Zwei schweizweite Premieren in der Gastroenterologie am LUKS Luzern

Die Gastroenterologie des Luzerner Kantonsspitals setzt seit Frühjahr 2020 als erstes Spital in der Schweiz künstliche Intelligenz bei der Darmspiegelung (CAD EYE) und eine neue Methode in der Diagnostik und Therapie von Dünndarmerkrankungen (PowerSpiral Enteroskopie) ein.

22. Dezember 2020

Lesezeit: 3 Minuten
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Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Darmspiegelung (CAD EYE)

Künstliche Intelligenz (KI) revolutioniert zunehmend unseren Alltag und kommt immer mehr auch im Bereich der Medizintechnik zum Einsatz. Mit dem CAD EYE System brachte die Firma Fujifilm kürzlich das weltweit erste KI-System auf den Markt, welches den Endoskopiker (indem diesem quasi ein virtueller Zweituntersucher zur Seite gestellt wird) bei der Darmspiegelung gleich doppelt unterstützt: einerseits um möglichst viele Polypen zu entdecken und andererseits um diese korrekt zu charakterisieren. Unsere Abteilung setzt seit Frühjahr 2020 als erstes Spital in der Schweiz dieses System bei der Darmspiegelung regelmässig ein.

Anlässlich einer Darmspiegelung sollen Polypen entdeckt und direkt entfernt werden. Dadurch wird das Darmkrebsrisiko deutlich reduziert. Somit ist die Detektion der Polypen entscheidend. Während das menschliche Auge durchaus auch relevante Befunde verpassen kann, analysiert das CAD EYE System während der Spiegelung in Echtzeit die Videobilder, markiert verdächtige Stellen auf dem Monitor optisch und weist den Untersucher mit einem Audio-Signal zusätzlich auf erhobene Befunde hin. Der Einsatz eines solchen Systems führt dazu, dass etwa 10% mehr Polypen entdeckt werden und dies mit einer Zuverlässigkeit von gegen 100%. Somit können wir unseren Patienten dank der KI nun eine noch bessere Qualität bei der Darmkrebsvorsorge bieten.

Zudem hilft die Charakterisierung der Polypen infolge Analyse deren Oberfläche dem Endoskopiker das Entartungsrisiko abzuschätzen, was wiederum auch die Wahl der Resektionstechnik relevant beeinflusst (so müssen z.B. Frühkarzinome unbedingt „en bloc“ entfernt werden).

Es ist sehr wahrscheinlich (und hoffentlich) nur eine Frage der Zeit, bis auch bei anderen Untersuchungen wie z.B. Magenspiegelung und endoskopischem Ultraschall KI-Systeme eingesetzt werden. Nichtsdestotrotz wird es uns Ärzte weiterhin brauchen, denn die Fähigkeit mit den erhobenen Daten und Resultaten korrekt, verantwortungsbewusst und – die Gesamtsituation vom Patienten berücksichtigend – sinnvoll umzugehen, werden die KI-Systeme kaum je erreichen.

Untersuch CAD EYE

Dr. med. Aepli zeigt, wie der Untersucher vom CAD EYE System optisch auf einen Polypen im Dickdarm hingewiesen wird.

Neue Methode in der Diagnostik und Therapie von Dünndarmerkrankungen (PowerSpiral Enteroskopie)

Mit dem PowerSpiral Enteroskop brachte die Firma Olympus kürzlich das weltweit erste, motorisierte Endoskop auf den Markt. Die schweizweit erste Untersuchung mit diesem neuen, innovativen Instrument erfolgte im Mai 2020 am LUKS Luzern.

Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf eine Dünndarmpathologie, wird nebst bildgebenden Verfahren wie CT oder MR oft auch eine Kapselendoskopie durchgeführt. Findet sich anlässlich dieser (rein diagnostischen) Untersuchungen ein relevanter Befund (z.B. Tumor, Polyp, Blutung) bedarf es einer weiterführenden Dünndarmspiegelung, welche bis anhin unter dem Einsatz von zeit- und personal-intensiven Ballon-basierten Systemen (Single- oder Doppel-Ballon-Enteroskop) sehr aufwendig war.

Das von einem Motor angetriebene PowerSpiral Enteroskop kann per Fussschalter aktiviert und dadurch im Darm vor- und rückwärts manövriert werden. Eine flexible Spirale fädelt den Dünndarm Stück für Stück vorsichtig auf das Endoskop, zudem stoppt der Motor bei zu grossem Widerstand, womit Komplikationen vermieden werden sollen. Diese neue Technik ermöglicht uns die Dünndarmspiegelung nun effizienter und mit einer deutlich kürzeren Untersuchungszeit durchzuführen. Nach wie vor können direkt während der Untersuchung Biopsien entnommen, Polypen entfernt oder Blutungen gestillt werden.

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Dr. med. Aepli und Dr. med. Venetz, unmittelbar vor dem schweizweit ersten Einsatz des motorisierten PowerSpiral Enteroskopes im Mai 2020.

Autoren:

Dr. med. Daniel Venetz, Leitender Arzt Gastroenterologie / Hepatologie, LUKS Luzern
Dr. med. Patrick Aepli, Chefarzt Gastroenterologie / Hepatologie, LUKS Luzern

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