Mitten ins Auge: unsichtbare Strahlen – grosse Wirkung

Tactuel: Keine lästige Brille mehr beim Sport? Klare Sicht beim Autofahren auch in der Nacht? Ohne Brille aus dem Haus gehen – das wünschen sich viele, die von Kurz-, Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung betroffen sind. Für 98 Prozent der PatientInnen, die sich zur Behebung der Fehlsichtigkeit einer Laserbehandlung unterzogen haben, ist der Wunsch Realität. Sie brauchen keine Brille mehr. Doch was bedeutet es eigentlich «sich die Augen lasern zu lassen»?

1. Juli 2017

Lesezeit: 4 Minuten
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Hintergrund

Die Chirurgie, welche die Fehlsichtigkeiten des Auges korrigiert, nennt sich in der Fachsprache refraktive Chirurgie. Sie beschäftigt sich mit dem Wunsch von PatientInnen, die ohne Brille oder Kontaktlinsen leben möchten. Brechkraftfehler des Auges verursachen verschiedene Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit (Myopie), Weitsichtigkeit (Hyperopie), Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) sowie Altersfehlsichtigkeit (Presbyopie). In der refraktiven Chirurgie kann man an zwei Strukturen des Auges Veränderungen anbringen, um Brechkraftfehler zu korrigieren: einerseits an der Hornhaut (zwei Drittel der Brechkraft im Auge) mittels Laserchirurgie, andererseits an der Linse (ein Drittel der Brechkraft im Auge) mittels Linsenimplantatchirurgie.

Laserchirurgie

Bei der Laserchirurgie wird durch individuelles Modellieren der Hornhaut an einem oder beiden Augen die Brechkraft der Hornhaut so verändert, dass die Fehlsichtigkeit abnimmt oder ganz verschwindet. Es gibt zwei Laser-Behandlungsarten: die Oberflächenlaser sowie die Schnittlaser. Der «Grossvater» beider Laserverfahren war die phototherapeutische refraktive Keratektomie (PRK), welche eine Oberflächenbehandlung darstellt. Sie wurde 1989 in der Schweiz an der Luzerner Augenklinik erstmals angewandt. Die cTEN-Methode ist der modernste und jüngste Enkel dieser PRK-Methode. Im Gegensatz dazu entwickelte sich 1991 aus der PRK-Methode das Schnittverfahren Laser-in-situ Keratomileusis (Lasik), deren Weiterentwicklung (Femto-Lasik) heute der am meist durchgeführte Eingriff in der Augenlaser-Chirurgie ist.

cTEN-Methode

Dieser mit 1000 Hz schnellste Laser trägt ohne Berührung des Auges nur das für die Korrektur der Fehlsichtigkeit notwendige Gewebe ab. Die Methode beruht auf einem automatisierten diagnostischen System mit Erfassung der Augenoberfläche (Hornhautvorderfläche) sowie Pupillenweite mit anschliessend individuell errechnetem Behandlungsplan. Das eigentliche Lasern dauert pro Auge 30 Sekunden, ist absolut schmerzfrei und wird ambulant durchgeführt. Die cTENMethode hat den Vorteil, dass sie sicher, schonend und berührungsfrei verläuft. Ein Nachteil stellt die etwas längere Sehleistungserholung von sieben bis zehn Tagen dar.

Femto-Lasik-Methode

Dieses Schnittverfahren ist derzeit die wohl populärste Methode für Augenlaserbehandlungen. Hier trennt der Chirurg von der Hornhautoberfläche eine kleine Scheibe so weit ab, dass sie nur noch über eine feine Brücke mit der übrigen Hornhaut verbunden ist. Diesen «Flap» produzierte man früher mit Hilfe eines Mikromessers, heute setzt man dazu den sogenannten Femtosekunden-Laser ein, was in Fachkreisen als Femto-Lasik bezeichnet wird. Ist der Flap angehoben und zur Seite geklappt, bearbeitet der Arzt das auf diese Weise freigelegte tiefere Hornhautgewebe mit einem Excimer   Laser, bis die Brechkraft und damit die Sehschärfe die gewünschte Stärke erreicht haben. Zum Schluss wird der Flap an seinen ursprünglichen Platz zurückgelegt. Die Operationszeit liegt bei zirka 5 Minuten pro Auge. Da bei diesem Verfahren im Gegensatz zur cTEN-Methode die Hornhautoberfläche durch den Laser nicht entfernt wird, kommt es nach der Behandlung zu einer rascheren Sehleistungserholung innerhalb von einem bis zwei Tagen. Der Nachteil der FemtoLasik-Methode liegt im Risiko für Fehlschnitte während der Operation sowie dem Risiko für trockene Augen nach der Operation.

