Soll ich mich zum Booster auch gleich gegen Grippe impfen?

Ich (m, 70) kriege bald die Booster-Impfung. Mein Hausarzt empfiehlt mir auch gleich die Grippeimpfung, aber mir ist etwas unwohl, zwei Impfungen machen zu lassen. Ist die Grippeimpfung überhaupt nötig? Unser Infektiologie-Spezialist sagt, die Grippeimpfung werde Personen über 65 Jahren weiterhin empfohlen, um schwere Verläufe zu verhindern, und sie könne auch gleichzeitig mit der Boosterimpfung verabreicht werden.

12. Dezember 2021

Lesezeit: 3 Minuten
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Die Grippeimpfung hat zwar nicht dieselbe hohe Bedeutung wie die Impfung gegen Corona, denn selbst in heftigen Grippewintern sehen wir weit weniger Erkrankte, die eine Hospitalisation benötigen oder an der Grippe sterben als in Zusammenhang mit Covid-19. Trotzdem gilt es gerade in der aktuellen Situation, jede zusätzliche Hospitalisation möglichst zu verhindern.

Wir empfehlen deshalb die Grippeimpfung weiterhin insbesondere all jenen, welche der vom BAG definierten Zielgruppe angehören. Das sind in erster Linie über 65-Jährige, Schwangere und Frauen, die in den letzten 4 Monaten entbunden haben, sowie Menschen mit einer bestehenden Grunderkrankung wie etwa Krebs oder Herz- und Lungenkrankheiten. Die ganze Auflistung finden Sie über den Link am Ende des Textes. 

All diese Menschen haben ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Grippeverlauf. Deshalb gilt die Impfempfehlung auch für Leute, die privat oder beruflich regelmässigen Kontakt mit diesen Personen haben, inklusive mit Säuglingen unter 6 Monaten. Rein aufgrund des Alters rate ich auch Ihnen zur Grippeimpfung. Jetzt ist eine guter Zeitpunkt dafür. Die Grippehochsaison dauert in der Regel von Januar bis März, und bis der Impfschutz maximal aufgebaut ist, vergehen 10 bis 14 Tage.

Ob uns eine schwere Grippesaison bevorsteht, lässt sich noch nicht abschätzen.

Dr. med. Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene

Aus medizinischer Sicht können Sie die Booster- und die Grippeimpfung am selben Tag oder auch beliebig zeitverzögert machen lassen. Falls Sie auf die ersten beiden Coronaimpfungen heftig reagiert haben sollten, ist ein Abstand von etwa zehn Tagen zwischen Booster und Grippeimpfung eventuell angenehmer und daher sinnvoll.

Coronaviren haben Grippeviren nicht verdrängt

Ob uns eine schwere Grippesaison bevorsteht, lässt sich noch nicht abschätzen. Im Winter 2020/21 gab es vor allem aufgrund der Coronamassnahmen (Abstand, Maske, Händehygiene) keine Grippewelle. Dass sich das wiederholt, ist ebenso wenig auszuschliessen wie die Möglichkeit, dass die Bevölkerung aufgrund der «Pause» im vergangenen Winter nun anfälliger ist auf Grippeviren. Eine Fehlannahme ist jedoch, dass das Coronavirus die Grippeviren verdrängt haben könnte. Verschiedene Viren können sich unbehelligt nebeneinander ausbreiten. Letztlich ist deshalb selbst eine gleichzeitige Erkrankung mit Corona- und Grippeviren theoretisch möglich, wird aber vermutlich selten auftreten.

Öfter ist zu hören, die Grippeimpfung nütze «sowieso nichts». Das ist nachweislich falsch. Was stimmt: Die Grippeimpfung bietet «nur» einen Schutz von 30 bis 70 Prozent, und bei älteren Menschen ist die Wirkung leider weniger ausgeprägt als bei Jüngeren. Doch ein langjähriger Durchschnittswert von rund 50 Prozent Schutz gegen eine häufige Infektionskrankheit ist nicht «nichts», zumal die Impfung dazu beiträgt, schwere Verläufe zu verhindern. Denkbar ist übrigens, dass künftig eine Grippeimpfung auf mRNA-Basis (wie die Covid-19-Impstoffe Moderna und Biontech/Pfizer) einen noch besseren Schutz bietet.

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