«Berufsrollen verändern sich tiefgreifend»

4. November 2019

Lesezeit: 3 Minuten
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Barbara Flubacher, Leiterin Human Resources

Frau Flubacher, wie verändert das neue Klinikinformationssystem LUKiS den Alltag der Mitarbeitenden am LUKS?

BF: Zu den spürbarsten Veränderungen gehört, dass im ganzen Patientenprozess anstatt Bleistift und Kugelschreiber neu Tablets und PCs zum Einsatz kommen. Mit dem Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln sind viele Vorteile verbunden: Die Erfassung vereinfacht und beschleunigt den Umgang mit Daten. Alles muss nur noch einmal erfragt und erfasst werden. Die erfassten Einträge sind sofort für die im Prozess beteiligten, zugriffsberechtigten Mitarbeitenden - Ärzte, Pflege, Physio, weitere Spezialisten und Sekretariate - verfügbar. Fehler beim Übertragen können vermieden werden, und alles ist in einem Schritt gut leserlich und sauber dokumentiert.

Führt die neue Technologie nicht dazu, dass der Mensch in den Hintergrund rückt?

BF: Im Gegenteil, in der Medizin geht es immer um die Beziehung von Mensch zu Mensch. Mit dem neuen starken System im Hintergrund und den mobilen Geräten im Alltag haben die Mitarbeitenden alle wichtigen Informationen rund um die Uhr zur Hand. Sie werden administrativ entlastet, weil nichts doppelt erfasst werden muss. Die Standardisierung der Prozesse verstärkt die Sicherheit. Das System führt die Mitarbeitenden durch ihre Arbeitsabläufe. Dadurch können sie sich besser auf die Patienten einlassen. Durch die Verfügbarkeit der Daten entfallen Mehrfachabfragen, dadurch bleibt mehr Zeit für die individuellen Bedürfnisse.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten bietet LUKiS Mitarbeitenden, die sich speziell für die Digitalisierung des Gesundheitswesens interessieren?

BF: Das Gesundheitswesen befindet sich im Prozess der digitalen Transformation. Dadurch verändern sich die Berufsrollen tiefgreifend. Elektronische Hilfsmittel sind aus der täglichen Arbeit schon bald nicht mehr wegzudenken. Die Rollen beinhalten künftig neben pflegerischen oder medizinischen Inhalten vermehrt den Umgang mit elektronischen Geräten. Dies ermöglicht spannende Entwicklungsmöglichkeiten. Wir befähigen mit LUKiS die Mitarbeitenden dazu, mit modernsten digitalen Endgeräten im klinischen Alltag zu arbeiten. Neugier und Freude an neuen Technologien bieten dazu gute Voraussetzungen.

Warum investiert das LUKS so viel in diesen Bereich?

BF: Das Gesundheitswesen befindet sich im Umbruch, die regulatorischen Bedingungen sind zunehmend komplexer. Die Patientenbedürfnisse werden vielschichtiger, und es braucht ein intern durchlässiges System, damit die behandelnden Mitarbeitenden - oft aus verschiedenen Kliniken oder Abteilungen - sich zeitnah ein umfassendes Bild über eine Patientin oder einen Patienten machen können. Damit verkürzen sich die Kommunikationswege. Um mit den anstehenden Herausforderungen Schritt zu halten, sind diese Investitionen unumgänglich. Ein Spital ohne ein integriertes, kliniknahes IT-System ist künftig undenkbar.

Mit welchen weiteren Herausforderungen ist das LUKS als Arbeitgeber konfrontiert?

BF: Viele Themen betreffen sowohl Patienten als auch Mitarbeitende und Prozesse: ambulant vor stationär, alternde Gesellschaft, ein sich verändernder Health-Care-Markt, Trend zur Individualisierung, neue Vorschriften und ethische Fragen. Medizinisch ist heute viel mehr möglich, als noch vor 20 Jahren, wobei sich die Frage stellt, ob alles Mögliche auch sinnvoll ist. Diese Trends gilt es aufzunehmen, auf das LUKS zu übersetzen und die Fachkräfteentwicklung so zu gestalten, dass wir die Herausforderungen meistern können. Diesen Weg gestalten wir, indem wir sowohl die Führungskräfte als auch die Mitarbeitenden in den diversen Bereichen einbeziehen, um gegenseitig vom reichlich vorhandenen Wissen und der grossen Expertise in allen Berufsgruppen zu profitieren.

Quelle: Themenbeilage Luzerner Zeitung vom 22. Oktober 2019