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Der Einfluss direkter Überweisungen auf Sarkom-Behandlungsergebnisse

Unkoordinierte Versorgungspfade führen bei Sarkomen oft zu Verzögerungen und schlechteren Ergebnissen. Mit der Sarcoma Integrated Practice Unit (IPU) am Luzerner Kantonsspital und dem Swiss Sarcoma Network wurde eine multidisziplinäre Struktur geschaffen, die Diagnostik und Therapie effizienter koordiniert.
Schlüsselwörter: Sarkom, Zuweisung, Integrated Practice Unit, Swiss Sarcoma Network

Einleitung
Sarkome gehören zu den seltenen Tumoren und stellen eine besondere Herausforderung dar, nicht nur aufgrund ihrer Seltenheit, sondern auch wegen ihrer biologischen Heterogenität. Für die primär behandelnden Ärztinnen und Ärzte ist es oft schwierig, bei unspezifischen Symptomen wie Schwellungen oder Schmerzen die Möglichkeit eines Sarkoms in Betracht zu ziehen. Eine rasche Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum ist jedoch entscheidend, um Fehldiagnosen und ungeeignete Eingriffe zu vermeiden. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde in enger Zusammenarbeit zwischen LUKS und SSN die Sarcoma Integrated Practice Unit (IPU) am LUKS etabliert. Diese multidisziplinäre Einheit setzt neue Massstäbe in Diagnostik, Therapie und Forschung und bietet eine Plattform für klinische Exzellenz (1, 2).

Das Problem der unkoordinierten Versorgung
Eine der zentralen Erkenntnisse des SSN ist, dass unkoordinierte und fragmentierte Versorgungspfade zu schlechteren Behandlungsergebnissen führen. Ungeplante «Whoops»-Resektionen, die oft ohne adäquate Bildgebung oder Biopsie durchgeführt werden, haben eine signifikant höhere Lokalrezidivrate und führen häufiger zu positiven Resektionsrändern. Analysen des SSN im letzten Jahr haben gezeigt, dass bei Patienten/-innen, die in spezialisierten Zentren wie der Sarcoma-IPU am LUKS behandelt werden, deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden. Auf der Analysebasis von über 450 Patientendatensätzen konnten erstmals systematisch die Unterschiede zwischen geplanten und ungeplanten Resektionen dokumentiert werden. Diese Studien haben entscheidend dazu beigetragen, die Wichtigkeit einer frühzeitigen und direkten Überweisung zu unterstreichen (1 – 3).

Verzögerungen durch fragmentierte Überweisungsmuster
Effizienz und Qualität waren zentrale Schwerpunkte der Analysetätigkeit des SSN: Die Analyse der diagnostischen Intervalle zeigte, dass Überweisungen an nicht auf Tumoren spezialisierte Fachrichtungen mit zeitlichen Verzögerungen und eingeschränkter diagnostischer Präzision verbunden sein können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer frühzeitigen Zuweisung an spezialisierte Tumorzentren, um Fehldiagnosen und Verzögerungen zu vermeiden. Die am LUKS angesiedelte IPU setzt dabei durch den Einsatz modernster Technologien wie prädiktiver Algorithmen und digitaler Zwillinge neue Massstäbe in der Diagnostik und trägt nachhaltig zur Optimierung der Patientenversorgung bei (2, 4, 5).

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Die Grafik verdeutlicht den Unterschied zwischen einem direkten Behandlungsweg (Complete Care Pathway, CCP) und einem fragmentierten Behandlungsweg (Fragmented Care Pathway, FCP). Während der CCP eine direkte Überweisung an spezialisierte Sarkomzentren beinhaltet, verzögert der FCP Diagnose und Therapie durch zusätzliche Zwischenstationen.

Die Konsequenzen ungeplanter Eingriffe
Ungeplante Resektionen haben unmittelbare Auswirkungen auf die chirurgische Qualität und vermindern die langfristigen Behandlungsergebnisse bzw. die Prognose. Die im Jahr 2023 durchgeführten Analysen des SSN haben gezeigt, dass ungeplante Eingriffe die Rate an Lokalrezidiven signifikant erhöhen und die Notwendigkeit von Nachoperationen steigern. Diese Nachoperationen sind technisch anspruchsvoll, oft mit einem höheren Komplikationsrisiko verbunden und haben einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten/-innen. Die Sarcoma Integrated Practice Unit (IPU) des LUKS ist dank diagnostischer und therapeutischer Fallbesprechung und der patientenzentrierten Koordination der individuellen Therapie in der Lage, diese negativen Folgen weitgehend zu vermeiden und so die Lokalkontrolle und die Langzeitüberlebensraten zu verbessern (1 – 3).

