sich auf die Nervenbahnen, die während der Geburt die Schmerzsignale aus Gebärmutter, Scheide und Damm zum zentralen Nervensystem (Rückenmark und Hirn) weiterleiten.
  • Das Ziel ist eine Schmerzlinderung mit möglichst geringer Ausschaltung der Muskelkraft. So können Sie Ihre Gebärpositionen möglichst anpassen und am Ende der Geburt noch gut mitpressen.

Alternative Möglichkeit: Spinalanästhesie

Bei der Spinalanästhesie wird das Medikament einmalig in den sogenannten Spinalraum gespritzt. Die Wirkung setzt rasch ein, hält aber nur eine bis drei Stunden an. Die kombinierte Spinal-Epiduralanästhesie (CSE) verbindet die beiden Verfahren.

Nebenwirkungen, Risiken und Komplikationen der rückenmarksnahen Anästhesie

Grundsätzlich ist die Epiduralanästhesie für Mutter und Kind eine der sichersten Methoden. Doch kein medizinischer Eingriff ist frei von Nebenwirkungen.

  • Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Wärmegefühl, Zittern, Kribbeln, Juckreiz oder ein Absinken des Blutdrucks.
  • Zudem kann eine Muskelschwäche der unteren Körperhälfte auftreten, was die Gehfähigkeit und gelegentlich die Kraft zum Mitpressen während der Geburt einschränken kann. Dann kann die Unterstützung der Geburt mit einer Saugglocke nötig werden. Das Risiko, dass ein Kaiserschnitt gemacht werden muss, ist durch die PDA jedoch nicht erhöht.
  • Eine Wehenschwäche kann die Verabreichung eines Wehenhormons notwendig machen.
  • Gelegentlich treten nach der Geburt Kopfschmerzen auf. Selten ist eine vorübergehende Blasenentleerungsstörung oder ein gedämpftes Empfinden in der unteren Körperhälfte möglich.
  • Ernste Probleme wie eine dauerhafte Lähmung treten äusserst selten auf.
  • Mit einer PDA führen wir keine Wassergeburten durch.

Sehr starkes Schmerzmittel per Infusion

Falls bei Ihnen eine Regionalanästhesie medizinisch oder technisch nicht möglich ist, kann Ihnen ein äusserst kurzwirksames und sehr starkes Schmerzmittels abgegeben werden (Remifentanil).

  • Dieses wird über einen venösen Zugang am Arm mit einer Infusionspumpe verabreicht. Die Dosierung können Sie selber je nach Schmerzintensität per Knopfdruck steuern.
  • Im Gegensatz zu den herkömmlichen, sehr langwirksamen Schmerzmitteln sammelt sich das Medikament nicht im Körper an und es hat kaum nachteilige Auswirkungen auf Sie und das Neugeborene.
  • Als seltene Nebenwirkungen können Schwindel, Übelkeit und Müdigkeit auftreten.
  • Probleme mit der Atmung sind sehr selten möglich, was eine Überwachung des Sauerstoffgehalts im Blut mittels eines Fingersensors erfordert und eine Sauerstoffgabe über die Nase notwendig machen könnte.

Fazit zum Geburtsschmerz

Es ist sinnvoll, sich vor der Geburt mit dem Thema Schmerz auseinanderzusetzen. Es ist gut zu wissen, dass vieles geplant werden kann – dass aber jede Geburt ihren Lauf nimmt. Nicht alles ist vorhersehbar, auch der Schmerz und Ihr Schmerzempfinden nicht.

  • Sprechen Sie vor der Geburt mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt und lassen Sie sich beraten. So können Sie, wenn's los geht, gemeinsam mit Ihren Nächsten und der Hebamme die Geburt gestalten.
  • Pläne können helfen – bleiben Sie trotzdem offen für alles, was passiert. Wir sind für Sie da.
  • Lassen Sie sich auf die Geburt ein – sie ist immer einzigartig. 

Schmerz und Geburt

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