Ultra-hypofraktionierte Ganzbrustbestrahlung (26 Gy in 5 Fraktionen) mit moderat-hypofraktioniertem sequenziellem Boost: Frühe/intermediäre Ergebnisse
Schlüsselwörter: Ultra-hypofraktionierte Ganzbrustbestrahlung; Sequenzieller Boost; Akute Toxizität; Spättoxizität; Kosmetik/PROMs
Hintergrund und Ziel
Nach Publikation der FAST‑Forward-Studienresultate 2020 wurde das ultra-hypofraktionierte Bestrahlungsschema mit 26 Gy in 5 Fraktionen in UK immediat zum nationalen Standard, der den vorherigen Standard mit 40 Gy/15 Sitzungen für die Ganzbrustbestrahlung ablöste. International bleibt die Adoption dieses Regimes zurückhaltend – auch aus finanziellen Gründen. Exzellente 10‑Jahres-Daten liegen vor (ESTRO 2025: Wiederauftreten des Tumors in der behandelten Brust 2,0 % nach 26 Gy/5 vs. 3,6 % nach 40 Gy/15) bei sehr guter, vergleichbarer Spättoleranz. An der Radio-Onkologie am Forschungsspital Luzern wurde das 5‑Fraktionen‑Schema für die Ganzbrustbestrahlung im März 2020 eingeführt. Seither werden prospektiv Behandlungsverträglichkeit (akut/spät), von Patientinnen berichtete Einschätzungen (PROMs), Kosmetik und onkologische Ereignisse nach Bestrahlung der Ganzbrust mit 26 Gy in 5 Sitzungen mit oder ohne moderathypofraktioniertem sequenziellem Boost (10–12,5 Gy in 4–5 Sitzungen) erfasst.
Patientinnen und Kriterien
Behandelt wurden 436 konsekutive Patientinnen ohne eine Indikation zur Lymphabflussbestrahlung (376 invasive Karzinome pT1–pT3; 60 DCIS; mittleres Alter 62 Jahre). Gefordert war ein R0-1-Resektionsstatus nach brusterhaltender Operation; die Indikation einer systemischen Therapie erfolgte gemäss üblichem Standard (in 26,9 %). Boost‑Indikationen umfassten u. a. Alter ≤ 35 J., G3, high‑grade DCIS, ER‑negativ, HER2‑positiv, LVI sowie knappe Resektionsränder (< 2 mm bei DCIS) bzw. nomogrammbasierte Risikokonstellationen.
Planung und Technik
Die Zielvolumina wurden gemäss ESTRO-Konsens delineiert. Linksseitig wurde bei allen Patientinnen, die kooperieren konnten, die sogenannte Deep‑Inspiration‑Breath‑Hold-Technik verwendet (≈ 80 % der linksseitigen Fälle), was eine optimale Schonung der kardialen Strukturen ermöglicht. Dosisvorgaben und Risiko-Organ-Dosisbegrenzungen wurden entsprechend der FAST‑Forward-Studie angewandt.
Behandlungsregime und Therapiedauer
Die Ganzbrustbestrahlung erfolgte mit 26 Gy/5 Sitzungen in 1 Woche (werktäglich), Boost-Applikationen erfolgten bei 77,5 % der Patientinnen, mit 10,0 Gy/4 Sitzungen (96 %) oder mit 12,5 Gy/5 Sitzungen (4 %) über jeweils ebenfalls 1 Woche – im Unterschied zum Vorgehen in der Studie mit normofraktioniertem Boost (10,0 Gy in 5 bis 16,0 Gy in 8 Sitzungen). Die mediane Gesamtdauer der Strahlentherapie betrug somit in unserer Kohorte 12 Kalendertage mit Boost bzw. 7 Tage ohne Boost (falls nicht montags Start).
Ergebnisse
Akutreaktionen
Bei Therapieende zeigten 29,8 % der Patientinnen eine Grad-0-Reaktion (= keine fassbare Akutreaktion), 59,9 % eine Grad-1- und 10,3 % eine Grad-2-Reaktion; 2–3 Wochen nach Radiatio fanden sich bei 52,1 % /40,8 % /7,2 % Grad 0/1/2 passagere Nebeneffekte, welche innert meist kurzer Zeit wieder abklingen. Die kumulative Grad-2‑Rate lag bei 13,8 %, ohne Unterschied zwischen der Boost‑ und der Kein‑Boost‑Gruppe. Grad-3-Reaktionen traten keine auf.
Spätreaktionen
