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Winterschwimmen - zwischen Gefahr und positivem Effekt

Winterschwimmen gilt zunehmend als populärer Outdoor-Ausdauersport. Schon 400 Jahre vor Christus gabs erste Ideen über Vorteile von Kaltwasserschwimmen. 1790 beschrieb Dr. James Currie erste Effekte von Kaltwassertauchen und Hypothermie beim Menschen. Modernes Freiwasserschwimmen begann 1810 mit Lord Byron, der durchs Meer von Europa nach Asien schwamm. In nordischen Ländern ist Winterschwimmen eine regelmässige Aktivität.
22. Januar 2024
Lesezeit: 3 Minuten
Bering Judith WebseiteBanner

Laut immer mehr Studien kann Winterschwimmen, obwohl physiologisch sehr anstrengend, positive Gesundheits-Effekte haben mit möglicher Erhöhung von Stresstoleranz und Abhärtung. Kälte wie Training führen zu Stressreaktionen im Körper mit Freisetzung von Stresshormonen, kurzem Anstieg der weissen Blutzellen, gefolgt von einer Abnahme, wenn sie ihr Zielgewebe (z.B. Haut) erreichen. Bisher ist unklar, ob eine echte Zell-Zunahme oder -Umverteilung im Körper stattfindet. Winterschwimmer zeigten in Studien 40 Prozent weniger obere Atemwegsinfektionen mit milderen, kürzeren Verläufen und signifikant weniger Arztbesuchen. 

Doch kann häufiges langes Kältezittern während und nach dem Schwimmen ohne ausreichende Erholung schädlich sein. Intensive Belastungen (mehr als 80 Prozent VO2max – maximale Sauerstoffaufnahme) können zum Absterben weisser Blutzellen führen und gekoppelt mit höherem O2-Verbrauch chronisch physiologischen Stress und eine Immunschwäche auslösen. Die optimale «Dosis Kälteexposition» ist noch nicht klar.

Bei Rheuma, Fibromyalgie, Asthma, schwerer Depression oder Angstzuständen zeigte sich ein besseres allgemeines Wohlbefinden nach dem Aufenthalt in der Kälte. Antidepressive Effekte waren sofortige Stimmungsaufhellung, Symptom-Abnahme, Reduktion der Medikation. Vereinzelte Exposition kann die Schmerz-Wahrnehmung reduzieren. Weitere positive Einflüsse sind etwa reduzierter Blutdruck und Optimierung der Blutfette.  

Es lauern diverse Gefahren

Vor allem für Unerfahrene, Untrainierte ohne gute Anpassung kann Winterschwimmen tödlich enden. Gefahren sind Ertrinken, abnehmende Schwimmeffizienz, Unterkühlung, Lungenödem oder neurogener Kälteschock. Ein Kälteschock kann zu Lungenkontraktion, Hyperventilation mit Kontrollverlust über die Atmung, ineffizientem Schwimmen, atmungsbedingter Muskelermüdung, reduziertem Blutfluss im Gehirn mit Desorientierung bis Ohnmacht, schnellem Anstieg von Puls und Blutdruck sowie peripherer Gefässverengung führen. Zudem treten Probleme im Zusammenhang mit Muskeln und Knochen auf wie eine Unterbrechung der Nervenleitung. 

Verlangsamter Stoffwechsel in den Zellen

Es kommt zu erhöhter Sensitivität der Schmerzrezeptoren und verlangsamten Stoffwechsel in den Zellen. Dadurch nimmt die Muskelkraft in Relation zur Muskeltemperatur ab (4 bis 6 Prozent pro Grad ab 30 Grad C) und das Ertrinkungsrisiko zu.  Zunehmende Unterkühlung beeinflusst Stoffwechsel und Funktion der Zellen mit Störungen der Blutstillung, Übersäuerung des Körpers, Beeinträchtigung kognitiver Fähigkeiten und Herzrhythmusstörungen. Beim Schwimmen hat die Aktivität selbst Einfluss auf die Reduktion der Körperkerntemperatur, zusätzlich verliert man Wärme ans Wasser.

Mit richtiger Vorbereitung eine bereichernde Erfahrung

Ich empfehle vorm Winterschwimmen einen Gesundheitscheck, gute Vorbereitung mit schrittweisem Auf- und Ausbau und eventuell mentales Training (Atemkontrolle). Fehlende Anpassung oder gesundheitliche Vorbelastung sind ein Risiko für Herzrhythmus- oder Herzkreislaufstörungen. Akklimatisierung hilft, Risiken zu minimieren und gesundheitliche Vorteile zu erfahren. Auf keinen Fall Alkohol trinken, er kann Untertemperatur auslösen. 

Alles in allem aber kann Winterschwimmen– richtig vorbereitet und im Team – eine bereichernde Erfahrung mit positiven Effekten für Ihre Gesundheit sein.

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