Kinderchirurgie: Neuroendoskopie bei Frühgeborenen

Minimalinvasive Therapie beim posthämorrhagischen Hydrocephalus des Frühgeborenen

15. September 2020

Lesezeit: 2 Minuten
Newsroom 5

Die kleine Lara wurde in der 26. Schwangerschaftswoche mit einem Geburtsgewicht von etwa 700 g geboren. Sie entwickelte ein ausgeprägtes Atemnotsyndrom und war an der Hochfrequenzbeatmung einschliesslich NO. Sie war katecholaminpflichtig und zeigte auch Zeichen einer gramnegativen Sepsis in diesen Tagen.

Entwicklung eines Hydrozephalus

In der Schädelsonographie vom 5. Lebenstag zeigte sich eine drittgradige Hirnblutung mit Ventrikeleinbruch und Auskleidung des dritten Ventrikels mit Blut (Abb. 1).

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1. Schädelsonografie am 5. Lebenstag: Drittgradige Hirnblutung mit Ventrikeleinbruch und Auskleidung des dritten Ventrikels mit Blut

Lara entwickelte einen zunehmenden Hydrozephalus mit Dilatation der beiden Seitenventrikel sowie des dritten Ventrikels (Abb. 2).

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2. Schädelsonografie am 20. Lebenstag: Zunehmender Hydrozephalus mit Dilatation der beiden Seitenventrikel und des dritten Ventrikels

In der folgenden Zeit entwickelte sich Lara sehr gut. Ihr Kopfumfang wuchs perzentilengerecht. Daher führten wir erst im korrigierten Alter von 5 Monaten eine MRI des Schädels durch (Abb. 3). Hierbei fiel eine infratentorielle Zyste im Bereich der Cisterna Magna auf, welche die Medulla oblongata erheblich verdrängte und verschmälerte. Funktionell konnten wir keine motorischen Störungen finden. Darüber hinaus bestand ein massiver Hydrozephalus. Es lag zum einen ein Verschlusshydrozephalus vor, eine zusätzlich malresorptive Komponente war jedoch ebenfalls nicht ausgeschlossen.

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3. MRI: Hydrozephalus internus. Zystische RF im IV. Ventrikel, Kompression der Medulla oblongata

Neuroendoskopischer Eingriff Wir entschlossen uns dann, bei Lara im Alter von 5 Monaten eine Neuroendoskopie mit folgenden Massnahmen durchzuführen: Im Bereich vom Boden des dritten Ventrikels konnte mit Hilfe des flexiblen Neuroendoskops (Aussendurchmesser 4 mm) eine Verbindung in die basalen Zisternen vor dem Hirnstamm geschaffen werden (Abb. 4)

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4. Neuroendoskopie zur Schaffung einer Verbindung zwischen Ventrikelboden und den basalen Zisternen vor dem Hirnstamm

Zum anderen konnte über den gut offenen Aquaeductus mesencephali in den vierten Ventrikel eingegangen und die den Hirnstamm einengende Zyste im Foramen Magnum gefenstert und damit entlastet werden (Abb. 5).

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5. Intraoperative Sicht und MRI: Fensterung der einengenden Zyste im Foramen Magnum zur Entlastung insbesondere der pilotierten und verdrängten Medulla oblongata

In der Verlaufskontrolle drei Monate postoperativ zeigt sich eine nahezu normale Anatomie in der hinteren Schädelgrube mit vollständiger Obliteration der Zyste und fehlender Kompression der Medulla oblongata (Abb. 6).

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6. Verlaufskontrolle drei Monate post-op: Nahezu normale Anatomie in der hinteren Schädelgrube mit vollständiger Obliteration der Zyste und fehlender Kompression der Medulla oblongata

Altersentsprechende Entwicklung

Funktionell-motorisch hat sich die mittlerweile 3-jährige Patientin sehr gut entwickelt und zeigt sowohl kognitiv wie auch sprachlich und motorisch eine altersentsprechende Entwicklung.

Neuroendoskopisch werden sogenannte innere Liquor-Shunts durch Eröffnung des Bodens des dritten Ventrikels in die basalen Zisternen durchgeführt. Der Therapieansatz liegt in einer einzeitigen Massnahme mit Schaffung eines inneren Shunts. Somit ist bei diesen Kindern eine über ein mechanisches Ventil gesteuerte Liquordrainage in den Bauchraum in der Regel nicht erforderlich.

Therapie dank technischem Fortschritt

Dieses Fallbeispiel zeigt, wie dank der stetigen Weiterentwicklung der neuroendoskopischen Technik durch einen minimalinvasiven Zugang und mit Hilfe eines flexiblen Neuroendoskops Zysten und Membranen sowohl supratentoriell als auch in der hinteren Schädelgrube therapiert werden können.

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