Eine neue Ära hat begonnen

Acht Jahre geträumt, vier Jahre geplant, zwei Jahre gebaut. Die topmoderne Pharmazie des Luzerner Kantonsspitals (LUKS). Die Neuerungen bringen eine bessere Qualität, eine höhere Effizienz und Wirtschaftlichkeit.

1. März 2018

Lesezeit: 4 Minuten
Herstellung von sterilen Fertigspritzen für die Knochenmarkspunktion. Bruno Lienhard, Fachmitarbeiter Pharmazie, LUKS Luzern

Herstellung von sterilen Fertigspritzen für die Knochenmarkspunktion. Bruno Lienhard, Fachmitarbeiter Pharmazie, LUKS Luzern

Die bisherige Apotheke, die Ende der Siebzigerjahre gebaut und 1984 bezogen worden war, konnte die Anforderungen an eine moderne Pharmazie nicht mehr erfüllen. Auf 1400 m2 gab es lediglich zwei Büros: das Büro des Chefapothekers (40 m2) und das Sekretariatsbüro (20 m2). PCs wurden damals noch nicht eingesetzt. Das Farbkonzept basierte auf den Farben Orange, Braun, Beige und Olivgrün.

Herausforderungsreiche Bauphase

Die Sanierung war von Provisorien geprägt, da der gesamte Umbau bei laufendem Betrieb stattfand. Das oberste Gebot war und ist, dass die Patienten- und Medikationssicherheit immer gewährleistet ist. So musste der Spitalbetrieb jederzeit mit den benötigten Medikamenten versorgt werden. Das verlangte allen Mitarbeitenden viel ab. Auch während der mehrtägigen Zügelaktionen des Medikamentenlagers musste jedes gewünschte Medikament ohne Verzögerung den Patienten zur Verfügung stehen – vom Kindernährmittel über Blutfaktoren bis zum Kontrast- und Desinfektionsmittel. Das Gleiche galt für die Herstellung: Wurden am Vormittag noch in den alten Räumlichkeiten Augentropfen für einen Notfallpatienten hergestellt, mussten am Nachmittag die Schmerzpumpen für den Paindienst bereits in den provisorisch erstellten Herstellräumen angefertigt werden. Auch die Sachbearbeitung musste ohne Unterbrüche gewährleistet sein. Die Medikamentenbestellungen mussten jeden Tag termingerecht erfolgen, bei Lieferengpässen durfte keine Zeit verloren gehen, um Ersatz zu besorgen. Die Koordination aller Tätigkeiten wurde generalstabsmässig organisiert und durchgezogen.

20 Monate unter Tag

Mit dem gesamten Lager (rund 3500 verschiedene Artikel) wurde im  in den GOPS (geschützte Operationsstelle) gezügelt. Eine Fläche von rund 800 m2 wurde freigeräumt: Die Zivilschutzeinrichtungen mussten inventarisiert, fotografiert, verpackt, beschriftet und dann in einem externen Lager verstaut werden. Anschliessend waren die Räume mit Regalen, Büroarbeitsplätzen, Beleuchtung, Lüftung, Alarmanlage und Kühlräumen auszustatten. Unsere Mitarbeitenden in der Arzneimittelversorgung hatten während 20 Monaten ihren Arbeitsplatz unter Tag ohne Fenster. Das Tageslicht konnten sie während der verlängerten Pausen – je 30 Minuten am Vormittag und am Nachmittag – geniessen.

Die neuen Arbeitsplätze unterstützen die Arbeitsabläufe optimal und die Mitarbeitenden können rasch und effizient handeln.

Die neuen Arbeitsplätze unterstützen die Arbeitsabläufe optimal und die Mitarbeitenden können rasch und effizient handeln.

Konsequentes Material- und Farbkonzept

Das alles ist nun Vergangenheit. Die neue Pharmazie besticht vor allem durch das durchdachte Layout, das konsequente Material- und Farbkonzept und die extrem hohe Qualität der Verarbeitung. Man einigte sich auf eine klare, neutrale Farbgebung: Weiss, Anthrazit, Blau. Dazu passt die LUKS-Standardmöblierung perfekt, die Räume wirken edel und klar. Die hellen Leuchten, Glastüren und die zum Teil verglasten Fronten und Oberlichter bringen zusätzliche Helligkeit in die Räume. Dadurch entsteht eine angenehme Atmosphäre, trotz der Beherbergung im U2.

