Wer sucht, der findet – via WLAN

Am Luzerner Kantonsspital (LUKS) sind Tausende von medizintechnischen Geräten im Einsatz. Da ist es manchmal schwierig, den exakten Standort eines bestimmten Geräts rasch zu ermitteln. Eine willkommene Hilfe bietet ein Ortungssystem, das die vorhandene WLAN-Infrastruktur nutzt. Die im Rahmen einer Diplomarbeit von Ardian Beshiri am LUKS unternommenen Versuche sind vielversprechend.

24. September 2018

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Die Fachabteilung für Medizintechnik und Systeme ist unter anderem für die Wartung und Instandhaltung von etwa 18'000 medizinischen Geräten am LUKS verantwortlich. Ein grosser Teil dieser Geräte ist mobil im Einsatz.

Innovativer Ansatz

Trotz Dokumentation ist es manchmal schwierig, den exakten Standort eines bestimmten Geräts rasch zu ermitteln. Im Rahmen meiner Diplomarbeit führten wir am LUKS einen Feldversuch durch. Dieser hatte zum Ziel, eine effiziente Methode zur Ortung medizinischer Geräte zu erarbeiten. Die einfache und schnelle Ortung medizinischer Geräte optimiert nicht nur deren Wartung und Sicherheit, sondern führt auch zu einer Zeit- und Kostenersparnis.

Zweimonatiger Testbetrieb

Die Ortung mithilfe der bestehenden kabellosen Infrastruktur (WLAN), eines Servers und eines Software-Pakets erprobten wir zwei Monate lang. Dabei rüsteten wir die mobilen Geräte mit sogenannten Asset- Tags aus. Das Anforderungsprofil lautete z.B.:

  • Die Genauigkeit der Ortung muss so gross sein, dass das Gerät einem Raum zugeordnet werden kann.
  • Für eine Alarmierung im Fall, dass ein Gerät ein definiertes Areal verlässt, muss eine ortsabhängige Alarmfunktion vorhanden sein.
  • Das Ortungssystem muss stabil laufen und rasch integrierbar sein.

Nutzung der vorhandenen Infrastruktur

Das WLAN steht auf dem ganzen Areal des LUKS zur Verfügung. Messungen haben ergeben, dass die Qualität des Netzwerks den Anforderungen des Ortungssystems genügt. Die Integration des Servers in das vorhandene Netz war ebenfalls problemlos möglich. Nach der Ausrüstung der Anlagen mit den Asset-Tags wurde die Funktion des Systems erfolgreich getestet, das heisst, alle Geräte auf dem Testareal liessen sich mittels Computer orten.

Auf der ganzen Linie erfolgreich

Der zweimonatige Testbetrieb brachte hervorragende Resultate:

  • Die Kompatibilität der Asset-Tags zu den im Feldversuch benutzten Geräten war problemlos möglich. Allenfalls könnten bei kleinen Geräten aufgrund der Grösse der Asset-Tags Probleme auftreten, wobei sich hier bereits eine Lösung abzeichnet.
  • Die Überprüfung der Funktion der Ortungsgenauigkeit hat ergeben, dass der Standort der Geräte zu jeder Zeit ermittelt werden konnte. Selbst kritische Situationen, wie zum Beispiel ein offener Raum zu einem Flur, waren für das Ortungssystem keine Herausforderung.
  • Die ortsabhängige Alarmfunktion meldet, wenn ein Gerät einen bestimmten Sektor verlässt oder von einer vorher definierten Gruppe getrennt wird. Auch dies hat problemlos funktioniert. Die Nachverfolgbarkeit, das heisst, die Aufzeichnung der Standorte der Geräte im zeitlichen Kontext, war ebenso erfolgreich. Es konnte lückenlos nachgewiesen werden, wo das Gerät zu welchem Zeitpunkt war.
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Ardian Beshiri, technischer Sachbearbeiter in der Fachabteilung für Medizintechnik und Systeme

Grosses Potenzial, kleine Einschränkungen

Die Versuche am LUKS haben gezeigt, dass die Integration in die vorhandene Infrastruktur gewährleistet ist. Somit könnte man in einem nächsten Schritt eine Übertragung der Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt in die Praxis diskutieren.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig und können in Zukunft erweitert werden. Zum Beispiel haben die Asset-Tags auf der Oberseite zwei frei programmierbare Tasten. Diese könnten dazu dienen, im Fall eines defekten Geräts eine Meldung abzusetzen oder auch den Verlust eines Tags zu kompensieren.

Hersteller integrieren Ortungstechnologie

Mittlerweile sehen auch manche Hersteller von Medizinprodukten das Potenzial der Ortungstechnologie. Bereits gibt es Modelle, deren Akku in die WLAN-Ortungstechnologie integriert ist. Durch die Nachverfolgung der Standorte ist es möglich, Aussagen über das Nutzungsverhalten zu treffen. Steht ein Gerät zum Beispiel über einen längeren Zeitraum ungenutzt in einem Raum, kann dies aufgezeigt werden. Ein Anlagenpark kann so optimiert werden und die Geräte sind besser ausgelastet.

Mehr als Zukunftsmusik

Auch weitere Anwendungen im übrigen Spitalbetrieb sind denkbar – z.B. in Transport und Logistik, in der Lagerverwaltung und für die Ortung von Menschen. So gibt es auch Asset-Tags in Form eines Armbands. Damit ist es beispielsweise in der Psychiatrie möglich, den Aufenthaltsort von Patienten zu überwachen. Die Ortungstechnologie bietet in zahlreichen Bereichen grosse Vorteile. Davon kann das LUKS in Zukunft profitieren.