Was bringt das neue Medikament gegen Fettleibigkeit?

Trotz einiger Diäten bin ich (m, 42) stark übergewichtig. Nun las ich von einem Medikament, das offenbar einfach abnehmen hilft. Sollte ich dieses einmal ausprobieren? Starkes Übergewicht (Adipositas) ist eine Erkrankung, welche die Lebensqualität einschränken kann und gefährlich ist. Eine wirksame Therapie ist dringend nötig. Das erwähnte Medikament erzeugt ein Gefühl von weniger Hunger und besserer Sättigung, der Effekt reicht aber bei schwerster Adipositas nicht aus, so unsere Expertin.

10. Juli 2022

Lesezeit: 2 Minuten
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Dr. med. Roxana Bacauanu, Oberärztin am Adipositas-Zentrum des Luzerner Kantonsspitals

Adipositas ist meist die Folge einer vererbten Störung von Botenstoffen (Hormonen), welche Hunger, Sättigungsgefühl und die Lust auf kalorienreiche Kost steuern. Der Körper unternimmt alles, um das Abnehmen («Verhungern») zu verhindern. Bei adipösen Personen ist dieses Gefühl ein Dauerzustand. Trifft diese Veranlagung auf die Umgebung einer Gesellschaft im Überfluss, wird Adipositas sichtbar. Ab zirka einem Body-Mass-Index (BMI) von 33 hilft der gute Wille nicht mehr allein (BMI-Rechner finden sich im Internet).

Oft tritt Resignation oder ein Gefühl des Versagens ein. Eine gesunde Ernährung und Bewegung sowie der Wille sind trotzdem wichtig. Dadurch kann der Gesundheitszustand deutlich verbessert werden auch ohne das in aller Regel unrealistische Ziel, massiv Gewicht zu verlieren.

Medikamente oder eine Operation beeinflussen die Störung der Hormone wesentlich. In der Schweiz ist nun ein rezeptpflichtiges Medikament zugelassen, das nur von ausgesuchten Spezialisten verordnet werden kann. Es ist ein Hormon, welches täglich mit einer sehr feinen Nadel unter die Haut gespritzt wird.

Medikament bewirkt verändertes Essverhalten

Es wirkt mehrfach im Körper und erzeugt im Hypothalamus (Teil des Gehirns, in dem Hunger und Sättigung gesteuert werden) das Gefühl von weniger Hunger und besserer Sättigung.

Dieser Zustand wird häufig als Befreiung empfunden. Jetzt ist auch der Körper zufrieden, abnehmen zu können, und er empfindet die Reduktion der Nahrung nicht als «Verhungern». Magen und Darm bewegen sich langsamer, die Verdauung wird gebremst, in der Bauchspeicheldrüse kommt es zu einer verbesserten Ausschüttung und Wirkung von Insulin.

Mit dem Medikament gelingt eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 7 bis 9 Prozent des Ausgangsgewichts. Oft ist das ein riesiger Erfolg und ausreichend, um manche Begleiterkrankungen verbessern zu können.

Nebenwirkungen wie etwa Übelkeit sind gering und verschwinden im Lauf der Therapie. Man muss das Medikament jedoch sinnvoll einsetzen. Es ist kein «Wundermittel». Der Einsatz ist besonders geeignet bei leichter Adipositas. Das Medikament ist aber eine sehr wertvolle Therapiemöglichkeit in der differenzierten Adipositas-Behandlung.

Nicht ausreichend bei schwerer Adipositas

Bei schwerer Adipositas ist der Effekt allerdings zu gering. Man erreicht «nur» etwa eine Gewichtsreduktion von 130 auf 120 Kilos. Um eine nachweisliche Lebensverlängerung oder eine Heilung des Diabetes mellitus Typ 2 bei schwerer Adipositas zu erreichen, bedarf es einer Gewichtsreduktion von mindestens zirka 20 Prozent. Dieses Ziel ist weiterhin nur durch eine Operation, die eine Gewichtsreduktion von 25 bis 35 Prozent bringen kann, zu erreichen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Sie die Voraussetzungen für die Behandlung erfüllen und welche Therapie für Sie am besten geeignet wäre.
 

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