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Sind Granatäpfel gut für die Herzgesundheit?

Mein Mann (75) hat einen zu hohen Blutdruck. Ein Bekannter hat uns gesagt, mit Kernen oder Saft von Granatäpfeln könne man den Blutdruck und das Cholesterin senken. Was ist dran an dieser Behauptung? Unser Spezialist sagt, Granatäpfel könnten durchaus einen guten Effekt haben. Eine gleichzeitige Absetzung von Medikamenten könne aber gefährlich sein und müsse unbedingt ärztlich begleitet werden.
19. Juni 2022
Lesezeit: 2 Minuten
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Prof. Dr. med. Richard Kobza ist Chefarzt Kardiologie am Luzerner Kantonsspital

Der Granatapfel ist wichtiger Ernährungsbestandteil im Nahen und Mittleren Osten und wird auch bei uns immer beliebter. Unter anderem wegen des gesundheitlichen Nutzens, der ihm zugeschrieben wird: Granatäpfel sind reich an Ballaststoffen und Antioxidantien, die im menschlichen Körper mithelfen, Entzündungen und Zellalterung zu bekämpfen. Die rote Farbe der Frucht stammt von Pflanzenpigmenten, die als Polyphenole bezeichnet werden, in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen und antioxidativ wirken.

Wenn Sie einen Granatapfel öffnen, finden Sie eine Fülle von roten, runden Kernen. Man kann die Samenkerne ganz essen oder den rubinroten, erfrischenden Saft aus Granatäpfeln pressen. Es gibt dafür auch spezielle Granatsaftpressen.

Hinweise auf blutdrucksenkende Wirkung

Grundsätzlich ist noch zu wenig bekannt, wie sich Granatäpfel auf Herzerkrankungen auswirken. Die Forschung auf diesem Gebiet ist begrenzt. Es gibt aber Hinweise, dass sie antiatherogene (Schutz vor «Arterienverkalkung»), blutdrucksenkende und entzündungshemmende Wirkungen ausüben können. Eine 2017 in der Fachzeitschrift «Pharmacological Research» veröffentlichte Übersicht über acht klinische Studien zeigte: Granatapfelsaft kann sowohl den systolischen wie auch den diastolischen Blutdruck messbar um einige mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) senken.

Eine Erklärung könnte die vorteilhafte Wirkung von Flavonoiden auf Gefässe sein, die in Granatäpfeln enthalten sind. Die Wirkung blieb auch beim Verzehr von Granatapfelsaft in unterschiedlichen Mengen über längere Zeit bestehen. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass es «umsichtig» sein kann, Granatapfelsaft in eine herzgesunde Ernährung aufzunehmen. Ob Granatäpfel helfen, den Cholesterinspiegel zu senken, ist weniger klar. Forscher untersuchten in einer 2019 veröffentlichten Übersicht 17 Studien, fanden jedoch keine signifikanten Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel.

Vorsicht, wenn man bereits Medikamente einnimmt

Bevor Sie beginnen, regelmässig Granatäpfel oder Granatapfelsaft zu sich zu nehmen, sollten Sie gewisse Vorsichtsmassnahmen treffen. Da der Blutdruck gesenkt werden kann, sollten Sie zuerst Ihren Arzt oder Ihre Ärztin konsultieren, wenn Sie bereits Blutdruckmedikamente einnehmen.

Granatäpfel könnten die Geschwindigkeit verlangsamen, mit der die Leber einige Arten von Medikamenten abbaut. Dazu gehören cholesterinsenkende Medikamente wie Statine. Granatäpfel können auch mit dem Blutverdünner Marcoumar oder Sintrom interagieren, wodurch die blutverdünnende Wirkung verringert und die Gerinnungswahrscheinlichkeit steigt. Sprechen Sie sicherheitshalber mit Ihrem Arzt, ehe Sie regelmässig Granatapfelfrüchte oder -saft zu sich nehmen.

Vereinzelt kann der Verzehr von Granatäpfeln Verdauungsprobleme zur Folge haben. Trotz möglicher positiver Effekte von Granatäpfeln: Ein eigenmächtiges Absetzen der Medikamente ist sicher nicht dienlich oder sogar gefährlich.

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