Kann ich mit dem Ersatz der Herzklappe zuwarten?

Bei mir (m, 73) wurde eine undichte Aortenklappe festgestellt. Ich spüre keine Symptome, die Leistungsfähigkeit ist nicht eingeschränkt, trotzdem soll in absehbarer Zeit ein Aortenklappenersatz nötig sein. Welche Risiken lauern bei Zuwarten oder Nichtbehandlung? Eine gewisse Zeit könne der Körper mit einer leichten Undichtigkeit der Aortenklappe zurechtkommen. Doch in schweren Fällen kann es laut unserem Experten gefährlich werden.

30. März 2022

Lesezeit: 2 Minuten
Toggweiler Stefan WebseiteBanner

PD Dr. med. Stefan Toggweiler, Co-Chefarzt Kardiologie am Herzzentrum des Luzerner Kantonsspitals

Damit eine Klappe optimal funktioniert, muss sie sich gut öffnen und schliessen lassen. Die häufigste Fehlentwicklung ist die Aortenstenose, welche bis zu fünf Prozent der Bevölkerung ab 75 Jahren betrifft. Meist ist dabei die Klappe verkalkt, und sie öffnet deshalb nicht mehr genügend. Eine schwere Undichtigkeit der Aortenklappe, eine Aorteninsuffizienz, ist ebenfalls häufig. Die Aortenklappe, welche sich zwischen Herz und Hauptschlagader befindet, öffnet dann normal, schliesst jedoch nicht mehr richtig, wodurch ein Teil des zuvor gepumpten Bluts zurück ins Herz fliesst. Häufigste Ursache ist eine Erweiterung der proximalen Hauptschlagader, wodurch die Klappe auseinandergezogen wird. Die Aorteninsuffizienz ist ein mechanisches Problem und kann deshalb nicht medikamentös behandelt werden.

Herz toleriert eine gewisse Undichtigkeit

Die Natur ist auf eine leichte oder mittelgradige Undichtigkeit der Aortenklappe vorbereitet: Das Herz vergrössert sich und pumpt dann mehr Blutvolumen. Deshalb gelangt trotz undichter Klappe und Rückfluss während der Herzfüllung genügend Blut in den Kreislauf. Dieser Zustand kann über viele Jahre stabil bleiben.

Bei schwerer Undichtigkeit erreicht das Herz aber irgendwann eine kritische Grösse, die Pumpkraft des Herzens lässt nach, es kommt zu Atemnot bei Belastung und einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit Einlagerung von Wasser. Dies kann im Frühstadium noch medikamentös gemildert werden, jedoch sollten Sie mit einer Operation nicht bis dann warten. Den optimalen Zeitpunkt für eine Operation bestimmt man mittels Herzultraschall (Echokardiografie). Solange das Herz nur leicht erweitert und die Pumpfunktion normal ist, besteht keine Notwendigkeit für eine Operation.

Ersatz durch biologische Prothese

Die Therapie der Wahl ist die offene herzchirurgische Operation, die meist komplikationsarm durchgeführt werden kann. In Ihrem Alter würde man die undichte Klappe durch eine biologische Klappenprothese ersetzen. Wir gehen davon aus, dass solche Klappenprothesen 15-20 Jahre lang halten, eventuell sogar länger.

Methoden, mit denen die Klappenprothese über einen Katheter über die Leiste eingesetzt werden kann, sind zur Therapie einer undichten Aortenklappe noch nicht so verbreitet wie zur Therapie einer verengten Klappe. In einigen Jahren werden hier voraussichtlich neue Produkte verfügbar sein.

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