«Auch nach vielen Jahren als Hebamme hat für mich eine Geburt ihren Zauber nicht verloren.»

Christina Diebold im Porträt (Hebamme FH MAS)

23. September 2019

Lesezeit: 3 Minuten
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So kitschig es tönt, Hebamme ist mein Traumberuf. Mit meinem ersten Sackgeld habe ich mir Elternzeitschriften gekauft, da mich das Thema Schwangerschaft und Geburt so interessiert hat. Kein Berufsberater und keine gut gemeinten Ratschläge konnten mich von diesem Berufswunsch abbringen. Die grösste Sorge meiner Eltern war, was wäre, wenn ich die Aufnahmeprüfung der Hebammenschule nicht bestehen würde. Aber ich habe sie bestanden und bin nun seit 22 Jahren Hebamme an der Frauenklinik Luzern.

Der Zauber der Geburt

Ich bin für die Frau unter der Geburt eine Art Coach. Es gibt Frauen, die ganz genau wissen, was sie wollen, andere haben sich kaum mit dem Thema Geburt auseinandergesetzt. Allen gerecht zu werden, ist nicht immer einfach. Aber bei allen versuche ich der Fels in der Brandung zu sein. Ich muss die geburtshilfliche Situation in kürzester Zeit erfassen können, mein geburtshilfliches Fachwissen der gegebenen Situation anpassen und dabei die Wünsche des Paares berücksichtigen. Auch nach vielen Jahren als Hebamme hat für mich eine Geburt ihren Zauber nicht verloren und ich freue mich über jedes Neugeborene. Ich frage mich oft, was wohl einmal aus ihnen wird. Eine Masterausbildung zu machen, war gar nicht geplant. Nachdem ich einige Module an der ZHAW besucht und viele interessante Leute kennengelernt hatte, entschied ich mich, die Masterausbildung in Angriff zu nehmen. Es brauchte etwas Mut, aber meine drei Kinder sind junge Erwachsene geworden und ich hatte wieder mehr Zeit für mich. Beeinflusst hat mich sicher auch mein Elternhaus, in dem Bildung einen grossen Stellenwert geniesst. Ich habe vorgelebt bekommen, dass man nie ausgelernt hat.

Seit drei Jahren gibt es an der Frauenklinik den ersten Geburtsvorbereitungskurs für Mehrlingseltern. Dort kann ich meine Erfahrung und mein Wissen weitergeben.

Christina Diebold, Hebamme FH MAS

Bereichernder Arbeitsalltag

Die Masterarbeit schrieb ich zum Thema «Geburtsvorbereitung für Mehrlingseltern». Die gute Vorbereitung von Mehrlingseltern ist mir ein grosses Anliegen. Mehrere Kinder auf einmal zu bekommen, ist eine riesige Herausforderung. Und da ich selber Zwillingsmutter bin, kann ich aus Erfahrung sprechen. In meiner Masterarbeit geben über 400 Mehrlingseltern Antwort, welche Themen und Informationen sie in einem Geburtsvorbereitungskurs für Mehrlingseltern als wichtig erachten. Seit drei Jahren gibt es an der Frauenklinik den ersten Geburtsvorbereitungskurs für Mehrlingseltern. Dort kann ich meine Erfahrung und mein Wissen weitergeben. Ich zeige den werdenden Mehrlingseltern jeweils meine Masterarbeit. Sie sind sehr interessiert und lesen sie aufmerksam. Aussagen von erfahrenen Mehrlingseltern machen ihnen grossen Eindruck. Seit ich meine Masterausbildung gemacht habe, kann ich zudem als Pflegeexpertin für die Gebärabteilung arbeiten. Dies ermöglicht mir, mich in Themen zu vertiefen. Hier kommt mir das Gelernte von der ZHAW, wie recherchieren, Studien lesen sowie wissenschaftliche Texte verfassen, sehr zugute. «Bist du nun eine bessere Hebamme?» Diese Frage wird mir seit der Masterausbildung häufig gestellt. Nein, das bin ich nicht. Aber die Masterausbildung hat mich persönlich weitergebracht, mein Selbstvertrauen gestärkt, mir mein Arbeitsfeld erweitert und den Arbeitsalltag bereichert.