Grauer Star: Wann sollte zwingend operiert werden?

Luzerner Zeitung - Bei mir (w, 68) ist grauer Star diagnostiziert worden. Die Sehleistung liegt noch bei 60 Prozent. Sollte man die Operation sofort machen lassen, oder kann man noch abwarten? Und welche Linsen sind empfehlenswert?

19. Februar 2019

Lesezeit: 3 Minuten
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Eine Trübung der menschlichen Linse (grauer Star) entwickelt sich oft sehr langsam über mehrere Jahre. Typische Symptome des grauen Stars sind unscharfe oder kontrastarme Sicht, flaue Farben, vermehrte Blendung oder ändernde Brillenrezepte.

Da sich ein grauer Star langsam entwickelt, kann es sehr gut sein, dass Betroffene nur noch 40 Prozent Sehleistung haben, diese aber weiterhin als normal empfinden. Es kann aber auch sein, dass Betroffene trotz einer Sehleistung von 100 Prozent wegen der zunehmenden Blendung beim Autofahren oder Leseschwierigkeiten über erhebliche Beschwerden im Alltag klagen.

Entsprechend ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation des grauen Stars sehr individuell und abhängig von den jeweiligen Sehbedürfnissen. Grundsätzlich sollte die Operation erst dann geplant werden, wenn sie sich durch die Symptome des grauen Stars beeinträchtigt fühlen. Eine wichtige Ausnahme ist das Führen von Motorfahrzeugen. Wer Auto fährt, benötigt eine Sehschärfe von mindestens 50 Prozent, und in diesem Fall sollte die Operation rechtzeitig geplant werden, auch wenn Sie das Gefühl haben, selbst noch gut zu sehen.

Da der richtige Zeitpunkt für eine Operation sehr individuell ist, ist die Beratung durch Ihren Augenarzt, der die Veränderungen Ihrer Linse kennt, wichtig. Unterscheidet sich ihr eigenes Gefühl erheblich von den Ratschlägen ihres Augenarztes, können Sie immer noch eine Zweitmeinung in Erwägung ziehen.

Eingriff verbessert Lebensqualität oft massiv

In den meisten Fällen ist eine Grauer-Star-Operation ein wenig belastender Routineeingriff, der dank der wiedergewonnenen Sehkraft die Lebensqualität massiv verbessern kann. Ebenso hat sich gezeigt, dass eine gute Sehleistung die wichtigste Sturzprophylaxe im Alter darstellt. Deshalb ist es auch ohne das Argument der Fahrfähigkeit sinnvoll, einen Operation ab einer Sehschärfe von unter 50 bis 60 Prozent als Sturzprophylaxe zu erwägen.

Bei Operation des grauen Stars wird die trübe Linse entfernt und durch eine klare Kunststofflinse ersetzt. Es stellt sich im Hinblick auf die Operation die Frage, welche Linse für Ihre Sehbedürfnisse am besten geeignet ist. Wenn Sie wissen, ob sie ohne Brille am liebsten in der Ferne, im Mittelbereich oder in der Nähe scharf sehen möchten, dann kann Ihr Augenarzt die benötigte Linsenstärke berechnen. Für die restlichen Distanzen wird die Sicht mit einer Brille korrigiert.

Zusätzlich gibt es die Option kostenpflichtiger Speziallinsen, die die Hornhautverkrümmung korrigieren oder das gleichzeitige Sehen in allen Distanzen ohne Brille ermöglichen können. Ebenso stellt sich die Frage nach asphärischen Linsen, die je nach Operationszentrum allenfalls mit Zusatzkosten verbunden sein können.

Linsenwahl mit Operateur besprechen

Der Vorteil von asphärischen Linsen liegt vor allem in einer verbesserten Sicht und Kontrastwahrnehmung bei weiter Pupille, das heisst bei schlechten Lichtverhältnissen, wie zum Beispiel bei einer Autofahrt nachts. Die Beratung im Hinblick auf die für Sie optimale Linsenwahl ist ein wichtiger Teil der Voruntersuchung durch den Operateur. 

Ratgeber: Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael A. Thiel, Chefarzt Augenklinik
Quelle: Luzerner Zeitung vom 19.02.2019