Psychosomatik Kongress: Der schwierige Patient in meiner Praxis

Datum: Donnerstag, 28. März 2019, 13.00 bis 17.30 Uhr
Ort: KKL Luzern, Europaplatz 1 (Terrassensaal)
Fachbereich:
dji 0469 arb2

Die Vortragsreihe mit namhaften Referenten aus dem In- und Ausland befasst sich mit dem Umgang mit Patienten mit Persönlichkeits­akzentuierungen, -stilen bis hin zu -störungen in Praxen von Haus­ärzten und weiteren Fachpersonen. Der alltägliche Umgang mit in ihrem Beziehungsverhalten auffälligen und das medizinische System rasch überfordernden Patienten stellt unsere Grundversorger vor grosse Herausforderungen; hohe Reaktanz auf fordernde, abwertende oder (gar zu) anhängliche Patienten fordern und lähmen unsere Leistungserbringer in ihrer Arbeit.

An wen richtet sich die Fortbildung?

Unser Zielpublikum sind vornehmlich Allgemein- und Hausärzte, aber auch psychosomatisch tätige Psychiater und Psychologen sowie weitere Fachpersonen, die an der Schnittstelle somatische und psychosomatische Medizin mit leidenden, im Praxis- und Therapiealltag schwierigen Patienten zu tun haben.

Was ist das Ziel der Fortbildung?

  • Vermittlung eines allgemeinen Theoriekonzepts zur Entstehung sowie Diagnostik von ausgewählten Persönlichkeitsstilen
  • Erkennen und adäquates Reagieren auf spezifisches Beziehungsverhalten
  • Reflektion des eigenen Verhaltens bzw. individueller Reaktanz
  • Im Alltag für den Arzt einfach umsetzbare Bewältigungsstrategien, persönliche Schutzmechanismen, Ressourcenaktivierung

 

Was darf ich als Teilnehmer erwarten?

Die Themenschwerpunkte sind weit gefasst und geben den Teilnehmern die Möglichkeit, flexibel aber praxisnah Hauptaussagen und Leitlinien – auch ohne psychotherapeutischen Hintergrund, aber mit viel Praxiserfahrung im Umgang mit schwierigen Patienten – in Fragen auszutauschen und zu vertiefen. Es soll eine ausgewogene Balance zwischen Theorie und Praxisanwendung vermittelt werden, abgerundet mit Handouts, fundierten Literaturhinweisen sowie weiteren Informationen für Ärzte und Patienten.

Programm

13:00 - 13:15

Begrüssung mit Kaffee

13:20 - 14:10

ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen: hilfreiche Perspektiven

Christian Mueller, Arzt, Psychiatre d'enfants et d'adolescents FMH

Besprechung von ziel- und ressourcenorientierten Coaching-Methoden, welche es erlauben, Be­troffene mit Aufmerksamkeits- und Verhaltensstörungen erfolgreich zu begleiten: Child Coaching ist eine Anleitung für Eltern, Pädagogen, Lehrer und Therapeuten zur Aneignung des nötigen Knowhow, welches erlaubt, schwierige Kinder und Jugendlichen aus destruktiven und problematischen Ver­haltens­­weisen herauszuführen. Dank dieser Methode haben Eltern/Lehrer/Betreuer die Möglichkeit mit Kindern oder Jugendlichen, die Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit einem Aufmerksam­keits­defizit (mit oder ohne Hyperaktivität, mit oder ohne Impulsivität), Zwangsstörungen, Ernährungs­störungen (Anorexie, Adipositas, Bulimie), Schlafstörungen, aggressivem oder oppositionellen Ver­halten, einer Adoptionsproblematik, Schulschwierigkeiten, einem POS (Gilles-de-la-Tourette-Syndrom oder andere) oder einem autistischen Syndrom erfolgreich zu coachen. Diese Methode erlaubt es den Eltern, ihren Erziehungsstil den Schwierigkeiten der betroffenen Kinder oder Jugendlichen anzu­passen und einen unterstützenden Rahmen zu schaffen, in welchem diese neue Erfahrungen machen, sich Coping Capacities erarbeiten und ihre Schwierigkeiten überwinden können.

