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Neue Technologien zur Therapie von Herzrhythmusstörungen

Dank intensiver Forschung sind heute präzisere, kürzere und damit sicherere Eingriffe mit dem Herzkatheter möglich. Generell geht der Trend in der Therapie von Rhythmusstörungen hin zu einer gemeinsamen Betreuung von Patientinnen und Patienten durch Zentrumsspital und Zuweisende.
22. Juli 2022
Lesezeit: 3 Minuten
PD Dr. med. Benjamin Berte (links) und Prof. Dr. med. Richard Kobza (recht).

PD Dr. med. Benjamin Berte (links) und Prof. Dr. med. Richard Kobza (rechts).

Viele Bereiche der Elektrophysiologie haben in den letzten zehn Jahren enorme Fortschritte gemacht, vor allem hinsichtlich der Sicherheit der Prozeduren, der Erfolgsraten und der Effizienz. Die Gesamtdauer einer Ablation bei Vorhofflimmern (Lungenvenenisolation) wurde mehr als halbiert auf zirka 60 bis 80 Minuten, die Erfolgsrate stieg von 70 auf 90 Prozent, die Komplikationsrate sank von bis zu 3 auf unter 1 Prozent.

Ablation mit Spitzentechnologie

Mitursächlich für diese positive Entwicklung ist die Technologie, die sich in den letzten Jahren dank intensiver Forschung deutlich weiterentwickelt hat. Bereits sehr früh hat das Luzerner Herzzentrum den neuen Ablationskatheter QDOT (siehe Abbildung) eingesetzt und nutzt ihn nun routinemässig als einziges Zentrum in der Schweiz. Der QDOT ist mit Mikroelektroden ausgestattet, die eine sehr genaue Lokalisierung von elektrischen Signalen erlauben, sensibelste Sensoren messen die Temperatur im Gewebe während der Ablation.

Zur Stabilisierung des Katheters nutzen wir eine steuerbare Schleuse («Vizigo», siehe Abbildung), die sich neu auch im 3D-Mapping-System darstellen lässt, was die Sicherheit verbessert und die Erfolgsquote erhöht. Mit diesem Katheter werden die Ablationsläsionen in nur 4 Sekunden (Short Duration) statt früher in 10 bis 15 Sekunden platziert. Möglich ist dies, weil statt 35 Watt (Low Power) nun 90 Watt (High Power) Energie abgegeben werden, wodurch die reine Ablationszeit von 15 auf 2 Minuten gesenkt werden konnte.

ablation abbildung

Linkes Bild: Smartwatch-EKG einer 31-jährigen Patientin mit dokumentiertem Vorhofflimmern. Das PDF wurde per Mail gesendet. Die Diagnose konnte umgehend bestätigt und das Procedere festgelegt werden. Mitte: QDOT-Katheter (Biosense Webster) plus Messwerte: die Entfernung bis zum nächsten Ablationspunkt beträgt 3mm, der Anpressdruck 15g, die lokale Gewebeerhitzung bis 43°C. Rechtes Bild: linker Vorhof während Lungenvenenisolation von hinten aus gesehen mit Ablationspunkten (rot), steuerbarer Schleuse (gelb), QDOT-Ablationskatheter mit Pfeil, Mappingskatheter (grün) in der linken oberen Lungenvene und Temperatursonde (blau) in der Speiseröhre.

Effiziente Planung im Herzkatheterlabor

Die Behandlungsdauer der Lungenvenenisolation und weiterer Eingriffe am Herzzentrum konnten wir zusätzlich reduzieren, indem wir Lean-Management-Methoden genutzt haben. Die komplexe Prozedur haben wir dafür in kleinere Schritte unterteilt und jeden einzelnen Schritt vor allem im Hinblick auf den Nutzen für Patientinnen und Patienten kritisch analysiert und anschliessend optimiert. Der Eingriff wurde kürzer, weniger fehleranfällig und somit auch sicherer.

Zudem konnten wir so die Kapazität des Katheterlabors erhöhen und die Wartezeiten für die Eingriffe reduzieren. Die zuverlässigere Planung, die nun möglich ist, sorgt auch dafür, dass die wertvollen Anästhesieslots optimal genützt werden können und entlastet das gesamte ärztliche und nichtärztliche Personal. Die Verbesserung der Effizienz und Qualität der Lungenvenenisolation konnten wir wissenschaftlich nachweisen und publizieren (Berte B et al., JACC CEP 2021). Dies hat zur auch international ausgezeichneten Reputation der Rhythmologie-Abteilung unseres Herzzentrums beigetragen, das zum ersten «Center of Excellence für Effizienz» für Katheterablation von Vorhofflimmern im EMEA-Raum ernannt wurde.

EKG über die Smartwatch

Ein weiterer wichtiger technologischer Fortschritt in der Herzmedizin sind die sogenannten Wearables (z.B. Apple Watch) und Implantables (z.B. Reveal Implantation). Viele unserer Patientinnen und Patienten besitzen Smartwatches und Smartphones mit der Möglichkeit EKGs aufzuzeichnen. Sie senden uns direkt oder über ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin EKGs zur Mitbeurteilung. Wir verstehen Rhythmusstörungen dadurch besser und können sie früher und besser behandeln.

Zudem intensiviert sich unsere Beziehung zu den Zuweisenden und Patientinnen und Patienten durch den generell wichtiger gewordenen Austausch von Informationen. Während es früher lediglich einen einmaligen Kontakt vor einem Eingriff gab, sind wir nun auch an der Prävention (Sportart-Empfehlung und Intensität) und Diagnostik von Rhythmusstörungen bei gesunden Personen bis zum Follow-up nach einer Ablation involviert.

In der Rhythmologie geht der Trend eindeutig dahin, dass gesunde und kranke «Kundinnen und Kunden» im Sinne eines «Health Coaches» vom Zentrumsspital mitbetreut werden. Die Patientinnen und Patienten können so optimal und mit hoher Qualität begleitet werden, und das in jeder – alltäglichen – Situation.

Quellenangabe:

Berte B, Kobza R et al. Improved Procedural Efficiency of Atrial Fibrillation Ablation Using a Dedicated Ablation Protocol and Lean Management. JACC CEP 2021.

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