Neue Organisation, höhere Effizienz

Auf der praktisch gleichen Fläche wurde alles neu geordnet und so untergebracht, dass die Arbeitsabläufe optimal sind und sich die Warenflüsse nicht kreuzen. Dies schlägt sich unter anderem in einer hohen Effizienz nieder. Der neue Bürotrakt umfasst 18 Arbeitsplätze, die alle an der Fensterfront liegen. Der hochmoderne Reinraumbereich beherbergt auf 160 m2 die Herstellräume. In der Mitte des Medikamentenlagers steht der Rüstroboter. Zu erwähnen sind auch die funktionalen Spezialräume wie der Kühlraum, das Betäubungsmittellager und der Kopierraum. Dazu kommt viel Hightech in Server-, Elektro- und anderen Technikräumen.

Reinraumbereich heisst nicht zufällig so

Der Reinraumbereich, in dem Medikamente hergestellt werden – von der einfachen Salbe bis zur sterilen Lösung –, ist so klein wie möglich und so gross wie nötig. Er ist nach internationalen Richtlinien erstellt. Die einzelnen Räume folgen einem Druckstufenkonzept. Sie werden kontrolliert belüftet und kontinuierlich auf Temperatur, Raumdruck, Luftwechselrate, Luftfeuchtigkeit und Luftpartikel überwacht. Der ganze Bereich muss nach aussen dicht sein, damit kein Schmutz und keine ungefilterte Luft in den inneren Bereich eindringen können. So musste selbst jede Steckdose speziell abgedichtet und auf Druckdichtigkeit überprüft werden. Die Mitarbeitenden in der Herstellung ziehen sich, bis sie in den reinsten Bereich kommen, dreimal um. Dass sie in diesem Bereich ohne Schmuck und ungeschminkt arbeiten, ist für sie selbstverständlich. Sie wissen, dass dies eine Voraussetzung ist, um einwandfrei sichere Produkte herzustellen.

«Der neue Reinraum – ein Quantensprung!»

Michael Kaiser, Apotheker LUKS Luzern
Einzelne Arbeiten verlangen spezielle Arbeitskleidung.

Einzelne Arbeiten verlangen spezielle Arbeitskleidung.

Digitalisierung und Ordnung

Das Lager wurde mit einem automatischen Rüstroboter ausgestattet. Knapp 50'000 Packungen lagern in zwei nahezu identisch bestückten Systemen. Die Medikamente werden an einem automatischen Befüllpunkt vermessen, über den Barcode identifiziert und eingelagert. Die Ausgabe erfolgt nach dem FeFo-Prinzip (first expired, first out), sodass die aufwendige manuelle Verfalldatenkontrolle entfällt. Der Roboter hat nicht nur den Vorteil, dass er die Medikamente platzsparend und bis unter die Decke (3,15 m) einräumt, sondern dass er präzise, unermüdlich und effizient arbeitet.

«Der Roboter machts gut!»

Susanne Delaloye, Pharmaassistentin LUKS Luzern
Vmax, ROWA Rüstroboter. Pharmazie LUKS Luzern

Vmax, ROWA Rüstroboter. Pharmazie LUKS Luzern

Kompetenz, Freude und Herzblut

Die hohe Qualität der Pharmazie konnte nur erreicht werden, weil sich viele Leute sehr viele Gedanken im Vorfeld machten. Es war eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, die allen Beteiligten eine Menge abverlangte. Geschafft haben wir das auch deshalb, weil Projekt-, Bauleitung und die Abteilung Haustechnik TBS den Bau beharrlich und mit den höchsten Ansprüchen an Unternehmer wie an Nutzer vorangetrieben haben – mit dem unbedingten Willen, termingerecht und im gesteckten Kostenrahmen fertig zu werden. In der Pharmazie stecken Kompetenz, Freude und Herzblut sowie der Anspruch, einer der führenden Spitalgruppen der Schweiz die beste Pharmazie zur Seite zu stellen.