Kann ich diese Hormonsalbe bedenkenlos nehmen?

Luzerner Zeitung - Gegen Wechseljahrbeschwerden verwende ich (61-jährig; 2008 an Brustkrebs erkrankt) eine bioidentische Hormonsalbe mit Progesteron. Die Salbe hilft mir, aber sie hat offenbar auch negative Seiten. Was ist da dran?

6. August 2019

Lesezeit: 2 Minuten
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Dr. med. Susanne Bucher, Co-Chefärztin und Leiterin Brustzentrum

Die Menopause ist ein natürliches Ereignis im Leben einer Frau. Sie tritt durchschnittlich im 52. Lebensjahr ein und kann mit Hitzewallungen, Schlafstörungen, Depression und weiteren Beschwerden einhergehen. Dieses sogenannte klimakterische Syndrom wird durch den kombinierten Ausfall der drei Hormone Östrogen, Gestagen und Androgen bewirkt und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Die therapeutische Verwendung von Hormonen (Hormonsubstitution) ist nach wie vor die effektivste Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Die klassische Hormonsubstitution erfolgt mit Östrogenen und bei Frauen, die ihre Gebärmutter noch haben, zusätzlich mit einem Gestagen (z.B. Progesteron). Letzteres muss obligat verwendet werden, um ein überschiessendes Wachstum der Gebärmutterschleimhaut zu verhindern und damit einem Gebärmutterschleimhautkrebs vorzubeugen.

Unter bioidentischen Hormonen versteht man meist aus Pflanzen (Soja, Yams-Wurzel) hergestellte Hormone, die den vom menschlichen Körper produzierten Hormonen möglichst ähnlich sind. Diese bioidentischen Hormone werden aber chemisch weiterverarbeitet, bevor sie vertrieben werden. In diese Kategorie fallen Hormonpräparate, die behördlich von der Swissmedic geprüft und zugelassen sind, aber auch Hormonpräparate, die von Apotheken auf individuelle Rezeptur von Ärzten hergestellt werden.

Individuelle Mischungen haben oft Qualitätslücken

Genau hier liegt die Problematik der bioidentischen Hormontherapie. Da die Hormongemische individuell hergestellt werden, kommt es nicht selten zu Qualitätslücken. Es liegen keine Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit vor. Medizinische Fachgesellschaften ordnen daher den Begriff «bioidentische Hormontherapie» eher Marketingstrategien und nicht einer wissenschaftlich geprüften Therapieform zu. Untersuchungen von solchen offiziell nicht geprüften Arzneimitteln zeigen, dass die Dosierung zum Teil erheblich von der verschriebenen Dosierung abweicht. Nur wenn es sich um behördlich zugelassene bioidentische Hormone handelt, die korrekt angewendet werden, kann von einer nachgewiesenen Wirksamkeit und Sicherheit ausgegangen werden.

Die Aufnahme von Progesteron über die Haut ist jedoch sehr eingeschränkt. Daher eignet sich eine Progesteron-Creme als Schutz für die Gebärmutterschleimhaut nicht. Zudem konnte in Studien auch keine Verbesserung der Lebensqualität unter Progesteron-Creme im Vergleich zu Placebo aufgezeigt werden. Die von der Swissmedic zugelassenen Progesteron-Salben eignen sich nur zur Behandlung von Brustspannen vor der Periode.

Generell ist bei von Brustkrebs betroffenen Frauen von einer Hormonsubstitution jeglicher Form eher abzuraten, denn Studien haben gezeigt, dass sich dadurch das Rückfallrisiko erhöhen kann. Bei starken klimakterischen Beschwerden und lang zurück liegender Krankheit kann in Absprache mit dem behandelnden Arzt eine niedrigst dosierte Hormontherapie in speziellen Fällen erwogen werden.

Kurzantwort

Von Swissmedic zugelassene bioidentische Hormone sind wissenschaftlich geprüft und wirksam. Individuell hergestellte Präparate weisen dagegen oft Qualitäts- und Wirksamkeitslücken auf. Wichtig aber: Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind, wird von einer Hormonsubstitution jeglicher Art abgeraten.

Autor: Hans Graber
Quelle: Luzerner Zeitung vom 06.08.2019