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Kann man grauen Star ein zweites Mal operieren?

Ich (w, 69) wurde beidseitig wegen grauen Stars operiert. Ich sehe nun besser in die Weite, aber im Dunkeln und bei schlechtem Licht viel weniger als vorher. Könnte man ein zweites Mal operieren? Oder gibt es Alternativen? Eine Kollegin erzählte mir von einer Spritze ins Auge zum Bremsen der Makula-Degeneration. Eine erneute Operation ist laut unserem Spezialisten möglich, aber mit mehr Aufwand und Risiken verbunden.
26. Oktober 2022
Lesezeit: 2 Minuten
Thiel Michael WebseiteBanner
Prof. Dr. Dr. Michael Thieal, Chefarzt Augenklinik am LUKS und Facharzt für Augenheilkunde

Bei der Operation des grauen Stars wird die während des Lebens langsam eingetrübte natürliche Linse durch eine aus Kunststoff ersetzt. Den grauen Star hat man pro Auge nur einmal. Trotzdem gibt es Gründe, dass eine zweite Operation sinnvoll oder sogar notwendig sein kann.

Die Erwartungen an die Graue-Star-Operation haben sich stark verändert, zudem ist heute mehr möglich. Statt nur wieder besser zu sehen, ist das Ziel häufig, wieder so gut wie vor 20 oder 40 Jahren oder gar noch besser zu sehen. Viele Aktivitäten sollen ohne zusätzliche Brille möglich sein. Das stellt enorme Anforderungen an die Linsenoptik, die Berechnung der Linsenstärke, die Wahl des Linsentyps und die präzise Positionierung der neuen Kunstlinse.

Brille oder zusätzliche Linse prüfen

Es ist deshalb sehr wichtig, in einem Vorgespräch die individuellen Bedürfnisse und Wünsche ans spätere Sehen sowie die richtige Operationstechnik zu klären. Dieses Gespräch – oft länger als die OP – ist für den Langfristerfolg und die Zufriedenheit entscheidend. Dabei wird zudem das Auge dreidimensional vermessen und die Linsenstärke berechnet.

Bei trockenen oder aus anderen Gründen voroperierten Augen, oder wenn bis kurz vor der Messung Kontaktlinsen getragen wurden, sind diese Messungen und die Linsenberechnung ungenau. Dies kann dazu führen, dass nach der Operation eine unerwünschte Fehlsichtigkeit zurückbleibt. Brachte die erste Operation wie in Ihrem Fall nicht den nötigen Erfolg, muss geklärt werden, ob mit einer Brille oder einer zweiten Operation (mit Wechsel oder Einbau einer zusätzlichen Linse) das ursprüngliche Ziel besser zu erreichen ist.

Trotz perfekten Ergebnisses unzufrieden

Selbst bei einem perfekten Operationsergebnis ist ein Patient nachträglich mit der getroffenen Linsenwahl im Alltag nicht immer glücklich. Dann gilt es, zu klären, ob in einer zweiten Operation die Kunstlinse gegen einen anderen Linsentyp ausgetauscht werden soll. Eine solche zweite Operation ist allerdings mit grossem Aufwand und höheren Risiken verbunden, weshalb die anfängliche Entscheidung zur Linsenwahl überlegt erfolgen sollte.

Die Nebenfrage zur Makula-Erkrankung betrifft nur Patienten mit einer vorbestehenden Makula-Degeneration. Darauf hat die Graue-Star-Operation keinen direkten Einfluss. Wird eine feuchte Makula-Degeneration mit Spritzen behandelt, sollte der graue Star innert eines bis drei Wochen nach der letzten Injektion erfolgen, damit das gespritzte Medikament erst seine volle Wirkung entfalten kann. Bei Makula-Degenerationen, die neu in ein feuchtes Stadium übertreten, empfehlen einige Experten, mit der Operation des grauen Stars möglichst bis zu sechs Monate nach Beginn der Injektionsbehandlung zuzuwarten. Die Datenlage dazu ist aber etwas unsicher.
 

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