Gibt es Alternativen zur Teilentfernung des Meniskus?

Bei einem Sportunfall habe ich (m, 48) einen Meniskusriss erlitten. Der Hausarzt hat mir zur Teilentfernung des Meniskus geraten, da ich nach dem ambulanten Eingriff bald wieder fit und schmerzfrei sei. Bei einem jüngeren Arbeitskollegen wurde der Meniskus allerdings repariert. Wäre das auch bei mir möglich und sinnvoll?

2. November 2020

Lesezeit: 2 Minuten
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Dr. med. Pascal Müller Greber, Oberarzt Orthopädie/Traumatologie, Luzerner Kantonsspital Wolhusen

Schäden am Meniskus sind das am häufigsten diagnostizierte und behandelte Krankheitsbild am Kniegelenk. Der Meniskus und seine Schutzfunktion wurden erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts erkannt. Zuvor wurden Meniskusverletzungen daher grosszügig operativ mittels teilweiser oder totaler Meniskusentfernung behandelt. Dies führte zwar zur raschen Schmerzlinderung, jedoch wurde hierdurch das Risiko einer Arthroseentwicklung stark beschleunigt. Daher sollte jeder Meniskusschaden genau abgeklärt und individuell nach definierten Kriterien eingeteilt werden. Mit dem MRI können der exakte Rissverlauf wie auch die Lage und die Ausdehnung zuverlässig dargestellt werden.

Unfallbedingte Verletzungen finden sich vorwiegend bei jungen Sportlern. Am meisten kommt es dabei zu Längsrissen, welche oft in Kombination mit Verletzungen des vorderen Kreuzbandes auftreten. Durch den Riss wird der zentrale Meniskusanteil von seiner Basis abgetrennt, wobei bei langen Rissen der Meniskus im Gelenk verklemmen kann. Längsrisse haben insgesamt die beste Chance auf eine Heilung durch eine Meniskusnaht und sollten daher relativ rasch operativ versorgt werden. Besonders hier kommen die modernen Meniskusanker zum Einsatz, welche eine Meniskusnaht im Rahmen einer Gelenkspiegelung ohne grössere Narben ermöglichen.

Quer zu den Meniskusfasern verlaufende Risse führen dagegen zu einem erheblichen Funktionsverlust des Meniskus. Eine Sonderform davon ist der Meniskuswurzelausriss, welcher sich über eine Bohrung im Knochen wieder stabil verankern lässt.

Der Schrägriss ist schliesslich eine Kombination aus den bereits genannten Rissformen und führt häufig zur Ausbildung von Meniskuslappen, welche ebenfalls einklemmen können und dann mittels sparsamer Lappenentfernung therapiert werden.

Entscheidend ist primär die Form des Risses

Im Gegensatz zu diesen unfallbedingten Rissen steigt mit zunehmendem Alter das Risiko für «degenerative» Schäden des Meniskus kontinuierlich an. Es handelt sich dabei um eine Kombination von Altersverschleiss und chronischer Überlastung, etwa durch O- oder X-Beine, schwere körperliche Arbeit oder Übergewicht. Im MRI werden diese Schäden als horizontale Risse sichtbar. Hier reicht eine alleinige Therapie des Meniskus meist nicht mehr aus, da oft bereits weitere Gelenkschäden insbesondere am Knorpel vorhanden sind.

Ob Ihr unfallbedingter Meniskusschaden genäht werden kann, hängt also vorwiegend von der Rissform ab, weshalb man zuerst den Rissverlauf genau abklären muss. Anschliessend kann anhand der ärztlichen Untersuchung, der geschilderten Symptome sowie mithilfe der radiologischen Bilder inklusive Ausmessung der Beinachse die individuelle Therapieplanung erfolgen.

 

Kurzantwort

Verlust an Meniskussubstanz sollte möglichst vermieden werden, da dies letztlich eine Kniegelenksarthrose stark begünstigt. Weniger das Patientenalter, sondern viel mehr der Ort und die Richtung des Risses sind entscheidend, ob eine Meniskusnaht technisch möglich und sinnvoll ist.

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