Tränen lügen nicht

Coopzeitung - Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung leidet an trockenen Augen – ein Problem, das die Betroffenen nicht wegblinzeln sollten.

30. September 2021

Lesezeit: 3 Minuten
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Sie brennen, jucken und sind gerötet. Und auch die komischste Filmkomödie, bei der sprichwörtlich «kein Auge trocken bleibt», kann diese Symptome nicht lindern – im Gegenteil. Vermehrte Bildschirmarbeit, Handy, Tablets, die tägliche Netflix-Serie, Klimaanlagen, welche die Luft austrocknen, oder auch Covid-19-Masken verstärken das Problem der trockenen Augen. «Gemäss Statistik leiden bis zu dreissig Prozent der Weltbevölkerung daran», sagt Philipp Bänninger (42). Für den leitenden Arzt der Augenklinik am Luzerner Kantonsspital ist diese Zahl aber noch höher: «Betroffene, die rezeptfreie künstliche Tränenersatzpräparate kaufen, anstatt eine angemessene medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen, sind darin nicht erfasst.»

«Eine professionelle Behandlung ist essenziell.»

Philipp Bänninger, Leitender Arzt Augenklinik

Signifikant mit Depressionen verbunden

Dabei wäre eine professionelle Behandlung essenziell. Denn das Trockene-Augen-Symptom (lat. Keratoconjunktivits sicca) ist weit weniger harmlos, als es scheint. «Sechzig Prozent der Patienten sprechen von einer verminderten Lebensqualität bei alltäglichen Aktivitäten und Hobbys, rund vierzig Prozent klagen gar über verminderte Leistungsfähigkeit bei der Arbeit», erklärt Bänninger. Besorgniserregend ist auch, dass die Erkrankung signifikant mit Angststörungen und Depressionen verbunden ist. Eine grosse bevölkerungsbezogene Querschnittsstudie liefert den Beweis. Darin geben rund 14 Prozent der Patienten mit trockenen Augen an, dass sie an Depressionen leiden, das sind über 50 Prozent mehr als in der Kontrollgruppe. Wie eingangs beschrieben, ist die vermehrte Tätigkeit am Bildschirm problematisch. Augenarzt Philipp Bänninger: «Während beim normalen Sprechen die Blinzelrate mit fünfzehn Mal pro Minute äusserst variabel ist, reduziert sich diese bei der Arbeit am Computerbildschirm deutlich auf fünf Mal pro Minute, was die Verdunstung der Tränenflüssigkeit fördert.»

Doch sind nicht nur die Bildschirme für das Auftreten von trockenen Augen schuld. «Es gibt auch andere Ursachen wie Hormonveränderungen, Autoimmunerkrankungen, entzündete Liddrüsen oder allergische Augenerkrankungen, die den gesunden Tränenfilm stören», erklärt der Experte. Spricht er über den Tränenfilm, so meint er damit eine Kombination aus Ölen, wässriger Flüssigkeit und Schleim, die normalerweise dafür sorgt, dass die Oberfläche der Augen geschmiert, glatt und klar bleibt. Ist diese gestört, kann dies zu trockenen Augen führen.

Nicht zu unterschätzen

Dabei betont Bänninger, dass subjektive (vom Patienten) und objektive klinische Befunde (Untersuchung durch den Arzt) nicht immer übereinstimmen. «Es gibt Patienten mit erheblichen Beschwerden, die keine signifikanten klinischen Anzeichen haben, aber auch Patienten mit schweren trockenen Augen, die sogar das Sehvermögen bedrohen, aber nur unter leichten Symptomen leiden.» Bei solch schweren Formen der Erkrankung können Vernarbungen der Bindehaut oder Hornhautkomplikationen auftreten, die, je nach Verlauf, sogar zu einer Perforation (Lochbildung in der Hornhaut) führen können. Philipp Bänninger mahnt die Betroffenen, die Krankheit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. «Es handelt sich dabei um ein chronisches Leiden. Eine wichtige Message ist, dass sich das trockene Auge nicht plötzlich heilen lässt.» Das Ziel der Betroffenen müsse das Finden einer Therapie sein, welche die Symptome so gut wie möglich behandelt. «Leider gibt es weder die heilende Pille noch die Operation, wie das viele Betroffene hoffen», erklärt der Facharzt.

Künstliche Tränen als Haupttherapie

Die Hauptstütze der Therapie für alle Schweregrade sind deshalb künstliche Tränen. «Da gibt es aber keine grossen und kontrollierten Studien, die die vielen verschiedenen Arten von künstlichen Tränen bewerten, die auf dem Markt erhältlich sind», gibt Philipp Bänninger zu Bedenken und empfiehlt mit Nachdruck: «Grundsätzlich empfehle ich meinen Patientinnen und Patienten, immer Produkte ohne Konservierungsstoffe zu verwenden.» Und der Rest basiert dann auf der Vermeidung von Faktoren, welche die Irritation der Augen noch verschlimmern, sprich: Zigarettenrauch, trockene Heizungsluft oder Klimaanlagen.

Quelle: Coopzeitung, 28. September 2021

Autor: Andreas Eugster

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