Kleinfaser-Neuropathie wird häufig zu spät diagnostiziert

Die Kleinfaser-Neuropathie löst dauernd oder attackenweise Schmerzen besonders an den Extremitäten aus – etwa kribbelnde bis brennende Füsse. Und das oft über viele Jahre. Eine neue am LUKS erstellte wissenschaftliche Analyse charakterisiert die Auslöser und Symptome der Krankheit sowie den Verlauf der Beschwerden – und zeigt, dass meist eine lange Zeit vergeht, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Umso wichtiger für eine geeignete Behandlung ist eine frühe Abklärung.

2. Februar 2022

Lesezeit: 2 Minuten
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Die Klinik für Neurologie und Neurorehabilitation am Luzerner Kantonsspital (LUKS) führt seit 2017 eine Sprechstunde zur so genannten Kleinfaser-Neuropathie (Small Fibre Neuropathie, SFN) in Kooperation mit der Pathologie durch. Die SNF macht sich durch Über- oder Unterfunktion der kleinen sensiblen und vegetativen Nervenfasern, welche für die Wahrnehmung von Schmerz, Temperatur und autonomer Funktion verantwortlich sind, bemerkbar. Betroffene leiden unter Empfindungs-Störungen sowie häufigen andauernden oder attackenweise auftretende Schmerzen besonders an den Extremitäten. Typisch sind ein brennendes Missempfinden der oberen und oder unteren Extremitäten, das auch als «Burning Hand and Foot Disease» bezeichnet wird.

Das Krankheitsbild SFN – im Vordergrund stehen schmerzhafte, meist brennende Missempfungen der Extremitäten – ist noch immer relativ unbekannt. Weltweit hat sich erst eine Studie mit der Epidemiologie befasst. In einer kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Analyse untersuchte daher das Team um Prof. Dr. med. Einar Wilder-Smith, Leiter Neurologische Ambulanz am Neurozentrum des LUKS, die Charakteristika  der SNF bei Patientinnen und Patienten der Sprechstunde.

Ursache nicht immer bestimmbar

Bei den 84 in die Studie einbezogenen Patienten waren 64.3 Prozent weiblich und hatten ein Durchschnittsalter von 54.7 Jahren. Die Durchschnittsdauer der Symptome betrug 4.8 Jahre. Die Diagnose wurde durch eine Hautbiopsie gestellt. Das häufigste klinische Muster war Längenabhängigkeit (79.8 Prozent). In 35.7 Prozent der Fälle war es nicht möglich, eine Ursache für die Erkrankung zu bestimmen, in 34.5 Prozent wurde SNF durch eine autoimmunologische Krankheit ausgelöst, in 14.3 Prozent lag eine Stoffwechselstörung zugrunde.

Basierend auf den analysierten Daten treten pro Jahr 4.4 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner auf. Daraus leiten sich minimal 131.5 aktuelle Fälle pro 100.000 Einwohner (Prävalenz) ab.

Frühe Untersuchung wichtig

Die Studie zeigt, dass viele Betroffene mit einer SNF viele Jahre lang an Beschwerden leiden, bevor die korrekte Diagnose gestellt und eine geeignete Behandlung eingeleitet werden kann. Daher sollten Patienten, die über brennende Missempfindungen der Extremitäten berichten, frühzeitig auf das mögliche Vorliegen einer SNF untersucht oder an eine spezialisierte Sprechstunde überwiesen werden. Dazu gehören dann eine Hautbiopsie und eine quantitative Schweissmessung. Zur Bestimmung der Ursache einer Kleinfaserneuropathie – etwa erhöhter Blutzuckerspiegel – sind Serumtests erforderlich.

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