Muss ich mir Sorgen machen wegen des Cholesterins?

Mein Hausarzt hat bei mir (w, 67) einen zu hohen Cholesterinwert festgestellt, obwohl ich recht gesund lebe und nicht übergewichtig bin. Weshalb ist das Cholesterin trotzdem erhöht? Was kann ich dagegen machen? Um den Cholesterinwert sollte man sich schon in jungen Jahren kümmern, rät unser Spezialist. Bleibt er trotz angepasstem Lebensstil stark erhöht, sei eine medikamentöse Therapie zu prüfen. Der Cholesterinwert müsse individuell beurteilt werden.

29. Mai 2022

Lesezeit: 2 Minuten
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Dr. med. Urs Jeker Leitender Arzt Kardiologie am LUKS Luzern

Dass das Cholesterin trotz gesundem Lebensstil erhöht sein kann, ist keine Seltenheit. Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz (im Volksmund «Blutfett») und nimmt im Körper lebenswichtige Funktionen wahr. So etwa als Bestandteil der Zellmembran, als Baustoff für Hormone oder für die Bildung von Gallensäure.

Cholesterin ist aber nicht gleich Cholesterin. Gebildet wird es zum Grossteil in der Leber, zu rund 10 bis 15 Prozent wird es über die Nahrung aufgenommen. Da alle Zellen des Körpers auf Cholesterin angewiesen sind, wird es gebunden an Eiweiss über die Blutbahn transportiert. Diese Fett-Eiweissverbindungen, sogenannte Lipoproteine, kommen in unterschiedlicher Dichte vor und beeinflussen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen unterschiedlich.

Im Gegensatz zum «guten» bzw. «schützenden» HDL-Cholesterin gilt LDL als «schlecht», weil es speziell stark die Arteriosklerose, also die krankmachenden Gefässveränderungen fördert. Dadurch steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Es gilt «gut» und «schlecht» zu unterscheiden

Wichtig ist stets, das gesamte Cholesterinprofil und das Verhältnis von «gutem» zu «schlechtem» Cholesterin zu betrachten. Messwerte haben einen unterschiedlichen Stellenwert, abhängig vom Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kommt zu «klassischen» Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Diabetes, Stress und familiäre Vorbelastung noch ein ungünstiger Cholesterinwert hinzu, hat das eine andere Bedeutung, als wenn alles andere im grünen Bereich ist. 

Erstbestimmung im jungen Erwachsenenalter

Die zentrale Botschaft lautet: Man sollte sich um sein Cholesterin kümmern und erstmals eine Bestimmung im jungen Erwachsenenalter durchführen lassen. Sind in der Familie erhöhte Cholesterinwerte oder Fälle von frühem Herzinfarkt, plötzlichem Herztod oder Schlaganfall bekannt, ist eine Messung bereits bei Jugendlichen nützlich, damit gegebenenfalls frühzeitig gehandelt werden kann. 

Ohne Ihre Familiengeschichte zu kennen: Versuchen Sie es zunächst über ein paar Wochen mit einer speziell herzge-sunden Ernährung («mediterrane Küche»), meiden Sie Alkohol und intensivieren Sie ihre Bewegung. Senken diese Massnahmen den Cholesterinwert nicht in einen akzeptablen Bereich, muss eine medikamentöse Cholesterin-Senkung erwogen werden. 

Allgemein gilt: Je höher das gesamte Risikoprofil, umso aggressiver sollte die Behandlung des zu hohen Cholesterins sein. Erste Wahl bei den Medikamenten sind nach wie vor Statine. Manchmal kann ein solches Medikament Muskelkater-ähnliche Symptome verursachen. Dann drängt sich ein Wechsel des Statins auf. Cholesterin-Aufnahmehemmer in Kombination können zudem die Wirkung von Statinen verstärken. PCSK9-Hemmer gehören zu einer neuen Wirk-stoffklasse, die bei ungenügendem Ansprechen auf Statine oder bei Unverträglichkeit eingesetzt werden. In jedem Fall soll eine cholesterinsenkende Therapie gut verträglich sein, denn nur so ist diese auch längerfristig anwendbar.

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