Bei 395 Patientinnen mit ≥ 6 Monaten Verlaufsbeobachtung traten Grad-2‑Spätfolgen in 5,3 % (6 Monate), 2,0 % (1 Jahr), 1,8 % (2 Jahre), 1,1 % (3 Jahre) und 0 % (4 Jahre) auf; die entsprechenden Grad-3‑Ereignisse lagen bei 1,5 %, 2,3 %, 0,9 %, 0 %, 0 %. Insgesamt waren Grad-2+‑Ereignisse selten und rückläufig über die Zeit; auch hier zeigte sich kein signifikanter Einfluss durch eine zusätzliche Boost-Applikation.
PROMs und Kosmetik
Bei jeder Nachuntersuchung wurden von den Patientinnen ihre subjektiven Bewertungen eingeholt. 97,6–100 % der Frauen bewerteten die Kosmetik als «gut» oder «sehr gut»; insgesamt 97,7 % der Frauen stuften das gesamte Ergebnis als gut/exzellent ein – was die Beurteilung auch des chirurgischen Resultats mitbeinhaltet. Mässige Schmerzen wurden in 4,4 % der Erhebungen berichtet; jüngeres Alter war mit höherer Schmerzrate und -intensität assoziiert.
Onkologische Ereignisse
Nach im Mittel 18 Monaten (median 14; 0–48) traten 1 lokales Ereignis (nach 34 Monaten), 2 nodale Rezidive (nach 7 und 35 Monaten) und 9 Fernrezidive (nach Ø 20 Monaten) auf; 3 Todesfälle waren nicht tumorkausal.
Bedeutung für die Praxis
Das 1‑Wochen‑Schema für die Ganzbrustbestrahlung (26 Gy/5) zeigte sich – der FASTForward-Studie entsprechend – auch in der eigenen Kohorte als sehr gut verträglich, ebenso nach Applikation einer sequenziellen, moderat hypofraktionierten Boost-Aufsättigung im Tumorbett. Die Früh- und Intermediär-Toleranz ist sehr hoch, die Kosmetik wurde vom Gros der Frauen als ausgezeichnet taxiert.
Der Einfluss des 1- bis 2-Wochen-Behandlungsschemas auf die betrieblichen Ressourcen ist substanziell, ebenso der volkswirtschaftliche Effekt (u. a. kürzere Arbeitsausfälle von Patientinnen im Arbeitsprozess). Seitens der Patientinnen ist das Schema sehr geschätzt aufgrund der kurzen Behandlungszeit und der guten Verträglichkeit.
Limitationen
Noch relativ kurze Nachbeobachtung.
Fazit
Die ultra-hypofraktionierte Ganzbrustbestrahlung mit 26 Gy/5 Sitzungen +/– moderat hypofraktioniertem sequenziellem Boost (10–12,5 Gy) ist hochgradig effektiv und sehr gut verträglich. Unsere Ergebnisse decken sich im bisherigen Verlauf mit den Ergebnissen aus der FAST‑Forward-Studie mit längerer Verlaufsbeobachtung.
Das Wichtigste für die Praxis
- Ganzbrustbestrahlung appliziert in 1 Woche (26 Gy/5) ist effizient und sehr gut verträglich – +/– sequenziellem Boost (10–12,5 Gy/4–5).
- Frühe Nebeneffekte sind selten und auf Grad-2-Reaktionen limitiert (≈ 10 –14 %).
- Spätnebeneffekte Grad ≥2 sind selten (≤ 5 %) und zeigten sich tendenziell abnehmend im weiteren Verlauf.
- Kosmetik/PROMs: von 97,7 % der Patientinnen als gut/sehr gut taxiert.
Disclosure Statement
Die Autorenschaft hat keine finanziellen oder anderen Interessenkonflikte.
Link zur Originalpublikation
Unterkirhere O, Streller T, Jeller D et al. Advances in
Radiation Oncology. 2025;10:101756. DOI: 10.1016/j.
adro.2025.101756. (Open Access)
Abb.1
Akute Hautreaktionen (CTCAE v4.03): G0–G2 vor RT, am Ende und 2–3 Wochen nach RT (A) der Gesamtkohorte, (B) analysiert nach + Boost vs. – Boost: kein signifikanter Unterschied.


Abb. 2
Patient‑reported outcomes (PROMs): (A) Schmerzfrequenz und ‑intensität, (B) Kosmetik (zeitbezogen).


Abb. 3
Spätfolgen (LENT‑SOMA/CTCAE): Verteilung der Grad-0–3-Nebeneffekte nach 6, 12, 24, 36 und 48 Monaten.

Korrespondenzadresse
Dr. med. Olga Unterkirhere
Radio-Onkologie
Luzerner Kantonsspital
Kantonsspital 37, 6004 Luzern
olga.unterkirhere@luks.ch