Welche Therapie ist bei Vorhofflimmern zu empfehlen?

Luzerner Zeitung - Bei (m, 60) mir wurde ein Vorhofflimmern diagnostiziert. Dieses kann man offenbar medikamentös oder mit einem Eingriff (Katheterablation) behandeln. Welche Methode ist besser? Wie riskant ist der Eingriff?

24. April 2020

Lesezeit: 3 Minuten
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PD Dr. med. Richard Kobza, Chefarzt Kardiologie, Luzerner Kantonsspital

Einer von vier Erwachsenen leidet in seinem Leben an Vorhofflimmern. Bei dieser Herzrhythmusstörung schlagen die Herzvorhöfe nicht mehr regelmässig, sondern zu schnell und unkoordiniert. Symptome können schnelles Herzklopfen, Herzstolpern, Herzrasen, Druck auf der Brust oder Atemnot sein, zum Teil spüren Betroffene aber auch nichts. Letzteres verzögert leider oft die Diagnose und die Therapie. Wird ein Vorhofflimmern nicht korrekt behandelt, steigt das Hirnschlagrisiko. Bei der Diagnose Vorhofflimmern sind vor allem vier Punkte zu beachten. 1. Ursache berücksichtigen: Besteht eine zugrunde liegende Herzerkrankung (z. B. Herzmuskel- oder Herzklappenerkrankung)? Oder besteht eine Schilddrüsenerkrankung bzw. eine andere nicht kardiale Erkrankung, die Vorhofflimmern verursacht? Klären kann das meist ein Ultraschall des Herzens (Echokardiografie). Falls möglich, soll primär die Ursache behandelt werden. 2. Hirnschlagrisiko: Dieses kann der Arzt anhand eines Risikoscores analysieren. Bei erhöhtem Risiko ist immer eine medikamentöse Blutverdünnung (orale Antikoagulation) angezeigt. 3. Wie Sie richtig erwähnen, kann das Vorhofflimmern entweder mit Medikamenten oder mittels eine Katheterablation behandelt werden. Bei der Katheterablation werden die in die linke Herzvorkammer mündenden Venen elektrisch isoliert.

Die Vor- und Nachteile der Therapien

Vorteil der medikamentösen Therapie ist das Vermeiden eines Eingriffs. Der Nachteil sind potenzielle Nebenwirkungen der Medikamente, zudem wirken diese nicht bei allen Patienten im gewünschten Ausmass. Der Vorteil der Katheterablation ist, dass wir in bis zu 85 Prozent der Fälle ein Jahr nach der Behandlung kein Vorhofflimmern mehr beobachten. Der Nachteil: Die Ablation ist ein Eingriff am Herz und bedingt einen Spitalaufenthalt, wobei heute an einem Zentrum mit grosser Erfahrung das Risiko für schwere Komplikationen guten Gewissens als minim einzuschätzen ist. Welche Therapie für Sie die geeignete ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Kardiologen anhand dessen Untersuchungsbefunden. Zu ergänzen ist, dass bei schon fortgeschrittener Herzerkrankung oder über viele Jahre bestehendem Vorhofflimmern die Erfolgsaussichten der Ablation deutlich tiefer einzuschätzen sind. 4. Als vierte Massnahme empfehle ich allen Betroffenen eine Lifestyle-Modifikation. Das heisst Reduktion des Gewichtes, gute Einstellung des Blutdrucks, Nikotinabstinenz und Alkoholreduktion. Falls ein SchlafapnoeSyndrom oder eine Zuckererkrankung besteht, sollten auch diese optimal behandelt werden. Zudem empfehle ich regelmässige körperliche Betätigung: Drei- bis viermal 30 Minuten pro Woche, sukzessive steigern auf total 250 Minuten pro Woche. Ob medi kamentöse Behandlung oder Katheterablation: Mit Gewichtsreduktion und körperlicher Betätigung kann man das Vorhofflimmern reduzieren und den Behandlungserfolg insbesondere einer Katheterablation verbessern.

Kurzantwort

Ob eine medikamentöse Therapie oder eine Katheterablation vorzuziehen ist, lässt sich nicht verallgemeinern. Das Wahl der Methode richtet sich nach den vorliegenden Befunden, mögliche Vor- und Nachteile müssen individuell abgewogen werden. In jedem Fall wichtig ist zudem eine Lifestyle-Modifikation. 

Quelle: Luzerner Zeitung vom 14.04.2020

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