Muss ich mit diesem «Schleierblick» leben?

Bei mir (w, 57) wurde vor zwei Monaten eine Glaskörperablösung beider Augen diagnostiziert. Seither nehme ich dauernd eine Art Schleier wahr, was sehr störend und ermüdend ist. Der Augenarzt riet mir zu mehr Feuchtigkeitstropfen, was keine Besserung bewirkte. Ansonsten könne man nicht viel machen. Ist dem wirklich so? Unser Spezialist Dr. med. Jeremy Howell von der Augenklinik beruhigt: Diese Symptome dürften sich innert ein paar Monaten deutlich bessern.

11. Mai 2021

Lesezeit: 2 Minuten
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Die gute Nachricht vorweg: Die Folgen der Glaskörperabhebung sind gut behandelbar, was ich hier gerne erläutere: Das Auge ist eine Hohlkugel, die mit einer gelatineartigen, in der Regel durchsichtigen Substanz gefüllt ist. Diese Substanz nennt sich Glaskörper, und sie grenzt hinten und seitlich an die Netzhaut.

Der Glaskörper ist biochemischen Alterungsprozessen ausgesetzt und verkleinert sich im Laufe des Lebens. Die Folge ist eine Ablösung des Glaskörpers von den hinteren Strukturen des Auges. Anders ausgedrückt: Der Glaskörper zieht sich zusammen und rutscht nach vorne. Der neu entstandene Hohlraum im hinteren Teil des Auges wird von körpereigener Flüssigkeit aufgefüllt. Durch das Zusammenziehen des Glaskörpers bilden sich viele kleine Verdichtungen, die als Mücken (Mouches volantes), Schleier oder Spinnennetze wahrgenommen werden und ständig im Auge «herumwirbeln». Am meisten stören die Verdichtungen beim Blick auf weisse oder helle Hintergründe wie etwa beim Skifahren, bei der Arbeit an hellen Bildschirmen oder beim Tagträumen mit Blick in den Himmel.

Solange die Verdichtungen nahe an der Netzhaut liegen, also zu Beginn der Glaskörperabhebung, sind die Mouches volantes deutlich und dunkel sichtbar, vergleichbar mit dem Schattenwurf eines Gegenstandes nahe an einer Wand.

Die meisten Menschen gewöhnen sich mit der Zeit gut an die Symptome der Glaskörperabhebung.

Dr. med. Jeremy Howell, Leitender Arzt Augenklinik am LUKS Luzern

Im ersten Jahr nach der Abhebung wandert der Glaskörper mit seinen Verdichtungen weiter nach vorne, also weiter weg von der Netzhaut, was zur Folge hat, dass die Mouches volantes viel durchsichtiger erscheinen. Die meisten Menschen gewöhnen sich mit der Zeit gut an die mittlerweile schwachen Symptome der Glaskörperabhebung, sodass sich nur in seltenen Fällen therapeutische Massnahmen aufdrängen

Operativer Eingriff mit ausgezeichneter Prognose

Allerdings gibt es trotzdem immer wieder Patienten, die nach einem ganzen Jahr weiterhin durch ausgeprägte herumwirbelnde Trübungen geplagt sind. Diese Patienten finden regelmässig den Weg in meine Sprechstunde mit der Frage, ob man nicht doch etwas gegen diese Trübungen unternehmen könne.

Tatsächlich kann man den störenden Glaskörper über drei winzige Zugänge (fortschrittlichste Schlüssellochchirurgie) elegant entfernen. Die Operation mit ausgezeichneter Prognose dauert insgesamt zirka 45 Minuten und wird in den meisten Fällen stationär durchgeführt.

Ich kann Ihnen deshalb beruhigend mitteilen, dass sich Ihre Symptome der Glaskörperabhebung vermutlich in den nächsten paar Monaten von alleine deutlich bessern werden. Sollte dies jedoch wider Erwarten nicht der Fall sein, empfehle ich Ihnen nach rund einem Jahr das Aufsuchen eines erfahrenen Netzhautchirurgen zur Beratung hinsichtlich der Entfernung Ihrer Glaskörpertrübungen.

 

 

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