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Neue Screening-Empfehlungen zur Früherkennung der Herzinsuffizienz bei Diabetes

Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für Herzinsuffizienz – oft bleibt die Erkrankung lange unentdeckt. Ein gemeinsamer Konsensus zweier Fachgesellschaften sowie von Hausärzten/-ärztinnen empfiehlt eine jährliche NT-proBNP-Messung – auch bei asymptomatischen Personen. In einer Serie von Kurzvideos erklärt Dr. med. Matthias Paul, Kardiologe am Luzerner Kantonsspital (LUKS), wie dadurch Herzinsuffizienz frühzeitig diagnostiziert und ihr Fortschreiten hinausgezögert werden kann.
17. September 2025
Lesezeit: 3 Minuten
Paul Matthias WebseiteBanner

Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz – bei über 60-Jährigen liegt die Prävalenz bei bis zu 30 %. Allerdings bleibt Herzinsuffizienz bei mehr als der Hälfte der Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes unerkannt – mit schwerwiegenden Folgen für Prognose und Lebensqualität.  

Bei der Herzinsuffizienz kommt es frühzeitig zu strukturellen Veränderungen am Herzen, welche mit einer Echokardiographie nachgewiesen werden können. In diesem Vorstadium sind auch die natriuretischen Peptide erhöht. Dadurch ist eine drohende Herzinsuffizienz bereits früh erkennbar, noch bevor Symptome und Zeichen einer Herzinsuffizienz auftreten. 

«Wenn wir die Personen im Vorstadium erkennen und frühzeitig behandeln, können wir das Fortschreiten der Erkrankung herauszögern, und die Betroffen behalten viel länger eine gute Lebensqualität» erklärt Dr. med. Matthias Paul, Leitender Arzt Kardiologie am Herzzentrum des LUKS.  

Der neue Schweizer Konsensus der Schweizerischen Gesellschaften für Endokrinologie und Diabetologie und für Kardiologie sowie von Hausärzten/-ärztinnen, bei dem auch Paul als Spezialist vertreten war, empfiehlt deshalb, bei allen Diabetespatientinnen und -patienten, die über 60 Jahren alt sind und keine Herzinsuffizienz-Symptome haben, jährlich den NT-proBNP-Wert zu bestimmen.  

Die Interpretation der Werte erfolgt wie folgt: 

  • NT-proBNP ≥ 300 ng/l: Herzinsuffizienz wahrscheinlich – Überweisung zur Echokardiographie 
  • NT-proBNP 125–299 ng/l: Herzinsuffizienz möglich – klinische Einschätzung und ggf. Zuweisung an Kardiologie 
  • NT-proBNP < 125 ng/l: Herzinsuffizienz unwahrscheinlich – keine weiteren Untersuchungen nötig, nächste Kontrolle in 1 Jahr 

Zu berücksichtigen ist: Komorbiditäten wie Adipositas, Vorhofflimmern oder chronische Nierenerkrankung können den NT-proBNP-Wert beeinflussen.  

«Neben der Bestimmung der NT-proBNP-Werte ist ebenso wichtig, bei Patientinnen und -Patienten mit Diabetes regelmässig aktiv nach Symptomen und Zeichen einer Herzinsuffizienz zu fragen», ergänzt Matthias Paul. «Zu diesen Fragen gehören:  

  • Haben Sie Atemnot, wenn Sie Treppen steigen?  
  • Haben Sie einen Leistungsknick bemerkt?  
  • Fühlen Sie sich mehr müde und abgeschlagen oder sind Sie appetitlos?» 

Bestehen bereits Symptome gilt ein tieferer NT-proBNP Wert von 125ng/l als Kriterium für eine kardiologische Abklärung. Dann sollte auch direkt mit einer Therapie begonnen werden.  

Der LUKS-Experte betont: «Ich empfehle allen Hausärztinnen und Hausärzten, aber auch den Diabetologen/-innen, bei Menschen mit entsprechenden Risikofaktoren immer an eine Herzinsuffizienz zu denken. Es ist wichtig, dass wir diese Erkrankung frühzeitig erkennen, damit wir das Fortschreiten zu einem symptomatischen Stadium aufhalten können.» 

Weitere Informationen und praktische Hinweise zur Früherkennung und Behandlung der Herzinsuffizienz bei Diabetes finden Sie in der Video-Serie. 

Die Konsensus-Empfehlungen sind in einer Pocketcard zusammengefasst, die auf der Webseite der der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie zu finden ist. 

SGED-Empfehlungen Diabetologie - Schweizerische Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie 

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