Direkt zum InhaltDirekt zum Fussbereich

Studie zeigt verbesserte Behandlungsmöglichkeit bei Schlaganfallpatienten

Patienten mit einem Schlaganfall in der rechten Hirnhälfte weisen sehr häufig eine linksseitige Störung der räumlichen Wahrnehmung auf. Eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. med. Thomas Nyffeler konnte im Rahmen einer Studie des Schweizerischen Nationalfonds zeigen, dass die Transkraniale Magnetstimulation (TMS) bei einer bestimmten Gruppe dieser Patienten eine schnellere und bessere Erholung ermöglicht.
15. Oktober 2019
Lesezeit: 2 Minuten
Neurologie Schlaganfallpatienten Gehirn
« Wir können nun die geeigneten Patienten identifizieren und ein besseres Ergebnis erzielen.»

Prof. Dr. med. Thomas Nyffeler

Eine Störung der Wahrnehmung (Neglekt) tritt bei einem akuten Schlaganfall sehr häufig auf. Ist die rechte Hirnhälfte von dem Schlaganfall betroffen, nehmen die Patienten Dinge der linken Sicht- und  Körperseite ungenügend wahr und sind in ihren täglichen Aktivitäten stark eingeschränkt.
Einer Forschungsgruppe des Neurozentrums gelang es, in Kooperation mit den Universitäten Bern und Birmingham, wichtige Grundlagen zu klären und neue Erkenntnisse für die Behandlung dieser Patienten zu gewinnen.

Prospektive, randomisierte Studie

In die Studie wurden 60 Patienten mit subakutem Schlaganfall der rechten Hirnhälfte eingeschlossen. Dreissig Patienten wiesen einen Neglekt auf und wurden mit TMS behandelt (Scheinbehandlung, 8 oder 16 «trains»). Die anderen 30 Patienten ohne Neglekt dienten als Kontrollgruppe.
Bei rund 70% der Patienten mit Neglekt war die Verbindung zwischen beiden Hirnhälften (Corpus callosum) intakt. Diese Patienten sprachen sehr gut auf die Behandlung mit TMS an: Die Erholung und das funktionelle Ergebnis, d. h. Alltagsfähigkeiten, verbesserten sich schneller und erreichten nach 3 Monaten sogar ein Erholungsniveau, das der Kontrollgruppe ohne Neglekt entsprach. 

Rund 30% der Neglektpatienten wiesen eine beschädigte Verbindung im Corpus callosum auf und sprachen nicht auf die Therapie an. Sie zeigten ein schlechteres Ergebnis bei der Wiedererlangung der Alltagsfähigkeiten. Dies zeigt, dass die linke Hirnhälfte zur Erholung beitragen kann, wenn die Verbindung zur rechten Hirnhälfte intakt ist.

Optimierte Behandlung für Schlaganfall-Patienten

Die Studie zeigt als erste, dass die TMS-Therapie bei geeigneten Neglekt-Patienten einen Einfluss auf die Erholung hat: Neglekt-Patienten mit intaktem Corpus Callosum erholen sich nach TMS-Behandlung besser sowie schneller und erreichen eine höhere Selbständigkeit im Alltag. In der Neurorehabilitation des Neurozentrums nutzen wir diese Erkenntnisse: Nach der Akutbehandlung im Stroke Center werden Neglekt-Patienten mit intakter Verbindung identifiziert und in der Rehabilitationsphase mit TMS behandelt. Damit bieten wir Schlaganfall-Patienten in der Zentralschweiz eine optimale Versorgung im zertifizierten Stroke Center sowie in der stationären Rehabilitation.  //Prof. Dr. med. Thomas Nyffeler Chefarzt Neurorehabilitation,  LUKS Luzern

Die Studie wurde durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt und in der renommierten Fachzeitschrift «Brain» publiziert.

Fakten

Neglekt bei Schlaganfall-Patienten

Die Inzidenz von Neglekt beim akuten Schlaganfall beträgt 80% bei der rechten Hirnhälfte (Azouvi et al., 2002) und 62% bei der linken Hirnhälfte (Stone  et al., 1991 und 1992). Neglekt ist ein bedeutender negativer Prädiktor für die allgemeine funktionelle Erholung (Stone et al., 1992; Di Monaco et al., 2011): Betroffene Patienten bleiben länger hospitalisiert und können mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht mehr nach Hause entlassen werden. 

Zum Thema

Artikel teilen

Für LUKS-Newsletter anmelden

Wählen Sie Ihre Abonnements

War diese Seite hilfreich?