«Mit LUKiS sinkt die Fehlerquote»

Dr. med. Guido Schüpfer ist seit 2007 Co-Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Rettungsmedizin und Schmerztherapie (KLIFAIRS) und Chefarzt Stab Medizin am Luzerner Kantonsspital (LUKS). Er betont in unserem Gespräch, wie wichtig die Standardisierung mit dem Klinikinformationssystem LUKiS für die Erhöhung der Behandlungsqualität ist – und für den ganzheitlichen Patientenbezug.

3. Juli 2020

Lesezeit: 5 Minuten
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Herr Schüpfer: Wie erhöht das neue Klinikinformationssystem LUKiS die Behandlungsqualität?

Die Daten eines Patienten sind in einer Datenbank zentral abgelegt. Das heisst, es gibt keine Validierungs- und Identifizierungsprobleme und hoffentlich keine korrupten Daten. Durch die Standardisierung steigt die Dokumentationsqualität. Sie ist sicher und hochfrequent. So können wir beispielsweise auch die Medikationssicherheit verbessern. Heute gibt es ein Grundrauschen von Medikationsfehlern, das wir nur mithilfe einer Software minimieren können. Das System überprüft Interaktionen zwischen den Medikamenten und weist auf Unregelmässigkeiten und Gefahren hin.

Gibt es weitere Beispiele für die Verbesserung der Qualität?

Ja, die Standardisierung von Prozessen wie die Vorbereitung von Operationen. Dafür gibt es Checklisten: Das System zwingt zu gewissen Handlungen und hilft, Fehlerquellen zu minimieren. Das erhöht die Prozessqualität und damit die Patientensicherheit. Die Wartezeiten der Patienten werden erkannt und dokumentiert. Dadurch können Engpässe identifiziert und gezielt beseitigt werden. Unsere Schnittstellen mit anderen Epic-Nutzern (Epic heisst der amerikanische Herstellers des Systems) ist standardisiert: Übertragungsfehler bei der Verlegung sind dadurch weitgehend ausgeschlossen. Zudem ist die Administration der Aus- und Eintritte viel einfacher, auch die Patientenübernahme auf Station beispielsweise aus der Intensivstation.

Im letztjährigen Geschäftsbericht steht: «LUKiS wird den Spitalalltag für Mitarbeitende, Patienten und zuweisende Ärzte modernisieren.» Was heisst das konkret?

Zuallererst: LUKiS ist eine grosse Herausforderungen für alle Mitarbeitenden, wie sie nur alle 15 bis 20 Jahre vorkommt. Hinzu kommt der Paradigmenwechsel bei unseren Prozessen: Sie sind mit LUKiS nicht mehr klinik-, sondern patientenbezogen. Es gibt eine zentrale patientenzentrierte Krankengeschichte. Alle LUKS-Mitarbeitenden können jederzeit und überall auf die relevanten Informationen zu ihren Patienten zugreifen. Die Software ist in über 1000 Spitälern weltweit im Einsatz. Wir können also von vielen Erfahrungen profitieren. Ein Spitalarzt in England hat mir gesagt: «Wir haben nach der Einführung von Epic zwei Jahre lang gelitten. Heute können wir uns nicht mehr vorstellen, wie wir früher ohne dieses System gearbeitet haben!»

Was bringt LUKiS für die Patienten?

Patienten, aber auch ihre Angehörigen wollen gut informiert sein. Mit dem Patientenportal «Mein LUKS» haben sie Zugang zu den persönlichen Behandlungsdaten (siehe Link am Ende). Das heisst: Die Patienten bekommen mehr Selbstbestimmung. Und das wiederum ist eine der Herausforderungen für uns Ärzte, wird aber die Kommunikationsqualität mit Patienten und Angehörigen stärken.

Welches sind denn aus Ihrer Sicht weitere Herausforderungen für die Ärzte?

Für uns Spitalärzte bringt das neue Klinikinformationssystem grosse Veränderungen unseres Arbeitsalltags. Die Zeiten, als ich meine unleserlichen Handnotizen zum Eintippen ins System abgeben konnte, sind vorbei. Als Spitalarzt muss ich meine Notizen zur Patientenvisite und Verordnungen selbst ins System eingeben. Damit haben viele Kolleginnen und Kollegen noch Mühe, Unterstützung mit Spracherkennung und Textbausteinen ist aber möglich, muss sich jedoch noch verbreiten.. Insgesamt ist der Anpassungsprozess aber anstrengend. Durch die Digitalisierung haben wir nun strukturierte Daten. Darauf werden wir Applikationen mit künstlicher Intelligenz anwenden und so komplexe und komplizierte Behandlungen verbessern können. 

