Direkt zum InhaltDirekt zum Fussbereich

Kann man mit der Blutgruppendiät wirklich abnehmen?

Ich (w, 51) habe schon öfter von der Blutgruppendiät gehört. Je nach Blutgruppe soll man auf bestimmte Lebensmittel verzichten oder andere verstärkt zu sich nehmen. Angeblich kann man damit sogar abnehmen. Was ist von dieser Ernährungsform zu halten? Funktioniert das wirklich? Nein, sagt unser Spezialist. Dafür gebe es keine wissenschaftlich fundierten Hinweise.
23. Dezember 2023
Lesezeit: 2 Minuten
fischli stefan webseiteportraitbreit

Die sogenannte Blutgruppendiät basiert auf einer Theorie des amerikanischen Heilpraktikers Peter J. D’Adamo, die er Mitte der Neunzigerjahre in seinem Buch «Eat Right 4 Your Type» veröffentlicht hat. Das Buch wurde zum Kassenschlager und millionenfach verkauft. Das grundlegende Konzept der Blutgruppendiät besteht in der Annahme, dass der Körper je nach Blutgruppe unterschiedlich auf eingenommene Nahrung reagiert. D’Adamo propagiert in seinen Ausführungen sogar, dass «falsche» Nahrungsmittel, die nicht zur Blutgruppe passen, gesundheitliche Schäden im Körper anrichten können. 

Die Einnahme ungeeigneter Nahrungsbestandteile soll beispielsweise zur Verklumpung der roten Blutkörperchen und damit zu schweren Organschäden führen. Stichhaltige wissenschaftliche Beweise für diese Hypothesen gibt es bislang nicht. Ausserdem können mit der Schilderung von drastischen gesundheitlichen Folgen, die auf vermeintlich falscher Ernährung basieren, Ängste und Schreckensszenarien ausgelöst werden, was mehr als problematisch ist.

«Jägertyp» mit ältester Blutgruppe?

Beim Menschen werden vier Blutgruppen unterschieden (0, A, B und AB), die durch unterschiedliche Oberflächenmerkmale auf den roten Blutkörperchen charakterisiert werden, wobei die Blutgruppe A mit 38 Prozent die häufigste ist. D’Adamos Theorie stützt sich auf ein – ebenfalls nicht bewiesenes – entwicklungsgeschichtliches Modell, wonach die Blutgruppe 0 die älteste Gruppe darstellt und Menschen mit dieser Blutgruppe dem sogenannten «Jägertyp» zugeordnet werden. 

Sie sollen dementsprechend viel Eiweiss in Form von Fleisch, Geflügel und Fisch konsumieren, aber strikt auf Weizenprodukte, Hülsenfrüchte und Milchprodukte verzichten, weil diese in der Zeit der Jäger und Sammler nicht Bestandteil des Speiseplans waren. Für die Gruppe A empfiehlt er eine vegetarische Ernährung mit viel Gemüse, Früchten und Vollkornprodukten. Genau so werden für jede Gruppe Makronährstoffe definiert, die eingenommen oder gemieden werden sollen. 

Es droht eine Unterversorgung

Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Grundlagen oder Studien, die zeigen, dass die Blutgruppendiät medizinisch sinnvoll ist, Krankheiten verhindern kann oder eine Gewichtsabnahme garantiert. Auch wenn gewisse Ernährungsempfehlungen wie die zur Gruppe A durchaus Sinn machen, ist die Blutgruppendiät teilweise sehr restriktiv und lässt wenig Raum für persönliche Essgewohnheiten. Die recht starren Empfehlungen können zu einer Unterversorgung mit Spurenelementen oder Ballaststoffen führen. Eventuell vorhandene zusätzliche Begleiterkrankungen wie ein Diabetes mellitus oder eine Fettstoffwechselstörung werden im Ernährungsplan nicht berücksichtigt. Die Blutgruppendiät ist deshalb aus schulmedizinscher Sicht keine zu empfehlende Diätform.

Zum Thema

Artikel teilen

Für LUKS-Newsletter anmelden

Wählen Sie Ihre Abonnements

War diese Seite hilfreich?