Bei Erwachsenen mit einem neuropsychologischen Handicap sind Coaching-Methoden ebenfalls hilf­reich. Die Betroffenen haben oft ungeeignete Strategien (Borderline-Syndrom, Toxikomanie, Depression, Angststörungen) entwickelt, um ihre Schwierigkeiten zu kompensieren. Früher oder später geraten sie wegen ihrer Aufmerksamkeitsstörung und den damit verbundenen Verhaltens­problemen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Notwendig sind nicht nur die Erkennung ihrer Problematik, sondern auch geeignete Massnahmen, die ihnen erlauben ihre verschiedenen Lebens­bezüge neu anzugehen. Nur Coaching-Methoden erlauben es ihnen, mit der totalen Umkrempelung ihrers Lebens fertig zu werden. Meist sind in diesem Zusammenhang ein Skill-Training und eine Stärkung des Selbstvertrauens unumgänglich.

14:20 - 15:10

Integrative Behandlung von dysfunktionalen Persönlichkeitsstilen und Persönlichkeits­störungen

Prof. Dr. Peter FIEDLER, Psychologisches Institut der Universität Heidelberg

Einerseits wird überblicksartig in die DSM- und ICD-Diagnostik der Persönlichkeitsstörungen ein­geführt, wobei insbesondere innovative Perspektiven des DSM-5 und der neuen ICD-11 weg von den Persönlichkeitsstörungen hin zur Normatologie dysfunktionaler Persönlichkeitsstile diskutiert werden. Andererseits werden allgemeine und differenzielle Konzepte einer ressourcenorientierten Behandlung unterschiedlicher dysfunktionaler Persönlichkeitsstile vorgestellt.

15:15 - 15:45

Kaffee-Pause mit Verpflegung

15:50 - 16:40

Diagnostik und Therapie schwerer Persönlichkeitsstörungen

PD Dr. med. Dr. phil. Daniel Sollberger, Stv. ärztlicher Direktor und Chefarzt ZPP / ZPS, Erwachsenen­psychiatrie Baselland

Persönlichkeitsstörungen treten insbesondere in klinischen Kontexten sehr häufig auf. Bis zur Hälfte der psychiatrischen Klinikpatienten weisen eine komorbide Persönlichkeitsstörung auf. Dabei hat die Borderline-Störung in der psychiatrischen Versorgung die höchste klinische Relevanz. Neben genetischen und epigenetischen Faktoren spielen unterschiedliche psychologische sowie neuro­biologische Mechanismen eine zentrale Rolle. Die Diagnostik wie vor allem auch die Behandlung von Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen bilden eine grosse Herausforderung. Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick über die Klassifikation, Ätiologie und Diagnostik schwerer Persönlichkeits­störungen und widmet sich schwerpunktmässig den verschiedenen Therapieformen und –verfahren. Die Psychotherapie gilt dabei als Methode der Wahl, so dass vertieft auch die postulierten Wirk­mechanismen in der Behandlung diskutiert werden.

16:50 - 17:40

Von der Hysterie zur funktionellen neurologischen Störung – was tragen die Neurowissenschaften dazu bei?

Dr. med. Anita BARBEY, Oberärztin, Neurologie - Neuropsychosomatische Sprechstunde ,Lory-Haus, Inselspital Bern

Ziel des Vortrages wird sein, einen Gesamtüberblick von funktionellen neurologischen Störungen zu geben. Dabei wird die Referentin sowohl die sich im historischen Verlaufe stets wandelnde Terminologie ansprechen und aktuelle Forschungsresultate hinsichtlich der Pathogenese beleuchten als auch kurz auf klinische Aspekte hinsichtlich Diagnose und Therapie eingehen.

17:40 – 17:45

Zusammenfassung, Fragen und Abschluss

Anschliessend

Apéro

Organisation/Kursleitung

  • Dr. phil. Marius Zbinden, Psychologe FSP,  Leiter Psychologisch-psychotherapeutischer Dienst LHM
  • Med. pract. Jaroslaw Dudczak, stv. Chefarzt Psychosomatik LHM
  • Dr. med. Jean-Marie Schnyder, Chefarzt LHM

Anmeldung

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Kosten

CHF 40.—
CH73 0076 5000 L016 6852 6
Luzerner Höhenklinik Montana
3963 Crans-Montana

Anrechenbare Credits

SAPPM 4.5 Credits 
SGAIM 4 Credits

Kontaktadresse

Dr. phil. Marius Zbinden
Leiter Psychiotherapie LHM

marius.zbinden@LHM.ch