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Herzinfarkt bei Frauen: Welche Anzeichen anders sind – und worauf Sie achten sollten?

Herzinfarkte zeigen sich bei Frauen oft weniger eindeutig als bei Männern und werden deshalb häufiger später erkannt. Prof. Dr. med. Florim Cuculi, Chefarzt Kardiologie am Luzerner Kantonsspital, erklärt, welche Symptome typisch sind, warum Frauen anders betroffen sind und wie sie vorbeugen können.
1. Mai 2026
Lesezeit: 2 Minuten
Cuculi Florim WebseiteBanner

Ich (w, 62) habe gelesen, dass Herzinfarkte bei Frauen oft anders verlaufen und darum häufiger übersehen werden? Stimmt das wirklich? Und worauf sollte ich als Frau besonders achten, um das Risiko zu vermindern, dass ein schwerwiegendes Problem zu spät erkannt wird?

Es stimmt, dass Frauen Herzkrankheiten und Herzinfarkte anders erleben als Männer. Eine koronare Herzkrankheit tritt bei Frauen später auf, da sie vor der Menopause durch Hormone geschützt sind. Nach der Menopause steigt das Herzinfarktrisiko deutlich an, gleichzeitig sind die Beschwerden oft weniger eindeutig.

Während Männer bei einem Herzinfarkt häufig den typischen starken Druck auf der Brust verspüren, erleben Frauen eher unklare Symptome wie Atemnot, Übelkeit, Rückenschmerzen oder eine ungewohnte Erschöpfung. Diese weniger eindeutigen Zeichen führen dazu, dass Frauen später ärztliche Hilfe suchen und Symptome häufiger falsch eingeordnet werden. Im schlimmsten Fall bleibt ein Herzinfarkt unerkannt.

Die Herzarterien haben bei Frauen einen kleineren Durchmesser und sind feiner und fragiler. Das hat Auswirkungen auf die Behandlung mit dem Katheter, etwa bei der Implantation von Stents oder beim Einsatz medikamentös beschichteter Ballone. Auch die kleinen Herzgefässe, die sogenannte Mikrozirkulation, sind bei Frauen häufiger betroffen. Deren Störung ist ein funktionelles Phänomen und tritt besonders nach der Menopause vermehrt auf.

Stress kann zu Symptomen wie Infarkt führen

Auch Stress spielt eine Rolle. Bekannt ist etwa das Takotsubo-Syndrom, auch als «broken-heart-syndrome» bezeichnet. Es tritt fast ausschliesslich bei postmenopausalen Frauen auf und zeigt Symptome wie beim Herzinfarkt, obwohl die Herzkranzgefässe nicht verengt sind. Das Herz nimmt dabei vorübergehend eine charakteristische Form an. Meist erholt es sich vollständig, dennoch brauchen Betroffene eine intensive Überwachung.

Auch in der Behandlung zeigen sich Unterschiede. Frauen sprechen häufiger anders auf Medikamente an, erleben mehr Nebenwirkungen und benötigen teilweise andere Dosierungen. Diese Unterschiede sind Teil des sogenannten Gender Gap in der Medizin, da sich viele Studien lange primär auf Männer stützten.

Wichtig ist, auf Warnsignale zu achten. Ungewohnte Brustenge, Druck im Oberbauch, Atemnot bei geringer Belastung, plötzliche Erschöpfung, Übelkeit oder Schmerzen in Rücken, Kiefer und Armen können Hinweise sein – besonders, wenn sie neu auftreten oder nicht zu Ihnen passen. Es gilt: Lieber einmal zu früh medizinische Hilfe holen als einmal zu spät. Beim Herzinfarkt zählt jede Minute.

Eine gute Vorsorge umfasst regelmässige Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin, ausreichend Bewegung, Nichtrauchen und einen bewussten Umgang mit Stress. Herzinfarkte gehören bei Frauen nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen – und sind oft vermeidbar, wenn Warnzeichen früh erkannt werden.

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