Cholesterinspiegel auf natürliche Art senken: Geht das?

Luzerner Zeitung - Mein Hausarzt findet meinen Cholesterinspiegel zu hoch und empfiehlt eine medikamentöse Therapie.
Ist das wirklich nötig? Da ich (w, 69) wegen einer Lungenembolie blutverdünnt bin, möchte ich nicht noch mehr
Medikamente nehmen. Kann ich die Cholesterinwerte auch auf natürliche Art und Weise positiv beeinflussen?

28. August 2019

Lesezeit: 3 Minuten
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Dr. med. Stefan Toggweiler Co-Chefarzt Kardiologie, Herzzentrum

Cholesterin ist einer der Risikofaktoren für Ablagerungen und Verkalkungen der Gefässwand. Besonders stark ist der Zusammenhang mit dem LDL-Cholesterin. Je höher das LDL-Cholesterin, desto höher das Risiko, einmal einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag zu erleiden. Um entscheiden zu können, ob eine medikamentöse Therapie notwendig ist, muss man aber auch die anderen Risikofaktoren berücksichtigen (Alter, Geschlecht, Rauchen, Blutdruck, Zuckerkrankheit, genetische Veranlagung). Auf der Internetseite www.agla.ch können Sie mit dem Agla-Risikorechner Ihr persönliches Risiko bestimmen. Besprechen Sie Ihre Risikoberechnung mit Ihrem Hausarzt. 

Obwohl Cholesterin aus der Nahrung aufgenommen wird, wird es zu ungefähr 85 Prozent in der Leber hergestellt. Der Cholesterinspiegel ist also auch vom eigenen Stoffwechsel abhängig, kann jedoch durchaus auf natürliche Art beeinflusst werden:

1. Nahrung

Essen Sie nicht zu viel, und essen Sie ausgewogen. Reduzieren Sie die Einnahme von gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren. Diese kommen zum Beispiel in industriell prozessierter Nahrung und tierischen Produkten vor. Die mediterrane Kost hingegen enthält viele ungesättigte Fettsäuren. Essen Sie Speisen, die viel Omega-3-Fettsäuren enthalten. Omega-3-Fettsäuren kommen zum Beispiel in Fisch und Nüssen vor. Zusätzlich kann die Einnahme von Ballaststoffen die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm reduzieren. Ballaststoffreiche Lebensmittel sind zum Beispiel Gemüse, Kartoffeln, Obst und Vollkornbrot.

2. Bewegung

Körperliche Betätigung verbessert nicht nur Ihr Wohlbefinden, Ihren Blutdruck und Ihren Zuckerstoffwechsel, sondern beeinflusst auch Ihren Cholesterinspiegel günstig. Empfohlen wird pro Woche mindestens 3 mal 20 Minuten mittlere Belastung, es darf aber durchaus auch mehr sein. Belastung bedeutet, dass das Herz-Kreislauf-System richtig beansprucht wird und Sie mehr atmen müssen. Nur mit dem Hund spazieren zu gehen, reicht also nicht.

3. Gewichtsabnahme 

Bei Personen mit starkem Übergewicht (Bodymassindex BMI über 30) führt eine Gewichtsabnahme zu einer Verbesserung des gesamten Stoffwechsels und damit auch des Cholesterinspiegels. Den BMI berechnen Sie mit der Formel Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergrösse in Metern zum Quadrat. Bequeme BMI-Rechner finden sich ebenfalls im Internet.

4. Alkohol

Alkohol sollte nur mässig konsumiert werden. Empfohlen wird für Frauen maximal ein Glas Wein pro Tag oder ein kleines Bier. Für Männer ist die doppelte Menge erlaubt.

5. Rauchen 

Wenn Sie rauchen, sollten Sie unabhängig vom Cholesterinspiegel damit aufhören. Dies verringert nicht nur das Risiko für einen Herzinfarkt, sondern kann auch das Risiko für eine weitere Lungenembolie senken.

Kurzantwort

Neben dem Cholesterinspiegel muss man weitere Risikofaktoren berücksichtigen und dann entscheiden, ob eine medikamentöse Therapie angezeigt ist. Gesunde Ernährung, viel Bewegung, Normalgewicht, nur massvoller Alkoholkonsum und Nikotinverzicht beeinflussen den Cholesterinspiegel positiv. 

Autor: Dr. med. Stefan Toggweiler
Quelle: Luzerner Zeitung vom 26.08.2019

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