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Trauma-Plus-Tag für die operative Behandlung selektionierter Frakturen der oberen Extremität verbessert die klinischen Ergebnisse und die Kosteneffizienz

Durch eine zielführende Planung können die Qualität und die Effizienz nicht dringender traumatologischer Eingriffe verbessert werden. Bisher wurden solche Eingriffe häufig zwischen anderen dringlicheren Operationen eingeplant. Um diese Operationen sorgfältiger, effizienter und sicherer durchführen zu können, wurden am Luzerner Kantonsspital (LUKS) die Trauma-Plus-Tage für selektionierte Frakturen der oberen Extremität eingeführt.
Schlüsselwörter: Trauma-Plus-Tag; Frakturen der oberen Extremität; Operationszeit; Kosteneffizienz

Standardisierung in der unfallchirurgischen Versorgung
In der Unfallchirurgie kommen neben lebens- und gliedmassenbedrohenden Verletzungen oder dringend zu behandelnden Frakturen auch Frakturverletzungen vor, die ohne Nachteile erst nach einigen Tagen operativ versorgt werden können. Diese werden in der internationalen Literatur als semi-elective surgical fractures bezeichnet (1). Ein Beispiel hierfür sind distale Radiusfrakturen, von denen an den LUKS-Standorten jährlich mehr als 400 mittels Osteosynthese operativ behandelt werden. Bisher wurden diese Frakturen gemeinsam mit allen anderen semiurgenten Eingriffen auf einer Wartelliste erfasst und anschliessend je nach Kapazität zwischen anderen dringlicheren traumatologischen oder elektiven Operationen eingeplant.

Diese Fluktuation zwischen OP-Kapazität und Patientinnen und Patienten, welche auf eine operative Versorgung warten, ist untrennbar mit der Unfallchirurgie verbunden. Dies erschwert jedoch die Standardisierung sowohl in der Planung als auch im peri- und intraoperativen Ablauf.

In der elektiven orthopädischen Chirurgie hingegen ermöglichen standardisierte Serienoperationen eine hohe Effizienz und bessere klinische Ergebnisse (2).
In Analogie zu der elektiven Chirurgie entstand die Idee, ein solches Konzept auch für planbare Eingriffe in der Unfallchirurgie (semi-elective surgical fractures) einzuführen – konkret initial für Frakturen der oberen Extremität. Im traumatologischen Bereich sind die Eingriffe aufgrund der Vielfalt der Frakturtypen und diverser Komplikationen sehr heterogen. Mit der Expertise des unfallchirurgischen Teams am LUKS wurden jedoch planbare Frakturen der oberen Extremität identifiziert, bei denen sowohl die präoperative Planung als auch die intraoperativen Schritte systematisiert werden können. Einerseits bietet die Systematisierung dieser sehr häufig vorkommenden Frakturen erhebliche Effizienzvorteile; andererseits ermöglicht die Vielfalt dieser Frakturtypen eine fortlaufende Optimierung der standardisierten Versorgung zur Verbesserung der klinischen Ergebnisse.

Das Konzept eines spezifischen Operationssaals zur Planung nicht dringender unfallchirurgischer Eingriffe hat bereits Vorteile hinsichtlich der Effizienz gezeigt (3, 4). Die konsequente Planung von ähnlichen Fällen wie distalen Radiusfrakturen in Serie ist jedoch international ein neues Konzept in der Unfallchirurgie (5). Die Orthopädie und Unfallchirurgie des LUKS zählt zu den internationalen Pionieren, nachdem im September 2024 die Trauma-Plus-Tage ins Leben gerufen wurden.

Einführung des Trauma-Plus-Tages
Aufgrund der hohen standortübergreifenden Fallzahlen wird seit September 2024 am Standort Sursee einmal wöchentlich ein OP-Saal für unkomplizierte Frakturen der oberen Extremität aus den Campi Luzern, Sursee und Wolhusen reserviert. Als Schlüsseloperation für eine longitudinale Vergleichsstudie wurden distale Radiusfrakturen gewählt. Verglichen wurden eine Präimplementationskohorte (Januar bis August 2024) und eine Postimplementationskohorte (September 2024 bis März 2025). Einschlusskriterien waren Alter >18 Jahre, ASA I–III und geschlossene distale Radiusfrakturen ohne neurovaskuläre Defizite. Untersucht wurden Operationszeit, Kosten, Komplikationen, Reinterventionen, Aufenthaltsdauer und Wartezeit bis zur Operation.

