Wie schädlich ist blaues Licht von TV, PC und Handy?

Luzerner Zeitung - Mein jugendlicher Sohn sitzt stundenlang vor dem Fernseher und am PC, zudem ist er fleissiger Handynutzer. Ich sorge mich um seine Augen, denn immer wieder hört man, dass das blaue Licht dieser Geräte für die Augen schädlich sind und auch den Schlaf beeinträchtigen. Was weiss man genau über dieses blaue Licht?

20. Februar 2020

Lesezeit: 3 Minuten
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Dr. med. Martin K. Schmid, Co-Chefarzt Augenklinik, Luzerner Kantonsspital

Kurzantwort

Nach aktuellem Wissensstand sind die von Bildschirmen abgestrahlten blauen Lichtanteile nicht schädlich. Sie können aber das Schlafverhalten negativ beeinflussen. Speziell bei Schlafstörungen ist abends Vorsicht empfohlen. Mit Blaulichtfilterbrillen können die blauen Lichtanteile abgemindert werden. 

Ausführliche Antwort

Der Begriff «blaues Licht» führt oft zu Missverständnissen, denn blaues Licht als solches ist etwas Natürliches, und insbesondere das Tages- und Sonnenlicht enthält sehr viel Blau. Die Diskussion um die Schädlichkeit der blauen Lichtanteile gibt es schon sehr lange. Mit der rasanten Verbreitung von elektronischen Bildschirmen bei Fernsehern, Computern und mobilen Geräten wie vor allem den Smartphones, aber auch von LED-Lampen, ist diese wieder aktuell geworden.

Blaue Lichtanteile sind sehr energiereich 

Alle diese Geräte können vergleichsweise viel blaues Licht abstrahlen. Da die blauen Lichtanteile energiereich sind, gibt es Befürchtungen, die Augen und insbesondere die Netzhaut könnten dadurch geschädigt werden. Bisher gibt es aber keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die diese Befürchtung stützen. Stundenlanges Fernsehen ist für die Augen bezüglich Gefährdung durch Blaulicht also unbedenklich. Um die Diskussion um das Licht besser zu verstehen, muss man wissen, dass weisses Licht aus einer gleichmässigen Mischung aller Lichtfarben besteht, wie dies beim Sonnenlicht der Fall ist. Bei künstlichen Lichtquellen kann diese Verteilung recht ungleichmässig sein. Die traditionelle Glühlampe enthält beispielsweise sehr wenig blaues, dafür viel rotes Licht, während sogenannte «kaltweisse» Lampen einen vergleichsweise hohen Anteil an blauem Licht enthalten. Licht mit hohem Rotanteil wird als warm und angenehm empfunden, Licht mit viel Blau eher als kühl und ungemütlich.

LED-Lampen: Sachgerecht angewendet unbedenklich

Oft wird im Zusammenhang mit Blaulicht auch die Schädlichkeit von LED-Lampen diskutiert. Bei sachgemässer Anwendung sind diese ebenfalls unbedenklich. Der grosse Vorteil der LED ist, dass die Art des Lichtes den Bedürfnissen angepasst werden kann und ein zum Beispiel der Glühlampe nahezu identisches Licht mit kaum Blauanteil erzeugt werden kann.

Warmweisses Licht für Wohn- und Schlafräume

Hingegen ist wissenschaftlich bewiesen, dass die blauen Lichtanteile weckend wirken. Am Abend sollte man deshalb insbesondere bei Schlafstörungen zu viel blaues Licht meiden. Darum und auch aus Gründen der Behaglichkeit, sollte in Wohn- und Schlafräumen nur warmweisses Licht verwendet werden. Bei vielen Bildschirmgeräten lässt sich ein sogenannter «Night Shift» einstellen, der ab einer gewissen Uhrzeit oder dauernd das blaue Licht reduziert. Zum selben Zweck gibt es auch spezielle Blaulichtfilterbrillen, welche leicht gelblich getönt sind und das blaue Licht abmindern. Solche Brillen können auch von denjenigen getragen werden, welche trotz fehlender wissenschaftlicher Grundlage generell die blauen Lichtanteile reduzieren möchten.

 

Quelle: Luzerner Zeitung vom 11.02.2020

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