«Rettungsdienst Zentralschweiz»: In rund 1000 Fällen schneller vor Ort

Ab September 2018 testen die Rettungsdienste der Kantonsspitäler Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri den koordinierten Einsatz ihrer Rettungsteams und -fahrzeuge. Mit dieser Verbundlösung kann die Zeit zwischen Alarmierung und Eintreffen am Einsatzort in allen vier Kantonen verkürzt werden. Eine Modellrechnung zeigt, dass die Rettungsdienste in 1000 von insgesamt 21'000 Einsätzen künftig schneller vor Ort sind. Mehr als 80 Prozent davon sind Notfalleinsätze: ein schnelleres Eintreffen kann unter Umständen Leben retten.

18. Juli 2018

Neuer Rettungswagen mit Koffersystem

Die Ambulanzen der spitalbasierten Rettungsdienste Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri werden ab kommendem Herbst im Rahmen eines Pilotprojekts den «Fahrzeugpool Zentralschweiz» bilden. Fahrzeuge aus diesem Pool werden die Rettungsdienststandorte Luzern und Stans verstärken und neu auch im Feuerwehrstützpunkt Emmenbrücke einen Standort beziehen. Die bisherigen Rettungsdienststandorte werden weiterhin vollständig abgedeckt: Mindestens ein Fahrzeug bleibt permanent vor Ort stationiert.

Auslöser des Pilotprojekts ist eine Analyse, welche die Fachhochschule St. Gallen im Auftrag der vier Rettungsdienste erstellt hat. Die Auswertung der Primäreinsatzfahrten, -zeiten und -orte sowie der Hilfsfristen (Zeitdauer zwischen Alarmierung des Rettungsteams und Eintreffen am Einsatzort) hat gezeigt, dass die Hilfsfrist mit einer besseren Abstimmung und optimierten Positionierung der Fahrzeuge verkürzt werden kann. «Dank der kantonsübergreifenden Neuanordnung der Rettungsteams stehen die Teams dort zeitnah zur Verfügung, wo sich die meisten Notrufe und Notfälle ereignen, ohne die weitere medizinische Versorgung zu schmälern», erklärt Dr. med. Esther Schmid, Leiterin Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals.

Schneller vor Ort

Jährlich rücken die involvierten Ambulanzen rund 21'000 Mal aus in den vier Kantonen. Davon sind mehr als 80 Prozent Notfalleinsätze. In rund 1000 Fällen werden sie künftig schneller vor Ort sein. Heute erreichen die Ambulanzteams bei Primäreinsätzen mit Sondersignal, sprich bei Einsätzen mit eingeschalteten Warnvorrichtungen, in 80,4 % aller Fälle den Patienten innerhalb von 15 Minuten nach Alarmierung. Dank der Optimierungen soll dieser Wert inskünftig bei 81,3 % liegen. «Das kann die Rettung eines Menschenlebens bedeuten», so Esther Schmid.

Sie betont: «Alle bisherigen Rettungsdienststandorte werden beibehalten. Dies wurde hinlänglich geprüft und war eine wichtige Voraussetzung. Ein Notfall wird auch inskünftig mit der gleichen Priorität behandelt – egal, ob er sich im städtischen oder ländlichen Gebiet ereignet.» 

Zusammen noch besser werden

Der Sanitätsnotruf 144 Zentralschweiz disponiert jedes Jahr in den Kantonen Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri insgesamt rund 25'000 Notfall- und Sekundäreinsätze nach dem Grundsatz: «zur richtigen Zeit mit dem richtigen Mittel das Richtige tun». Die Hochschule St. Gallen konnte mit ihrer Analyse zeigen, dass die bereits heute hochstehende medizinische Erstversorgung in den Zentralschweizer Kantonen durch die verstärkte interkantonale Zusammenarbeit der spitalbasierten Rettungsdienste weiter verbessert werden kann. «Jeder Rettungsdienst für sich ist gut unterwegs, die Versorgungslage darf als sehr gut bezeichnet werden», betont Dr. med. Andreas Gattiker, Spitaldirektor des Kantonsspitals Obwalden. «Zusammen können wir aber noch besser werden zugunsten der Bevölkerung und unserer Patienten.»

