Was tun gegen die Blasenschwäche nach dritter Geburt?

Ich (37) trage seit der Geburt meines dritten Kindes permanent Einlagen. Anfangs brauchte ich diese nur beim Tennisspielen, aber mittlerweile verliere ich etwas Urin schon bei der geringsten Belastung. Nun plagen mich Schamgefühle, und ich merke, wie ich mich deshalb immer mehr zurückziehe. Was kann und soll ich tun? Unser Spezialist empfiehlt eine beckenbodenspezifische Physiotherapie. Auf jeden Fall rät er für solche Fälle, via Hausarzt eine qualifizierte Beratungsstelle aufzusuchen.

16. August 2021

Lesezeit: 2 Minuten
Aghai Kaweh WebseiteBanner

Dr. med. univ. Kaweh Aghai, Leitender Arzt Gynäkologie/Geburtshilfe, LUKS Wolhusen.

Aus Ihren Worten geht hervor, was wir immer wieder feststellen: Inkontinenz (Blasenschwäche) ist weiterhin ein Tabuthema. Wer daran leidet, spricht kaum darüber. Viele denken, das gehöre zum Älterwerden halt dazu, was aber völlig falsch ist, ebenso wie die Ansicht, das Problem würde erst im Alter auftreten. Jede dritte Frau über 35 hat Erfahrung mit Inkontinenz.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Bei Frauen zählen – wie offenbar bei Ihnen – Schwangerschaft und Geburt dazu, ferner auch Senkungen und Operationen im Beckenboden sowie die Wechseljahre. Auch Männer kennen das Problem, das sich unter anderem in einem Nachtröpfeln zeigt. Hauptursache für Blasenschwäche bei Männern sind Veränderungen der Prostata. Für beide Geschlechter als Risikofaktoren gelten Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes und chronische Blaseninfekte.

Es gibt drei verschiedene Formen von Inkontinenz. Zum einen die Belastungs- oder Stressinkontinenz, bei der es beim Husten, Heben oder Springen zu ungewolltem und unkontrollierbarem Urinverlust kommt. Diese Form betrifft zumeist Frauen. Zum zweiten die Dranginkontinenz (Over Active Bladder OAB), mit plötzlichem und imperativem, also praktisch nicht mehr aufschiebbarem Harndrang, mit oder ohne ungewolltem Urinverlust). Von OAB sind Männer häufiger betroffen.

Die dritte Form ist die Überlaufinkontinenz, die sich durch permanentes Tröpfeln auszeichnet, weil die Blase sich nicht mehr richtig entleert.

Qualifizierte Beratung in Anspruch nehmen

Betroffene sollten sich nicht scheuen, eine qualifizierte Beratungsstelle aufzusuchen. Die meisten Spitäler verfügen über ein Beckenbodenzentrum mit Sprechstunden. Die Anmeldung erfolgt meist über den Hausarzt, teils auch direkt. Je nach Diagnose wird eine geeignete Therapie eingeleitet. Hilfreich in Ihrem Fall dürfte primär eine beckenbodenspezifische Physiotherapie sein. Bei unzureichendem Erfolg kann eine ambulante Operation die Belastungsinkontinenz bessern oder auch heilen.

Goldstandard ist eine minimal-invasive Schlingeneinlage, bekannt unter dem Begriff «Bändchen». Vorgängig wird mittels einer schmerzlosen Untersuchung (Urodynamik) festgestellt, ob diese Operation sinnvoll ist. Wenn nicht, kommt ein weiterer Schlüssel-loch-Eingriff in Frage, bei welchem der Blasenhals durch Haltenähte angehoben und fixiert wird.

Generell gilt, dass Jede und Jeder den Beckenboden trainieren und möglichen Problemen vorbeugen kann. Die vier Regeln:

  1. Beckenboden stärken durch gezieltes Training.
  2. Gesunde Ernährung, Vermeidung scharfer und saurer Speisen.
  3. Ausreichend trinken, mindestens zwei Liter am Tag.
  4. Aktiv sein (z.B. Wandern, Velofahren, Schwimmen) und so gleichzeitig das Gewicht unter Kontrolle halten.
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