Unsere Corona-Lernkurve verläuft steil

Im Pandemiestab am Luzerner Kantonsspital (LUKS) werden die aktuellsten Entwicklungen rund um Covid-19 analysiert und Schlüsse für den Spitalbetrieb gezogen. Prof. Dr. med. Christoph Henzen, Departementsleiter Medizin, führt den Pandemiestab. Er ist extrem stolz, was bisher in dieser Pandemie geleistet und wie zielgerichtet auf jede Veränderung reagiert wurde.

30. April 2021

Lesezeit: 4 Minuten
Christoph Henzen

Christoph Henzen, wie ist die Stimmung im Pandemiestab?

Die Stimmung ist gut. Ich bin der Meinung, wir haben die Pandemie bisher wirklich gut gemeistert. Stolz bin ich insbesondere darauf, wie eindrücklich das LUKS und all seine Mitarbeitenden ihre Wandlungs- und Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben. Alle Pandemiestabsmitglieder wissen, dass sie sich auf die Mitarbeitenden ihres Bereiches verlassen können. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass es eine Pandemiemüdigkeit gibt. Das spüren wir auch selber. So würde auch ich mich gerne wieder intensiver mit anderen Themen beschäftigen oder mit meiner Familie in ein Restaurant essen gehen. Bis dies wieder möglich sein wird, braucht es jedoch noch Geduld und Durchhaltevermögen.

Was hat Sie im vergangenen Jahr am meisten beeindruckt?

Es ist schwierig, ein einzelnes Ereignis herauszupicken. Ganz allgemein würde ich sagen, wie zielgerichtet wir auf jede Veränderung reagiert haben und wie steil unsere Lernkurve verlief. Klar, die Herausforderungen waren extrem gross und nicht selten hat uns die dynamische Entwicklung schneller eingeholt, als uns lieb war – Hektik oder gar Planlosigkeit sind jedoch nie ausgebrochen. Fehler wurden offen angesprochen und die richtigen Lehren daraus gezogen.

Eine Erfolgsgeschichte ist die Impfung. Letztens war in den Medien zu lesen, dass kein Spital mehr Mitarbeitende geimpft hat als das LUKS.

Das ist beeindruckend und macht mich stolz. Mit der Impfung gewinnen wir im Spital wichtigen Handlungsspielraum zurück, weil geimpfte Mitarbeitende vor Covid-19 geschützt sind und einsatzbereit bleiben. Das erleichtert uns die Planung ungemein. Zudem ist die digitale Abwicklung der Impfung über MeinLUKS schlicht genial. MeinLUKS ist eine grosse Erleichterung im Klinikalltag. Das zu nutzen, ist uns schon gut gelungen – wir haben bereits über 50 000 Nutzerinnen und Nutzer.

Sie haben die Lernkurve angesprochen. Wo haben wir noch Luft nach oben?

Verbesserungspotential zu orten, ist eine Daueraufgabe des Pandemiestabs. Wir haben bereits in der zweiten Welle grosse Fortschritte gegenüber der ersten gemacht. Die Führungsorganisation war eingespielter, die Zusammenarbeit zwischen den Standorten innerhalb der LUKS Gruppe sowie der ganzen Zentralschweiz wurde stark verbessert und die Kommunikation war zielgerichteter. Dies alles ermöglichte es uns, dass wir parallel zur Pandemiebewältigung den Regelbetrieb mit Einschränkungen aufrechterhalten konnten. Und schliesslich tauchten gewisse Probleme in der zweiten Welle nicht mehr auf wie etwa unzureichend vorhandenes Material. Dies auch dank der ausgezeichneten Arbeit im Bereich Einkauf und Logistik.

Es macht durchaus Sinn, wenn Mediziner und Pflege auch in «Friedenszeiten» bereits einen regelmässigen Einblick in andere Abteilungen gewinnen.

Prof. Dr. med. Christoph Henzen

Welche Lehren ziehen Sie aus der zweiten Welle?

Ich möchte dazu einige medizinische Überlegungen machen. Mit dem Ampelschema zur Steuerung unserer OP-Kapazität haben wir gute Erfahrungen gemacht. Unsere Ressourcen können so gebündelt werden. Dieses System gilt es weiter zu verfeinern, auch unter Einbezug der Auswirkungen für die Bettenstationen und damit der Pflege. Es ist zu prüfen, Ampelsysteme mit konkreten Schwellenwerten für sämtliche Bereiche zu erarbeiten und so die Planungssicherheit zu erhöhen. Dies wird sich positiv auf alle Bereiche auswirken. Ich wünsche mir zudem, dass die Rolle der einzelnen LUKS-Standorte im Hinblick auf eine nächste Welle klar definiert wird, damit wir Kräfte bündeln und Ressourcen optimal einsetzen können – diese Frage diskutieren wir auch in der Geschäftsleitung.

Wo sehen Sie einen weiteren Fokus?

Es ist ganz klar: Ohne unsere Mitarbeitenden könnten wir die Pandemie nicht meistern. Sie sind unser höchstes Gut. Wir müssen deshalb besonders belastete Abteilungen rasch, unkompliziert und längerfristig entlasten können. Dies können einerseits temporäre Verstärkungen sein, andererseits Mitarbeitende aus anderen Abteilungen. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis: Es macht durchaus Sinn, wenn Mediziner und Pflege auch in «Friedenszeiten» bereits einen regelmässigen Einblick in andere Abteilungen gewinnen.

Die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden wurde im Pandemiestab thematisiert. Können Sie uns die Überlegungen dazu darlegen?

Ich habe vollstes Verständnis, dass dies bei den Mitarbeitenden viel zu reden gibt. Auch in diesem Bereich hinterfragen wir uns selbstkritisch. Die Erwartungshaltung ist dabei sehr individuell. Die Mitarbeitenden verstehen aber angesichts der Tatsache, dass das LUKS 2020 einen grossen Verlust schreibt, auch, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können. Nebst monetären Anreizen legen wir einen Fokus auf ein proaktives und systematisches Entlasten, wenn wir merken, dass Teams seit Wochen auf dem Zahnfleisch laufen. Zudem versuchen wir den Mitarbeitenden mit gezielten Aktionen etwas Gutes zu tun. So ist etwa eine Sonderwoche in Planung, die etwas Ablenkung vom Corona-Alltag bringen soll.

Eine vermeintlich simple Frage zum Schluss: Wie geht es weiter?

Es gibt zahlreiche Faktoren, welche den weiteren Verlauf der Pandemie beeinflussen. Die Impfung ist sicherlich ein entscheidender. Auf der anderen Seite wird die Politik irgendwann weitere Lockerungen beschliessen, um der Gesellschaft und der Wirtschaft ihre Freiheiten zurückgeben zu können. Dies könnte zu einer Verschärfung der bisher moderat verlaufenden dritten Welle führen. Alles in allem bin ich aber zuversichtlich, dass wir bis Ende Jahr die Pandemie soweit in den Griff bekommen, dass wir wieder von Normalität sprechen können. Gerne nutze ich die Gelegenheit, um unseren Mitarbeitenden an dieser Stelle ganz herzlich für ihr grosses Engagement zu danken! Was Sie in dieser Pandemie leisten, macht mich extrem stolz.

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