Laser-Attacke: Das kann bös ins Auge gehen

Luzerner Zeitung: Die Nächte werden wiederlänger. Und damit steigt auch die Gefahrfür Piloten oder Lokführer, dass sie von Laserpointern attackiert werden. Die Angriffe können zu schweren Augenschäden führen.

2. Oktober 2016

Lesezeit: 3 Minuten
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Markus Getzmann ist Pilot bei der Swiss Helicopter AG in Pfaffnau. Er ist es sich gewohnt, dass er während seiner Arbeit auf Unerwartetes richtig reagieren muss. An einen Vorfall erinnert sich Getzmann, als wäre es gestern gewesen. Mit einem Fotografen an Bord schwebte er über dem Gebiet Sternmatt, an der Grenze zwischen Kriens und Luzern. Das Tageslicht wich der Dämmerung, die nächtliche Dunkelheit stellte sich allmählich ein.

«Plötzlich begannen die Rotorenblätterrot zu blinken», sagt der Pilot. Getzmann war sich schnell im Klaren,dass ein Laserpointer die roten Punkte auf die Rotoren projizierte. Er drehte ab und entzog sich so dem Einflussbereich der unerwünschten Lichtquelle. Der Pilot wollte unbedingt vermeiden, vom Lichtstrahl geblendet zu werden.

Ein Luzerner Linienpilot sagt, es komme relativ häufig vor, dass mit Laserpointern auf Cockpits gezielt werde, vor allem im Winterhalbjahr. «Im Anflug auf den Flughafen Belp wurde ich selber schon geblendet. Das lenkt enorm ab und bedeutet für den Piloten eine massive Einschränkung.» Nach dem Vorfall erstattete der Pilot Anzeige.

Es drohen Abstürze von Helikoptern

Laser-Blendungen sind auch bei der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) ein Thema. «Vor allem unsere Helikopter Crews verzeichnen jedes Jahr rund ein Dutzend solcher Vorfälle», teilt Rega-Mediensprecher Philipp Keller mit. Solche Vorfälle werden gemäss Keller bei der zuständigen Polizei zur Anzeige gebracht.Er sagt:«Die Täter verhalten sich strafbar und müssen straf- oder zivilrechtliche Konsequenzen befürchten.»

Bei Einsätzen in der Nachtreagiert das Auge besonders empfindlich auf Blendungen. Keller weist darauf hin: «Ein Pilot, welcher aufgrund von Laser-Blendattacken kurzzeitig das Sehvermögen verliert, könnte im schlimmsten Fall die Kontrolle über den Helikopter verlieren.» Erfahrungen mit Attacken von Laserpointern machen auch die SBB. Mediensprecher Oli Dischoe schreibt: «Jeder Fall wird verfolgt und zur Anzeige gebracht.» Und weiter hält er fest: «Im Nachgang eines Angriffswar in mehreren Fällen ein Arztbesuch erforderlich.»

Laser-Angriffen sind offenbar auch Ratrac-Fahrer ausgesetzt. Sascha Kempf, de rim Winter auf der Melchsee-Frutt Pistenfahrzeuge steuert, erinnert sich an einen Vorfall: «Plötzlich war die ganze Kabine grün erleuchtet. Ich habe sofort weggeschaut.» Kempf spricht von einem sehr grellen Licht, das etwa aus einer Distanz von 800 Metern abgegeben wurde. Der Ratrac-Fahrer sagt: «Leider konnten wir den Täter nicht ausfindig machen.» Urs Wigger, Sprecher der Luzerner Polizei: «In den letzten Jahren haben die Anzeigen im Zusammenhang mit Laserpointern zugenommen.» Im vergangenen Jahr seien rund ein Dutzend dieser Geräte beschlagnahmt worden.

«Im Nachgang eines Angriffs war in mehreren Fällen ein Arztbesuch erforderlich.»

Oli Dischoe, SBB-Mediensprecher über Attacken mit Laserpointern

Laserpointer sind in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Die Strahlkraft wird in Milliwatt gemessen. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind Geräte, die im Maximum ein Milliwatt stark sind, unbedenklich. Alles, was darüber liegt, wird vom BAG als gefährlich eingestuft.Via Internet können Laserpointer mit einer Strahlkraft von 500 Milliwatt und mehr erworben werden.

Philipp Bänninger ist Oberarzt in der Augenklinik des Luzerner Kantonsspitals. Vor zirka fünf Jahren war er an der Behandlung eines 15-Jährigen beteiligt. Dieser wurde in die Klinik eingewiesen, nachdem er sich mit einem Laserpointer am Auge verletzte. Bänninger sagt:«Es kam zu einer schweren Netzhautverletzung, welche zu einer langfristigen Sehleistungseinbusse führte.»

Quelle: Luzerner Zeitung vom 2.10.2016
Autor: Thomas Heer