 

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Dr. med. Philipp B. Bänninger ist leitender Arzt der Augenklink Luzern und Leiter der Abteilung für Refraktive Chirurgie. Die Augenklinik des Luzerner Kantonsspitals bietet Augenkorrekturen mittels sämtlichen Augenlaser- oder Implantationstechnologien an.

cTEN oder Femto-Lasik?

Wie bereits erwähnt, haben beide Verfahren ihre Vor- und ihre Nachteile. Zudem können mit den beiden Methoden unterschiedliche Fehlsichtigkeiten verschieden gut korrigiert werden. So können zum Beispiel mit der cTEN-Methode höhere Kurzsichtigkeiten als mit Femto-Lasik behandelt werden, dafür kann Weitsichtigkeit zum Teil besser mit der Femto-Lasik-Methode korrigiert werden. Aus diesem Grunde ist es wichtig, sich an ein Zentrum zu richten, welches die Expertise für sämtliche Laserarten offerieren kann. Kosten Die Kosten bewegen sich aktuell bei beiden Laserbehandlungsarten zwischen rund 2000 und 3600 Franken pro Auge. Die Krankenkassen beteiligen sich in der Regel nicht an den Kosten. Beim Vergleich von verschiedenen Anbietern sollte immer beachtet werden, welche Behandlungsmethode und welche Serviceleistungen im Preis inbegriffen sind. Hier können beträchtliche Unterschiede bestehen. Komplettpakete zu geringen Preisen im Ausland sind mit höchster Vorsicht zu evaluieren und grundsätzlich nicht empfohlen. Eignung Nicht jede Person, die sich einer Laserbehandlung beider Augen unterziehen möchte, ist aus medizinischer Sicht auch dafür geeignet. Für den entsprechenden Erfolg müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst einmal können mittels Laserchirurgie nur Fehlsichtigkeiten innerhalb bestimmter Grenzwerte behandelt werden, ausserhalb dieser kommen Linsenimplantate zum Einsatz. Ausserdem sind ein abgeschlossenes Wachstum der Augäpfel sowie stabile Brillenwerte wichtig, weshalb das Augenlasern weder für Jugendliche unter 18 Jahren noch für Menschen mit schwankenden Dioptriewerten infrage kommt. Weitere Ausschlusskriterien sind neben Augentrockenheit, Augenkrankheiten wie etwa Grauer und Grüner Star, Schwachsichtigkeit, Makuladegeneration oder durch Herpes vernarbte Hornhaut.

Risiken

Alles in allem ist es heutzutage weniger riskant, sich die Augen lasern zu lassen, als ohne regelmässige Kontrollen Kontaktlinsen zu tragen. Wer sich für den Eingriff an ein seriöses Laserzentrum wendet, wird dort im Rahmen einer gründlichen Voruntersuchung über die möglichen Restrisiken und etwaigen Nebenwirkungen des Augenlaserns informiert. Manche PatientInnen berichten nach dem Lasern über eine vorübergehende Augentrockenheit sowie nächtliche Blendeffekte. Mit einmaligem Lasern erreicht man bei fast 98 Prozent der PatientInnen eine Brillenfreiheit. Für die restlichen 2 Prozent braucht es bei Bedarf eine erneute Laserbehandlung, um das gewünschte Ergebnis der Brillenfreiheit zu erreichen.

Quelle: Tactuel Nr. 4 2017