 

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Diese Abbildung zeigt das Sarkomzentrum, das aus zwei Hauptkomponenten besteht: dem diagnostischen und dem therapeutischen Koordinationszentrum. Im diagnostischen Koordinationszentrum prüfen Radiologen/-innen, Pathologen/- innen und Sarkomchirurgen/- innen eingehende Überweisungen und entscheiden über die Notwendigkeit sowie die Abfolge weiterer Untersuchungen, etwa von Biopsien. Das therapeutische Koordinationszentrum übernimmt anschliessend die individuelle Behandlungsplanung: Chirurgen/- inne

Lösungen und das Hub-and-Spoke-Modell
Das LUKS mit seiner Sarkom-IPU hat sich als Vorreiter in der Sarkomversorgung etabliert und fungiert als zentrale Drehscheibe innerhalb des SSN. Es zeichnet sich durch modernste Infrastruktur, interdisziplinäre Teams und die nahtlose Integration digitaler Plattformen aus. Zu den innovativen Ansätzen gehört der Einsatz von Echtzeit-Datenanalysen und digitalen Zwillingen, die eine präzise Diagnostik und Therapieplanung unterstützen. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen zuweisenden Ärzten/-innen und der IPU können Patienten/-innen schneller und effizienter versorgt werden. Allein im Jahr 2024 wurden am SSN über 700 Patientenfälle evaluiert. Die Implementierung dieses Modells wurde wissenschaftlich begleitet und diente als Blaupause für den Aufbau weiterer nationaler und internationaler Netzwerke (6, 7).

Schlussfolgerung
Die Arbeit des SSN im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie entscheidend ein ab initio integrierter und koordinierter Ansatz in der Sarkomversorgung ist. Die Sarcoma Integrated Practice Unit des LUKS ist nicht nur ein Modell für Exzellenz in der Versorgung, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Innovation und Zusammenarbeit zu besseren Behandlungsergebnissen führen können. Für Hausärzte/-innen bedeutet dies, dass sie ihre zentrale Rolle in der Überweisung und frühzeitigen Erkennung von Sarkomen nutzen sollten, um von den Ressourcen des SSN und der IPU zu profitieren. Dieser koordinierte Ansatz verbessert die Behandlungsergebnisse und langfristig die Lebensqualität der Patienten/-innen.

Das Wichtigste für die Praxis

  • Frühe Zuweisung ist entscheidend: Bei Verdacht auf ein Sarkom sollte die Überweisung
    frühzeitig an ein zertifiziertes Zentrum erfolgen – nur so kann das interdisziplinäre Team den optimalen diagnostisch-therapeutischen Weg festlegen.
  • Teamarbeit von Beginn an: Radiologie, Pathologie, Chirurgie, Onkologie, Radio-Onkologie und Rehabilitation arbeiten im Tumorboard eng zusammen, um Diagnostik und Therapie individuell abzustimmen.
  • Primäre Biopsie am Zentrum: Die Durchführung der Biopsie in einem erfahrenen Sarkomzentrum verhindert Komplikationen und verbessert die Planung von Operation, Strahlen- und Systemtherapie.
  • Ganzheitliche Behandlung: Durch koordinierte, fachübergreifende Entscheidungswege
    sinken Reoperationsraten und Komplikationen, während funktionelle und onkologische Ergebnisse verbessert werden.
  • Ziel: «Von Anfang an richtig» handeln: Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Kommunikation zwischen Zuweisenden und Zentrum sind der Schlüssel zu einer sicheren, effizienten und patientenzentrierten Sarkomversorgung.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Bruno Fuchs
Luzerner Kantonsspital
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Kantonsspital 37, 6004 Luzern
Sekretariat Frau Jehona Vishaj
041 205 60 48
sarkomsprechstunde@luks.ch 

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