Direkt zum InhaltDirekt zum Fussbereich

«Meist kündigt sich eine Herzerkrankung an»

Zenit - Herz- und Kreislauferkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen in der Schweiz. PD Dr. med. Richard Kobza, Chefarzt Kardiologie am Herzzentrum LUKS in Luzern, erklärt, welches die Vorzeichen einer Herzerkrankung sein können und wie man in Notfällen reagieren sollte.
8. Oktober 2019
Lesezeit: 3 Minuten
kobza richard webseiteportraitbreit

Welches sind die häufigsten Herzerkrankungen bei älteren Menschen?

Die häufigste Erkrankung am Herzen im Alter ist die Arteriosklerose. Fett- und Kalkablagerungen können Verengungen in den Herzkranzgefässen verursachen - wir Ärzte sprechen dann von einer koronaren Herzerkrankung. Bekommt der Herzmuskel wegen der verengten Gefässe weniger Blut und damit weniger Sauerstoff, können schon bei leichter Anstrengung Schmerzen oder ein Druck auf der Brust auftreten. Angina pectoris ist der Fachbegriff für solche Beschwerden. Ist die Durchblutung ganz unterbrochen, kommt es zum Herzinfarkt. Eine weitere häufige Erkrankung im Alter ist das Vorhofflimmern. Eine solche Herzrhythmusstörung in den Vorkammern des Herzens kann zu einem verlangsamten Blutfluss führen, weshalb bei diesen Patienten die Gefahr eines Hirnschlags besteht. Eine weitere häufige Erkrankung im Alter ist die Verengung einer Herzklappe, meistens der Aortenklappe. 

Wie merkt man, dass mit dem Herzen etwas nicht stimmt?

Die häufigsten Symptome, die für eine Herzerkrankung sprechen, sind Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen, Schwindelgefühle, Bewusstlosigkeit, Leistungsintoleranz (beispielsweise wenn man nicht mehr gut Treppen steigen kann) und natürlich die Symptome des akuten Herzinfarktes. Bei einem akuten Herzinfarkt verspüren die Betroffenen stärkste Brustschmerzen, die in Arme, Bauch, Kiefer oder in den Rücken ausstrahlen können. Die Brustschmerzen sind oft verbunden mit Atemnot und Todesangst. Die Gesichtsfarbe kann zu blass oder fahl wechseln, auch Übelkeit, Schwäche oder ein Schweissausbruch können auftreten.

Wie muss man bei Verdacht auf einen Herzinfarkt reagieren?

Der Herzinfarkt ist ein Notfall und verlangt sofortiges Handeln. Weil ein oder mehrere Herzkranzgefässe teilweise oder ganz verschlossen sind, bekommen Teile des Herzmuskels keinen Sauerstoff und sterben nach kurzer Zeit ab. Der Herzinfarkt ist lebensbedrohlich, weshalb rasch reagiert und der Notruf 144 alarmiert werden muss. Ist die Person nicht ansprechbar und zeigt sie keine Atmung, muss sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Mit dieser gilt es weiterzufahren, bis der Rettungsdienst eintrifft. 

Gibt es Vorzeichen für einen Herzinfarkt?

Ja, die gibt es. Ein Herzinfarkt ereignet sich eher selten wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Oft deuten bereits vorher Warnsignale auf eine Herzerkrankung hin. Wer Alarmzeichen bei sich oder nahestehenden Personen ernst nimmt, hat gute Chancen, einem schwerwiegenden Ereignis zuvorzukommen.

Zu welcher Behandlung greift ein Kardiologe heute?

Früher wurde der Herzinfarkt primär medikamentös behandelt. Heute ist die Eröffnung eines verschlossenen Herzkranzgefässes bei akutem Herzinfarkt Standard - bei uns am Luzerner Kantonsspital ist die perkutane Koronarintervention die häufigste Behandlung. Wir sind stolz darauf, dass die meisten Patientinnen und Patienten mit einem Herzinfarkt bereits 30 Minuten nach Eintritt ins Spital wieder einen Blutfluss in ihrem Herzkranzgefäss haben. So können wir viel Herzmuskelgewebe retten. Betroffene mit Herzrhythmusstörungen behandeln wir vermehrt mittels Katheterablation, wo wir krankhafte Erregungsherde im Herzen mit einer gezielten Verödung ausschalten. Sehr viele Patienten brauchen einen Herzschrittmacher oder einen Defibrillator. Auch die Behandlung von Herzklappenerkrankungen über die Leiste - TAVI, Mitraclip - nimmt stark zu.

Wohin bewegt sich die Herzmedizin?

Wir können die Behandlungen immer sicherer und mit besseren Resultaten anbieten. Dadurch können die Patientinnen und Patienten stark von den Fortschritten in der Medizin profitieren. Trotz den Verbesserungen in der Behandlung von Herzkrankheiten sollte der Fokus in Zukunft aber verstärkt auf die Prävention gelegt werden. Jede und jeder sollten auf die eigene Gesundheit achten, sich bewusst ernähren und genügend bewegen. Schlussendlich ist es immer besser, einer Krankheit vorzubeugen, als diese zu behandeln.

Was können ältere Menschen für ihre Herzgesundheit tun?

Das Wichtigste ist, dass man körperlich aktiv bleibt. Die Kraft im Alter nimmt deutlich ab. Deshalb muss man unbedingt darauf achten, dass man nicht nur seine Ausdauer trainiert, sondern auch mithilfe von Krafttraining fit bleibt. Ein grosser Risikofaktor für Herzkrankheiten ist Übergewicht. Sind Sie übergewichtig, sollten Sie Ihr Gewicht reduzieren und so Ihr Herz entlasten.

Quelle: Zenit vom 17.09.2019

Zum Thema

Herzzentrum LUKS

Erweitert und räumlich zusammengefasst

Mehr dazu

Artikel teilen

Für LUKS-Newsletter anmelden

Wählen Sie Ihre Abonnements

War diese Seite hilfreich?