Fahrzeuge rücken versuchsweise ab interkantonalen Standorten aus

Insofern sei das Projekt eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, sagt denn auch Daniel Häfliger, Leiter Rettungsdienst des Kantonsspitals Uri. «Wir versprechen uns durch diese schweizweit einzigartige interkantonale Zusammenarbeit eine Stärkung des Zentralschweizer Rettungswesens und eine Verbesserung der Erst- und Notfallversorgung. Unsere gemeinsamen Ressourcen können so optimal eingesetzt werden.» Für die Patienten fallen durch diese Massnahmen keine zusätzlichen Kosten an.

Optimaler Einsatz der Rettungsteams

Im Rahmen des Pilotprojekts wird es zu weiteren organisatorischen Anpassungen bei den Rettungsdiensten kommen. So werden ausgehend von den Erkenntnissen der Analyse der Fachhochschule St. Gallen die Dienstzeiten der Rettungsteams angepasst. Die Dienstzeiten werden so gestaffelt, dass dann mehr Teams zur Verfügung stehen, wenn sich im Tages- und Nachtverlauf erfahrungsgemäss viele Einsätze ergeben. Das Angebot wird quasi auf die «Nachfrage» adaptiert. Die medizinische Versorgung bleibt bei unverändertem Personalbestand und -schlüssel rund um die Uhr gewährleistet. Dank dieser Anpassungen können Einsätze nicht nur schneller geleistet, sondern die Auslastung der Teams verbessert und gleichzeitig Überstunden reduziert werden. Die Verantwortlichen erhoffen sich dadurch eine zusätzliche Steigerung der Arbeitsplatzattraktivität.

Pilotprojekt läuft bis Ende 2019

Vorerst sollen die Neuerungen bis am 31. Dezember 2019 getestet werden. Im Anschluss wird basierend auf einer Projektevaluation entschieden, ob sich daraus eine dauerhafte Kooperation ergibt und die Zusammenarbeit allenfalls auf weitere Partner ausgeweitet wird.

Das Pilotprojekt «Rettungsdienst Zentralschweiz» in Kürze

Eine Analyse der Fachhochschule St. Gallen zeigt, dass dank Standortoptimierungen beziehungsweise kantonsübergreifenden Neuanordnungen von Rettungsfahrzeugen und -teams sowie Anpassungen bei den Dienstzeiten die Hilfsfristen der beteiligten Rettungsdienste der Kantonsspitäler Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri verbessert werden können. Zu diesem Zweck bilden die Rettungsfahrzeuge der spitalbasierten Rettungsdienste Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri ab September 2018 den «Fahrzeugpool Zentralschweiz». Hauptstandorte des Fahrzeugpools sind die Rettungsdienststandorte Luzern und Stans, die je mit Fahrzeugen aus dem Pool verstärkt werden. In Emmenbrücke (Gemeinde Emmen) entsteht im Feuerwehrstützpunkt ein neuer, temporärer Rettungsdienststandort. Dieser wird durch den Rettungsdienst des Kantonsspitals Luzern betrieben.

Die medizinische Erst- und Nothilfe wird durch die interkantonale Kooperation gesamtheitlich gestärkt: Inskünftig kann so in mehr Fällen pro Jahr schneller medizinische Hilfe geleistet werden. Alle bisherigen Rettungsdienststandorte (LU: Luzern, Sursee, Wolhusen; NW: Stans; OW: Sarnen; UR: Andermatt, Altdorf) werden beibehalten; mindestens ein Fahrzeug bleibt permanent vor Ort stationiert. Ein neuer Standort (LU: Emmenbrücke) kommt hinzu, bisherige werden punktuell durch Fahrzeuge aus dem «Fahrzeugpool» Zentralschweiz verstärkt. Für die Patienten fallen durch diese Anpassungen keine zusätzlichen Kosten an.