Beim grössten Wunder der Menschheit dabei

Zofinger Tagblatt - Am Luzerner Kantonsspital, Standort Wolhusen, erblicken jährlich über 430 Kinder das Licht der Welt - die Hebamme steht dabei als Geburtshelferin an vorderster Front - so auch die 37-jährige Nadja Seematter.

13. Juli 2019

Lesezeit: 5 Minuten
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Leiterin Gebärabteilung am LUKS Wolhusen

Ihre Arme empfangen das neue Leben als Erste. Aus dem Alltag einer Schwangeren ist sie kaum wegzudenken, begleitet die Hebamme sie teils doch bereits ab der 23. Schwangerschaftswoche. Mit Ruhe, Zuversicht und beruhigenden Worten begrüsst die Hebamme einen neuen Erdenbürger.

Diesen Berufsweg einzuschlagen wählte auch Nadja Seematter, Abteilungsleiterin Gebärabteilung am Luzerner Kantonsspital, Standort Wolhusen. «Eigentlich wollte ich immer Ärztin werden», erzählt sie lächelnd. Während des Medizinstudiums kam sie aber mit der Embryologie und schliesslich mit dem Hebammen-Beruf in Kontakt und merkte rasch, dass Ärztin wohl doch nicht länger der Traumberuf ist. Mittlerweile arbeitet die 37-Jährige bereits seit 12 Jahren als Geburtshelferin. «Hebamme zu werden, war die beste Entscheidung, die ich habe fällen können», ist sie überzeugt.

«Mir ist besonders wichtig, dass die Schwangere auf ihr Bauchgefühl und ihre Instinkte hört.

Nadja Seematter, Leiterin Gebärabteilung am LUKS Wolhusen

An ihrem Beruf schätzt sie besonders die vielseitige Herausforderung. So begleitet sie werdende Mütter nicht nur während der Geburt, sondern bereits davor. Die Hebamme empfiehlt zum Beispiel Geburtsvorbereitungskurse und agiert als Vermittlerin zwischen den werdenden Eltern und dem Arzt. «Mir ist besonders wichtig, dass die Schwangere auf ihr Bauchgefühl und ihre Instinkte hört», erklärt Seematter. Besonders im Gebärsaal sei es wichtig, dass sich die Schwangere von der Hebamme führen lasse, sodass diese sie unterstützen kann. Die Hebamme nimmt das Neugeborene in Empfang und kümmert sich um dessen Erstversorgung. Nach der Geburt hat die Hebamme nur im ambulanten Wochenbett noch mit der Mutter zu tun. «Manchmal erhalte ich ein Jahr später noch ein Dankeskärtchen oder ich sehe die Mutter bei einer zweiten oder dritten Geburt wieder», erzählt Seematter.

Wenig Veränderung

Die Betreuung jeder Frau gestaltet sich anders. Dabei sind gerade zwischen jüngeren und älteren Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden, Unterschiede spürbar. «Jene Frau, die mit 40 Jahren ihr erstes Kind bekommt, ist ganz anders informiert und in der Regel selbstbestimmter als die 20-Jährige, die das Ganze vielleicht eher einfach mal auf sich zukommen lässt», erklärt Seematter. Für risikoreicher hält sie die Geburten im höheren Alter nicht. «Es ist immer noch ein natürlicher Prozess», so Seematter. Im Gebärsaal seien alle gleich, egal ob da eine 20-Jährige oder eine 40-Jährige liegt, ob sie studiert habe oder die Schule abgebrochen hat. «Das ist doch auch das Schöne», meint Seematter. Eine gewisse Nervosität sei immer zu spüren. Mit Ruhe, Zuversicht und jahrelanger Erfahrung versuchen die Hebammen, der werdenden Mutter diese zu nehmen. Ein entspannendes, warmes Bad vor der Geburt kann ebenfalls hilfreich sein. Einen solch ruhigen Gegenpol zu haben, ist wohl für viele gerade bei einem Kaiserschnitt wichtig. Dort ist die Hebamme nämlich auch anwesend. Die grösste Aufgabe hat während eines Kaiserschnittes zwar der Operateur, aber die Hebamme ist da, um das Kind in Empfang zu nehmen und die Frau nach dem Kaiserschnitt zu umsorgen. Trotz der sich stetig verbessernden Medizin sind Kaiserschnitte nicht häufiger geworden. Die Zahl der Kaiserschnitte, ob aus Wunsch oder nicht, sei in den letzten zehn Jahren in Wolhusen nicht angestiegen. Was sich aber summiere, sei die sogenannte Re-Sectio. So wird der wiederholte Kaiserschnitt genannt: Oft ist es nämlich so, dass eine Frau, die bereits einmal einen Kaiserschnitt gehabt hat, ein erhöhtes Risiko hat, dass sie beim zweiten und dritten Kind ebenfalls wieder einen Kaiserschnitt haben muss.

Auch sonst habe sich im Hebammen-Berüf wenig geändert. «Man gebärt immer noch gleich, das Rad hat sich nicht neu gedreht», meint Seematter mit einem Schmunzeln. Es gäbe mittlerweile allerdings mehr Möglichkeiten zur Schmerzlinderung für Schwangere und im Gebärsaal des Luzerner Kantonsspitals in Wolhusen stehen modernere Betten als noch vor 12 Jahren.

«Das erste Kind, das man als Team verliert, vergisst man nicht mehr.»

Nadja Seematter, Leiterin Gebärabteilung am LUKS Wolhusen

Als Hebamme erlebt man bestimmt einiges. Welches einschneidende Erlebnis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Nadja Seematter: Eine der grössten Herausforderungen holte mich ein, als ich gerade einmal ein Jahr diplomiert war als Hebamme. Ich erhielt einen Telefonanruf von der Ambulanz und erfuhr, dass ich bei einer ungeplanten Hausgeburt gebraucht werde. Die Rettungssanitäter, die vor Ort waren, hatten keine Ahnung von Geburtshilfe. Ich war also auf mich alleine gestellt, und das alles noch in einem fremden Setting. Ein grünes Wildledersofa und ein farbiger Teppich, ich erinnere mich gut (lacht). Es gab ein Mädchen.

Wovor haben Sie als Hebamme am meisten Respekt?

Nadja Seematter: Leider ist nach der Geburt auch schon ein Kind verstorben. Das erste Kind, das man als geburtshilfliches Team verliert, vergisst man nicht mehr. Was ist in Ihrem Alltag besonders herausfordernd? Das Tolle an dem Beruf ist, dass man nie weiss, was einen erwartet. Der Alltag einer Hebamme ist vielseitig, wir betreuen nicht nur bei der Geburt. Auch Schwangere, die auf der Station liegen, haben Hebammensprechstunden und Weiteres. Jeden Tag eine neue Herausforderung zu haben, ist, was mich besonders bereichert.

Was macht den Hebammen-Beruf für Sie besonders schön?

Nadja Seematter: Es ist mein absoluter Traumjob. Üblicherweise haben wir mit jungen, gesunden Frauen zu tun und dürfen beim grössten Wunder der Menschheit dabei sein. Für mich gibts nichts Schöneres als das. 

Autorin: Rahel Wirz
Quelle: Zofinger Tagblatt vom 13.07.2019

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