Von Immensee nach Luzern – 100 selbst gestrickte Mützen für Frühgeborene

Mit flinken Händen und viel Herzblut haben Seniorinnen im «Sunnehof – das Zuhause im Alter» in Immensee hundert Mützchen für Frühgeborene gestrickt. Die kleinen Kopfbedeckungen gehen an die Neonatologie des Luzerner Kantonsspitals. Dort schenken sie den Kleinsten Wärme und Geborgenheit. Als Dank durften die Bewohnerinnen und Gäste einen eindrücklichen Vortrag über den Alltag auf der Neugeborenenstation besuchen.
Federführend im Projekt «Wärme schenken» sind Susanne Lehner, Pflegefachfrau auf der Neonatologie, und ihr Mann Markus Lehner, Leiter der Kinderneurochirurgie. Er finanziert die spezielle Merinowolle, seine Frau hält den Kontakt zu Marlis Dober, Leiterin Aktivierung im «Sunnehof».
Ein Blick hinter die Kulissen der Neonatologie
Mit Leib und Seele referierte Susanne Lehner im «Sunnehof» über den intensiven Alltag auf der Neonatologie. Es handle sich um eine Spezialabteilung für pflege- und überwachungsbedürftige Neugeborene, die keine intensivmedizinische Behandlung benötigten. Spezialisierte Kinderärztinnen, -ärzte und Pflegefachpersonen seien in Luzern rund um die Uhr präsent.
Als Frühgeborene gelten Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. «Je kleiner die Kinder sind, umso besser müssen wir ein gutes Auge auf sie haben. Denn je kleiner sie sind, umso unreifer sind sie», erklärte Susanne Lehner. Unreif bedeute: dünne Haut, noch nicht vollständig entwickelte Lungen, ein empfindliches, unreifes Gehirn.
Die Kleinsten liegen in Isoletten. Die Haut wird mit Mandelöl behandelt, damit sie besser reifen kann. Über die Brutkästen werden Decken gelegt – «im Bauch ist es auch dunkel», so Lehner. Licht und Lärm werden reduziert, damit die Kinder möglichst wenig Stress haben. Denn: «Ohne Stress wachsen sie am besten.»
Gewickelt wird nur alle sechs Stunden, Untersuchungen werden gebündelt. «Manchmal vergessen Frühchen zu atmen. Wenn das Kind nicht anfängt zu atmen, stimulieren wir es.» Mit einer Babypuppe demonstrierte Lehner die Handgriffe. Besondere Vorsicht erfordere der kleine Kopf, da ein erhöhtes Risiko für Hirnblutungen bestehe.
Ein Schatz für die Kleinsten
Hier kommen die Mützchen aus Immensee ins Spiel. «Die Mützen bringen unseren Kleinen sehr viel», betonte Lehner. Sie zeigte Fotos aus der Neonatologie. Und: «Die Mützen passen wunderbar und wachsen mit. Die Kinder, die sie gut brauchen können, d ürfen die Mützchen nach der Entlassung mit nach Hause nehmen. Wir erzählen den Eltern, dass sie im ‹Sunnehof› mit Herzenswärme und guten Wünschen gestrickt werden», sagte Lehner.
Viele Mütter und Väter seien gerührt darüber, dass fremde Menschen sich so engagierten. Auch beim sogenannten Känguruhen – dem innigen Hautkontakt zwischen Eltern und Kind – kommen die Mützen zum Einsatz. «Die Kleinen brauchen die Wärme zum Wachsen. Die Mützen sind unser Schatz», betonte Lehner.

Frühchen gedeiht im Kachelofen-Warmhaltefach auf der Rigi
«In eurem Alter dürft ihr den kleinen Neugeborenen Wärme schenken», freute sich Marlis Dober. Sie selbst erinnerte sich an ihre Arbeit auf der Geburtenstation: «Das kleinste Kindlein war 800 Gramm schwer. Heieiei – ein Kilo Brot ist noch schwerer als solch kleine Geschöpfe.» In der Diskussionsrunde wurden viele Erinnerungen an früher wach. Eine Bewohnerin erzählte, sie sei als Frühgeburt im Rigi Dächli in Goldau geboren worden. «Sie haben mich ins Warmhaltefach des Kachelofens gebettet, damit ich nicht erfriere.» Marlis Dober fügte hinzu: «Es ging immer um Wärme.»
Lehner schlug die Brücke zur Gegenwart: Extrem-Frühgeborene ab der 23. oder 24. Schwangerschaftswoche werden zunächst auf der Intensivstation betreut. Die Versorgung dieser Kinder gehört zur hochspezialisierten Medizin. Das Perinatalzentrum am Luzerner Kantonsspital zählt zu den wenigen ausgewählten Zentren der Schweiz in diesem Bereich. Kinder aus den Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Tessin, Zug und vereinzelt aus Zürich werden in Luzern betreut. «Gott sei Dank werden die Probleme der Kleinen, je grösser sie werden, immer weniger», sagte Lehner. «Für uns ist es das Schönste, wenn wir sehen, wie gut sich die Kinder nach ein paar Jahren entwickelt haben.»
Neonatologie Luzern in Zahlen
In der Schweiz kommen pro Jahr rund 80’000 Kinder zur Welt. Sechs bis sieben Prozent davon sind Frühgeborene. Auf der Neonatologie des Luzerner Kinderspitals Zentralschweiz am Luzerner Kantonsspital wurden im Jahr 2024 insgesamt 769 Kinder betreut. Davon waren 282 Frühgeborene. 24 dieser Kinder wogen bei ihrer Geburt weniger als 1000 Gramm. Die Abteilung verfügt über 29 Betten. Zehn davon sind mit Beatmungsgeräten ausgestattet. Damit zählt die Station zu den grössten Neonatologie-Abteilungen der Schweiz, die unter einem Dach geführt werden. Im Herbst steht zudem ein Umzug bevor: Das neue Kinderspital in Luzern wird bezogen. «Wir freuen uns schon jetzt auf mehr Platz und Einzelzimmer für die Kleinen auf der Neonatologie», betonte Susanne Lehner.
Der Artikel erschien im «Bote der Urschweiz» in der Ausgabe vom 20.2.2026 (Autorin Edith Meyer).
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