Ergebnisse
Im Präimplementationszeitraum wurden distale Radiusfrakturen auf heterogenen Operationslisten geplant, jeweils zwischen grösseren oder dringenderen Eingriffen. Im Postimplementationszeitraum hingegen wurde einmal pro Woche eine dedizierte Operationsliste organisiert. Wöchentlich stand ein Chirurg aus einer dreiköpfigen Gruppe mit besonderer Expertise in der Chirurgie der oberen Extremität zur Verfügung, um die Eingriffe durchzuführen. Das Team der Anästhesie und der Operationstechnischen Assistenz (OTA) blieb während des Trauma-Plus-Tages unverändert. Die Eingriffe wurden seitenweise gruppiert, sodass zunächst eine Serie linksseitiger und anschliessend eine Serie rechtsseitiger Frakturen operiert werden konnte. Lagerung, Abdeckung und die chirurgische Technik wurden nach den beschriebenen Schritten von Van Veelen und Babst et al. standardisiert (6). In der Präimplementationskohorte wurden 104 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, mit einem mittleren postoperativen Follow-up von 6,5 Monaten; in der Postimplementationskohorte waren es 138 Patientinnen und Patienten mit ebenfalls 6,9 Monaten Follow-up. Die Charakteristika beider Kohorten sind in Tabelle 2 dargestellt. Es bestanden keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Komorbiditäten gemäss ASA-Klassifikation oder Frakturmorphologie. Die Operationszeiten in der Trauma-Plus-Kohorte waren im Mittel 44 Minuten (52 %) kürzer pro Eingriff im Vergleich zur Vergleichskohorte (P <0,01). In der Trauma-Plus-Kohorte konnten pro achtstündigem Operationstag durchschnittlich 7,9 Osteosynthesen des distalen Radius durchgeführt werden. Die Gesamtkosten einer Osteosynthese reduzierten sich um 33 % (P <0,01), wobei der grösste Kostenvorteil im Bereich der Operationssaalkosten lag. Die Wartezeit bis zur Operation war im Mittel 2,7 Tage länger. Die Reinterventionsrate innerhalb der ersten 90 Tage war in der Trauma-Plus-Kohorte niedriger (1,9 %), als in der Vergleichsgruppe (4,3 %).

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Tabelle 1: Arbeitsablauf während der Vor- und Nachimplementierungsphasen. ORIF, offene Reposition und interne Fixation. 1 Arthrex® Titanium Volar Distal Radius Plating System (Arthrex GmbH, München, Deutschland) 2 VA LCPTM Two-Column Volar Distal Radius Plate (DePuy Orthopaedics Inc., Warsaw, USA) 3 SALGINA 2,5 mm Volar Distal Radius System (BoneBridge, Zug, Schweiz) 4 WINSTA-R Distal Radius System (Marquardt Medizintechnik GmbH, Spaichingen, Deutschland) 5 Distal Radius System (Medartis AG, Bas
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Tabelle 2: Ausgangsmerkmale der Trauma-Plus-Kohorte und der Vergleichskohorte. Alle Prozentsätze geben Anteile der genannten Gruppenpopulation wieder. SD: Standardabweichung. ASA: American Society of Anesthesiologists Physical Status Classification System [Saklad, Doyle]. PSU: Processus styloideus ulnae.
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Tabelle 3: Operationszeit und Operationssaalzeit in der Vergleichskohorte und der Trauma-Plus-Kohorte. Die Werte sind Mittelwerte (Interquartilsabstand; Spannweite). ND: Vergleichskohorte. D: Trauma-Plus-Kohorte. SE: Standard error. Sp: Spannweite.

Bei der Patientenumfrage gaben 96 % der Patientinnen und Patienten an, die Abläufe bei der Operation im Rahmen der Trauma-Plus-Tage als reibungslos erlebt zu haben. 83 % der beteiligten operationstechnischen Assistentinnen und Assistenten sowie 100 % des Anästhesieteams gaben in der Umfrage an, dass die Trauma-Plus-Tage die Struktur und Qualität der Eingriffe sowie den perioperativen Ablauf verbessert haben.

Konklusion
Die Einführung eines Trauma-Plus-Tages für die operative Behandlung distaler Radiusfrakturen hat durch die Systematisierung zu einer deutlich kürzeren Operationszeit und zu geringeren Kosten geführt. Obwohl die Wartezeit bis zur Operation im Durchschnitt um zwei Tage länger war, resultierte dies nicht in einer höheren Komplikationsrate – wie bereits zuvor in retrospektiven Studien gezeigt wurde (7, 8). Zudem ermöglichen die Trauma-Plus-Tage eine zuverlässigere Planung dieser Frakturen im semi-elektiven Setting. Dadurch können Nachteile wie Notfall-Wartelisten und provisorische Nüchternhaltung der Patientinnen und Patienten vermieden werden. Aufgrund der positiven Ergebnisse dieser longitudinalen Vergleichsstudie wurden ab Dezember 2025 zwei Trauma-Plus-Tage pro Woche mit dedizierten Operationslisten eingeführt, in der Regel nicht in Luzern, sondern jeweils an einem der kleineren Standorte der LUKS Gruppe.

Das Wichtigste für die Praxis

  • Viele Frakturverletzungen der oberen Extremität kommen für eine planbare Versorgung infrage.
  • Diese semi-elektive Planung wurde durch die Einführung der Trauma-Plus-Tage optimiert.
  • An diesen Tagen wurden ähnliche unfallchirurgische Fälle gebündelt, was zu einer Optimierung des Workflows führte – mit kürzeren OP-Zeiten, geringeren Kosten und einem positiven Effekt auf die Versorgungsqualität und Patientensicherheit.
  • Seit Dezember 2025 werden nicht komplizierte distale Radiusfrakturen der Standorte Luzern, Sursee und Wolhusen während zwei wöchentlichen Trauma-Plus-Tagen gemeinsam am Standort Sursee operiert.
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Tabelle 4: Behandlungskosten. ND: Vergleichskohorte. D: Trauma-Plus-Kohorte. SE: Standard error. Sp: Spannweite.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Frank Beeres
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Luzerner Kantonsspital
Kantonsspital 37, 6004 Luzern
E-Mail: frank.beeres@luks.ch

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