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Ganzheitliche Begleitung: Zwischen Intensivstation und Sinnfragen

Am Sonntag, 1. März 2026, findet der 87. Tag der Kranken statt. Er soll die Gesellschaft in diesem Jahr zum Thema «selbstbestimmt und eingebunden» sensibilisieren. Ein Anliegen, das im Spital oft mit medizinischen Entscheidungen verbunden wird – tatsächlich aber weit darüber hinaus geht. Selbstbestimmung betrifft auch die Frage, wie Menschen in belastenden Situationen begleitet werden möchten.
1. März 2026
Lesezeit: 4 Minuten
dsc
Dr. Susann Schüepp Brunner leitet das Seelsorge- und Care-Team des LUKS an den drei Standorten Luzern, Sursee und Wolhusen.

Es ist früher Abend in einem Patientenzimmer des Zentrums für Intensivmedizin (ZIM) im Luzerner Kantonsspital (LUKS). Maschinen surren, Monitore zeichnen Zahlen und Kurven in den halbdunklen Raum. Das Behandlungsteam umsorgt die Patientin vollumfänglich. Dazu gehören nicht nur medizinische und pflegerische Massnahmen, sondern auch die Begleitung durch eine Seelsorgerin. Sie hat kein Formular, kein Gerät bei sich. Sie ist da für ein Gespräch, für das gemeinsame Schweigen, für ein kleines Ritual – für das, was der Patientin und ihren Angehörigen in diesem Moment guttut. 

«In solchen Momenten geht es nicht primär um Antworten, sondern ums Dasein, ums Aushalten von Schmerz, Angst und Ohnmacht, um Halt», sagt Dr. Susann Schüepp Brunner. Sie leitet das Seelsorge- und Care-Team des LUKS an den drei Standorten Luzern, Sursee und Wolhusen. Zehn weitere Kolleginnen und Kollegen gehören zum Team und sind beim LUKS angestellt. Sie begleiten Patientinnen und Patienten, An- und Zugehörige sowie Mitarbeitende – unabhängig von religiöser oder weltanschaulicher Zugehörigkeit. 

Eine lange Tradition

Dass Seelsorge im Luzerner Kantonsspital ihren festen Platz hat, ist nicht neu. Als es im Jahr 1902 eröffnet wurde, arbeiteten dort 35 Spitalschwestern, vier Ärzte und ein Seelsorger. Spirituelle Begleitung war damals, wie in vielen anderen Spitälern auch, bereits ein integrierter Teil der ganzheitlichen Versorgung. Daran hat sich bis heute nichts geändert, obwohl sich die Medizin spezialisiert hat und die Gesellschaft pluraler geworden ist. Die zunehmende gesellschaftliche Vielfalt prägt auch die Arbeit des Seelsorge- und Care-Teams, das darauf mit einem überkonfessionell ausgerichteten und interprofessionell eingebetteten Angebot reagiert. 

Dabei ist das Motto «selbstbestimmt und eingebunden» zum diesjährigen Tag der Kranken zentral: Die Patientinnen und Patienten sollen selbst bestimmen, ob und in welchem Rahmen sie die Begleitung der Seelsorge und Care wünschen. Die Form der Begleitung richtet sich nach dem Wunsch der Betroffenen – sie kann etwa durch eine Krankensegnung, ein Gespräch oder durch gemeinsames Schweigen und Aushalten erfolgen. All dies gibt den Betroffenen das Gefühl, in dieser herausfordernden Situation nicht allein zu sein – egal zu welcher Uhrzeit. Darum ist das Seelsorge- und Care-Team sieben Tage die Woche rund um die Uhr erreichbar.

Überkonfessionell und interprofessionell verankert

Das Team setzt sich bewusst aus Fachpersonen mit unterschiedlichen konfessionellen Hintergründen zusammen. Neben christlichen Seelsorgenden besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem muslimischen Besuchsdienst. Auf Wunsch werden auch Seelsorgende anderer Glaubensgemeinschaften beigezogen. Perspektivisch wird das Team weiterentwickelt, um nichtchristliche und nichtreligiöse Formen von Spiritual Care stärker abzudecken. Ziel ist es, Menschen im Horizont ihrer jeweiligen spirituell-religiösen oder weltanschaulichen Verortung professionell begleiten zu können. 

Gleichzeitig ist die Seelsorge heute fest in die interprofessionelle Zusammenarbeit eingebunden: «Wir sind Teil des Behandlungsteams», sagt Schüepp Brunner. «Wir bringen eine Perspektive ein, die sich nicht primär an Diagnosen orientiert, sondern an existenziellen Fragen.» Neben solchen Fragen geht es auch immer darum, die Selbstwirksamkeit der Patientinnen und Patienten zu stärken und gleichzeitig ihr Umfeld als «tragendes Netz» im Blick zu haben. Dabei stehen die Angehörigen besonders im Fokus. Wichtiger Halt kann aber auch die Einbindung in eine Kirche, in eine Glaubensgemeinschaft oder einen Verein sein.

Auch für Mitarbeitende da

Spitäler sind Orte verdichteten Lebens – und Sterbens. Das belastet nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch die Mitarbeitenden. Nach besonders belastenden Ereignissen suchen auch Ärztinnen und Ärzte, Pflegende oder andere Mitarbeitende das Gespräch. «Sorge tragen zu können und selbst Sorge zu erfahren, gehört zusammen», sagt Schüepp Brunner.

Ein Blick nach vorn

Gesellschaftliche Entwicklungen zeigen: Psychische Belastungen nehmen zu. Zugleich werden spirituelle Sichtweisen individueller und religiöse Beheimatungen vielfältiger. «Während traditionelle Rituale noch immer und erst recht in existenziellen Momenten als tragend erfahren werden, gibt es auch immer mehr Menschen, die keinen Bezug mehr dazu haben», beobachtet Schüepp Brunner. «Gerade dann ist es wichtig, in anderer Form da zu sein und Räume für Entlastung und Orientierung zu schaffen.»

Passend zum Motto des Tages der Kranken heisst es im Leitbild des Seelsorge- und Care-Teams: «Weil der ganze Mensch zählt.» In einem hochkomplexen, medizinisch spezialisierten Umfeld wirkt dieser Satz leise. Zugleich beschreibt er aber auch eine Haltung, die Teil der Spitalgeschichte ist und sich stetig weiterentwickelt.

Angebote zum Tag der Kranken am LUKS

Am Tag der Kranken bietet das Luzerner Kantonsspital ergänzende Angebote an: Das Spitalradio LuZ sendet am Sonntag, 1. März 2026, von 9 bis 19 Uhr ein Live-Programm mit Musikwünschen, kleinen Aktionen und Informationen zum Anlass. Die Spitalseelsorge lädt zudem zu Gottesdiensten mit besonderer musikalischer Umrahmung an den drei Standorten ein: um 9.45 Uhr im Raum der Stille in Luzern (Haus 31), um 9.00 Uhr in der Spitalkapelle Sursee (mit Videoübertragung) sowie um 10.30 Uhr in der Spitalkapelle Wolhusen (ebenfalls mit Videoübertragung). Die Angebote stehen allen Interessierten offen.

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