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Darf ich nun keine Beeren mehr essen?

Luzerner Zeitung - Die Spitäler in Zürich und Bern verzeichnen immer mehr Fälle von Fuchsbandwurm. Wie sieht die Situation in Luzern aus? Wir haben mit dem Chefarzt für Infektiologie des Luzerner Kantonsspitals gesprochen.
13. April 2019
Lesezeit: 2 Minuten
Rossi Marco WebseiteBanner

Die Anzahl Patienten mit Fuchsbandwurmbefall nimmt stetig zu. Schweizweit kommen laut Schätzungen jedes Jahr 50 bis 100 Patienten dazu, schreibt der «Tagesanzeiger». Wie stark der Kanton Luzern davon betroffen ist und was man gegen den Wurmparasiten tun kann, erklärt Marco Rossi, Chefarzt für Infektiologie des Luzerner Kantonsspitals.

Experteninterview mit Dr. med. Marco Rossi :

Verzeichnet auch das Kantonsspital Luzern steigende Fuchsbandwurmfälle?
Wir sehen hin und wieder vereinzelte Fälle. Ob die Fallzahlen in der Tendenz zu oder abgenommen haben, können wir indes nicht sagen.

Die Krankheit kann tödlich enden. Wann sollten die Alarmglocken schrillen?
So einfach lässt sich das nicht sagen. Das Perfide am Fuchsbandwurm ist: Man merkt lange nicht, dass man befallen ist. Betroffene tragen die Krankheit meist Jahre unbemerkt mit sich, bevor die Diagnose gestellt werden kann. Dies geschieht gelegentlich zufällig bei Röntgenuntersuchungen wegen anderer Fragestellungen oder bei der Abklärung von Organbeschwerden.

Wie lässt sich die Krankheit behandeln?
Die Behandlung hängt vom Stadium ab. Ist der Befall lokal, dann führt ein chirurgischer Eingriff zum Ziel. In fortgeschrittenen Stadien braucht es eine Kombination von Chirurgie mit langdauernder Medikamenteneinnahme. Im Extremfall braucht es eine lebenslange Therapie.

Wer ist besonders gefährdet?
Wer mit der Natur und Tieren in Kontakt ist, der ist einem grösseren Befallsrisiko ausgesetzt.

Darf ich fortan keine Waldbeeren mehr essen? Oder wie einen Befall verhindern?
Dass man Beeren, aber auch Obst und Gemüse wäscht, macht Sinn. Nicht verkehrt ist auch ein hygienischer Umgang mit Tieren, insbesondere mit Hunden. All diese Schutzmassnahmen sind aber kaum umsetzbar. Denn es ist unrealistisch, dass man sich etwa nach jedem Kontakt mit dem eigenen Hund die Hände wäscht. Vor allem sprechen wir von einer sehr seltenen Krankheit. Wenn nun Eltern ihre Kinder deswegen nicht mehr in den Wald schicken, wäre dies falsch. Denn Kinder sterben viel eher im Strassenverkehr, als am Fuchsbandwurm.

Interview: Raphael Zemp
Quelle: Luzerner Zeitung vom 13.04.2019

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