Wir erhalten fast unendlich viele Daten. Zum Beispiel für die klinische Forschung und das Qualitätsmanagement.

Dr. med. Guido Schüpfer

Welche Vorteile sehen Sie für die Ärzte am LUKS?

Das Synergiepotenzial im gesamten Behandlungsprozess ist sicher gross. Und der höhere Zeitaufwand für die Dokumentation durch uns Ärzte wird sich rasch auszahlen. Nur schon die Standardbesprechungen sind einfacher zu dokumentieren. Es gibt weniger (Übertragungs-)Fehler und ich habe keine Nacharbeit mehr. Dazu erzähle ich gerne eine Anekdote aus Australien: Das Spital Royal Children Hospital in Melbourne hat das gleiche Klinikinformationssystem wie wir. Ich habe dort einen Arzt gefragt, was sich für ihn verändert hat. Seine Antwort: «Früher war ich bis 16 Uhr auf Visite und habe danach bis 19 Uhr diktiert. Heute gehe ich um 16 Uhr nach Hause.» Das ist der Unterschied zu vorher – und das ist einer der Vorteile für uns Spitalärzte. Wichtig ist, dass wir rasch Computer affine Ärzte zu "Physician Buildern" qualifizieren, damit dann alle Kollegen die Möglichkeiten und Vorteile des Systems umfassend nutzen können.

Was bringt LUKiS den zuweisenden Ärzten?

Das Zuweiserportal LUKSLink vereinfacht den Austausch und die Kooperation mit den Ärzten: indem es Informationen bündelt und diese rund um die Uhr zugänglich macht. Konkret: Wir können die Hausärzte in Echtzeit in die stationäre Behandlung einbinden. So sind sie Teil unseres Behandlungsteams. Und sie können in Echtzeit die Patientendaten am LUKS abrufen. Damit erhalten die Zuweiser die grosse Chance, sich einzubringen und mit uns zu interagieren. Auch das wird die Qualität in der ganzen Behandlungskette erhöhen. Ich glaube aber, dass wir – Spitalärzte und Zuweiser – dafür erst eine gemeinsame Kultur entwickeln müssen.

Sehen Sie weitere Vorteile, die das Klinikinformationssystem bietet?

Ja. Wir erhalten fast unendlich viele Daten. Zum Beispiel für die klinische Forschung und das Qualitätsmanagement. Wir müssen nicht zuerst eine Studie machen, um eine verlässliche Datenbasis für Auswertungen zu erhalten. Auch für die Vereinfachung unserer Prozesse gibt es eine bessere Datenbasis. Bisher war vieles nicht bekannt. Die Daten im LUKiS schaffen jetzt Transparenz. Dadurch verstehen wir unsere Prozesse besser und können zum Beispiel die Wartezeiten verkürzen.

Wie geht es weiter mit der Digitalisierung am LUKS?

Die Einführung von LUKiS ist ein erster wichtiger Schritt. Die Digitalisierung fördert die integrierte Versorgung, ermöglicht eine bessere Behandlungsqualität und noch mehr die Patientensicherheit. Die Software und Maschinen unterstützen uns Menschen. Beispielsweise beim Identifizieren und Beobachten der Patienten. Ein Algorithmus ermüdet nicht. Er erkennt Verschlechterungen des Gesundheitszustands nach objektiven Kriterien, rund um die Uhr und trotz Schichtwechsel. Die Digitalisierung hilft uns, noch effizienter und effektiver zu werden. Ich vergleiche das LUKS mit der Reisebranche vor zehn Jahren. Damals habe ich meine Ferien im Reisebüro gebucht, heute erledige ich das im Internet. Wichtig ist es zu realisieren, dass wir keine APP installiert haben, sondern ein komplexes und zugegebenermassen auch komplizierte Softwareapplikation, deren Möglichkeiten wir erst lernen müssen voll auszuschöpfen!

Dieser Beitrag stammt aus dem Jahresbericht 2019 des LUKS. Patientinnen und Patienten können sich dank der neuen digitalen Lösung LUKiS auf dem Portal MeinLUKS registrieren und so jederzeit ihre Daten einsehen und verwalten.

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